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Olympia

Hier kommt der Kannibale

Von Carolin Blüchel
phelps
© Getty

München - Der König, der Kannibale, der Superstar: Bei den olympischen Schwimm-Wettbewerben wird sich alles um Michael Phelps drehen. Doch im Schatten des großen Amerikaners gibt es noch einige wirklich sehenswerte Highlights. SPOX hat sie zusammengestellt.

Michael Phelps: Er ist erst 23 und kann schon zum erfolgreichsten Olympioniken aller Zeiten aufsteigen. "Nur" vier Goldmedaillen würden Phelps reichen, um die Turnerin Larissa Latynina (9 x Gold zwischen 1956-64) in der ewigen Bestliste zu überflügeln.

Das zweite Vorhaben des Ausnahmetalents könnte hingegen zu einer Mission Impossible werden. Der vierfache Weltrekordler will bei acht Starts achtmal nach Gold greifen und damit den Rekord von Mark Spitz 1972 in München (siebenmal Gold) brechen. "Ich glaube nicht, dass acht Goldmedaillen möglich sind", stichelte Phelps' ehemaliger Rivale Ian Thorpe gegenüber "Fox Sports News". Ganz unbegründet sind die Zweifel des Australiers tatsächlich nicht.

Denn der US-Boy ist vor allem in den drei Staffel-Wettbewerben auch auf seine Teamkollegen angewiesen. Und die zählen über die 4x100-m-Distanz schon mal nicht zu den Favoriten. Zuspruch erhielt der 21-Jährige von prominentester Stelle. "Ich traue Michael die acht Goldmedaillen zu. Und ganz ehrlich, ich würde mich auch sehr für ihn freuen. Auch wenn er damit meinen Rekord auslöscht", sagte Mark Spitz.

1.500 m Freistil, Männer: Ebenfalls in die Geschichtsbücher eintragen könnte sich Grant Hackett. Der Australier könnte zum dritten Mal in Folge Olympiasieger über die 1.500-m-Distanz werden. Allerdings ist die Konkurrenz so stark wie nie zuvor. Mit Peter Vanderkaay und Eric Vendt waren in diesem Jahr bereits zwei US-Schwimmer schneller als der Oldie.

Katie Hoff: Die 21-Jährige könnte das weibliche Pendant zu Michael Phelps werden. Sieben Goldmedaillen (200, 400 und 800 m Freistil, 200 und 400 m Lagen, 4x100 und 4x200 m Freistil) peilt die US-Amerikanerin im Becken von Peking an. Über die 200-m-Freistil-Strecke hoffen die deutschen Fans allerdings auf ordentlich Gegenwehr von Annika Lurz, die die zweitschnellste je geschwommene Zeit über diese Distanz hält.

100-m-Freistil, Frauen: Am 15. August kommt es zum großen Showdown zwischen Weltrekordlerin Lisbeth Trickett und Britta Steffen. Die Australierin hatte erst im Frühjahr den Weltrekord der Deutschen auf 52,88 Sekunden pulverisiert. Steffen antwortete wenig später mit einem neuen Europarekord (53,20), gab in der "Berliner Morgenpost" aber zu: "Tricketts Zeit ist für mich noch ein gutes Stück entfernt."

Sollte es Steffen dennoch gelingen die übermächtige Australierin in Schach zu halten, wäre es die erste Goldmedaille bei Olympischen Spielen für den DSV seit Dagmar Hase 1992 in Barcelona.

Die schönsten Gesichter: Sagt Ihnen der Name Amanda Beard noch etwas? Die schöne Blondine gewann bereits mit zarten 14 Jahren zweimal Silber. Nach dem Olympiasieg in Athen 2004 beendete sie im Alter von 23 Jahren ihre Karriere, um sich als Model zu versuchen. Nach erfolgreichen Ausflügen auf diverse Hochglanz-Cover dieser Welt ist sie jetzt wieder zurück im Becken. Eine Medaille wäre eine Überraschung. Das Zuschauen lohnt sich trotzdem.

Bessere Chancen auf Edelmetall hat da Laure Manaudou. Allerdings hatte Frankreichs schönster Goldfisch zuletzt mit ihrem Privatleben zu kämpfen, so dass die sportlichen Leistungen zu wünschen übrig ließen. Vielleicht findet sich in China aber ihr Lächeln wieder.

Deutsche Medaillenchancen: Zugegeben, die DSV-Schwimmer haben uns in Athen nicht gerade mit Gold, Silber und Bronze überschüttet. Auch in Peking wird der Medaillenregen aller Voraussicht nach ausbleiben. So einige Lichtblicke gibt es dann aber doch am düsteren Schwimmer-Horizont. Neben Britta Steffen (100 m Freistil) und Annika Lurz (200 m Freistil), könnten auch Sarah Poewe (100 m Brust), Europarekordler Helge Meeuw (100 m Rücken) und Paul Biedermann (200 m Freistil) zu olympischen Ehren gelangen.

Vor allem Biedermann schwimmt derzeit auf der Erfolgswelle, schließlich hatte er im Frühjahr den Deutschen Uralt-Rekord von Michael Groß gebrochen. Ob ihn die Welle jedoch auch an Michael Phelps vorbeischwemmt, darf bezweifelt werden. Mit etwas Glück kämpft auch die 4x100-Meter-Freistilstaffel der Frauen um einen Platz auf dem Podest. 

China vs. Rest der Welt: Das Schwimm-Team des Gastgebers gleicht einer Zaubertüte. In den Weltjahresbestenlisten des Weltverbandes (FINA) tauchen kaum chinesische Namen auf. Dennoch wäre es nicht verwunderlich, wenn die Asiaten den ein oder anderen Medaillenhamster auf den Startblock schicken. Angeblich werden schon seit Jahren junge Talente unter strengster Geheimhaltung zu Weltrekordlern gedrillt. Hoffentlich mit legalen Mitteln.

Schwimm-Oma Torres: Zweimal ist Dara Torres schon zurückgetreten, doch sie kann es einfach nicht lassen. Im Alter von sage und schreibe 41 Jahren misst sich die Schwimm-Oma noch einmal mit der Jugend der Welt. Die Angst vor dem Altern trieb die Amerikanerin wieder ins Becken.

Bei ihren fünften Olympischen Spielen (seit 1984) will Torres sogar noch mal nach den Sternen greifen. Bei den US-Trials schwamm sie über 50 m und 100 m Freistil schon mal so schnell wie noch nie in ihre Leben, und zumindest über die kurze Distanz ist eine Medaille durchaus möglich. Um bereits im Vorfeld allen ungewünschten Spekulationen den Nährboden zu entziehen, meldete sich Torres vorsichtshalber bei der nationalen Anti-Doping-Agentur mit der Forderung, besonders kritisch kontrolliert zu werden. Vorbildlich!

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