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NBA

Sein Team. Sein Titel.

Von Florian Regelmann
Kevin Garnett, Chelsea, Celtics, NBA
© Getty

München - Wie ein kleines Kind sich auf Weihnachten freut, fiebert Kevin Garnett "seinem" großen Tag entgegen.

Noch ein Sieg der Boston Celtics in Spiel 6 oder 7 gegen die Los Angeles Lakers, dann hat sich Garnetts Titel-Traum endlich erfüllt. Es gibt keinen Spieler, dem man es mehr gönnen würde. 

Wer den Menschen Garnett ergründen will, der muss sich nur eine Szene vor Augen führen.

Es war in der vorletzten Woche, da wurde dem Superstar der Celtics am Rande der Finalserie ein ganz besonderes Geschenk überreicht: Ein Trikot des FC Chelsea mit seinem Namen und seiner Nummer 5 auf dem Rücken.

Das Kind in Garnett 

Eine ganz nette Sache, aber jetzt auch kein Grund, um vor Ekstase auszurasten. Doch Garnett, der ein glühender Anhänger von Michael Ballack und Co. ist, streifte sich das Jersey sofort über und strahlte wie ein Achtjähriger.

"Das ist so toll. Ihr habt mir einen wunderschönen Tag beschert", bedankte sich Garnett. Knapp 24 Millionen Dollar Jahresverdienst hin oder her, es war die ehrliche, kindliche Freude eines sympathischen Sportlers.

"Ich kann es schon schmecken", ist Garnett sicher, dass ihn angesichts des 3-2-Vorprungs seiner Celtics auf dem Weg zur Meisterschaft nichts mehr stoppen kann.

Garnett ist der MVP 

998 Spiele hat der 32-Jährige in seiner Karriere in der Regular Season absolviert. Dabei hat er über 8000 Würfe getroffen, 20.378 Punkte gemacht und 37.873 Minuten auf dem Feld gestanden.

Gebracht hat es ihm eine Auszeichnung als MVP (2004 für die Minnesota Timberwolves) und elf All-Star-Nominierungen. Er würde sie alle ohne mit der Wimper zu zucken hergeben für einen einzigen Championship-Ring.

Wer die Bedeutung Garnetts für Boston erkennen will, der muss nur zwei Zahlen lesen: 24 und 66.

24 Siege holten die Celtics, bevor K.G. nach Boston kam. 66 feierten sie in dieser Saison. Manche mögen sagen, er habe ja Paul Pierce und Ray Allen an seiner Seite und war in dieser Saison mit durchschnittlich 18,8 Punkten pro Partie nicht einmal Topscorer seines Teams.

Neue Kultur geschaffen 

Genau deswegen ging der MVP-Award auch an Kobe Bryant, obwohl er irgendwo Garnett gehört hätte. Denn sein Wert geht weit über seine individuelle Statistik hinaus.

Garnett hat seit seiner Ankunft in Boston eine am Boden liegende Franchise wiederbelebt, er hat eine völlig neue Kultur geschaffen und die Celtics zu einem Championship-Team gemacht.

Er ist es, der wie kein Zweiter für Bostons herausragende Defense steht. Nicht umsonst wurde Garnett zum besten Defensivspieler der Saison gewählt.

Nachdem er offensiv in den Spielen 2 und 3 der Finals keine gute Leistung gezeigt hatte, kam in Boston dennoch Kritik auf. Zwar erkannte man an, was Garnett für die Mannschaft leistete, aber man wollte, dass er einem Spiel offensiv mal so richtig den Stempel aufdrückt.

"Ich bin nicht perfekt" 

Dass er ein Spiel dominiert wie es früher Michael Jordan, Larry Bird oder Wilt Chamberlain gemacht haben. Dan Shaughnessy vom "Boston Globe" verglich Garnett in seiner Kolumne mit einem nervösen Teenager, der sich nicht recht traut, in die Cafeteria zu gehen und das Mädchen aus dem Cheerleader-Team nach einem Date zu fragen.

Statt sich zu "trauen" und aggressiv zum Korb zu gehen, stand Garnett außen und nahm einen Sprungwurf nach dem anderen.

Seine Reaktion: "Es stimmt. Ich bin nicht perfekt und selbst mein größter Kritiker. Ich muss wohl mehr den Weg zum Korb suchen."

Der Superstar als Teamplayer  

In Spiel 4  und 5 machte er es besser. Zwar erzielte er wieder "nur" einmal 16 und einmal 13 Punkte, aber wer 40-Punkte-Spiele von Garnett erwartet, der versteht ihn nicht.

"Wenn Paul drei Würfe in Folge trifft, nimmt er auch den vierten. Völlig egal, ob es ein guter Wurf ist oder nicht. Dasselbe gilt für Kobe. Wenn Kevin dagegen drei Würfe in Serie verwandelt, denkt er sich, dass er jetzt zu viele Würfe genommen hat und will seine Mitspieler in Szene setzen", erklärt Celtics-Headcoach Doc Rivers, wie sein Star tickt.

So wird bei einem Triumph der Celtics wohl auch nicht Garnett, sondern Pierce zum wertvollsten Spieler der Finalserie gekürt werden. Beileibe keine unverdiente Wahl, aber man darf sich auch nichts vormachen. Die Celtics sind Garnetts Team. Wenn sie den Titel gewinnen, dann ist es sein ganz persönlicher Triumph.

Wahrscheinlich werden seine Augen dann auch noch mehr leuchten, als wenn er ein Trikot des Fast-Champions-League-Siegers geschenkt bekommt... 

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