Cookie-Einstellungen
Tennis

Neues Buch: So wurde Novak Djokovic zum ungeliebten Superstar

Von SPOX
Novak Djokovic polarisiert wie kein anderer Sportler. In wenigen Tagen kehrt der Serbe in Monaco auf den Platz zurück.

Novak Djokovic polarisiert wie kein anderer Sportler. In wenigen Tagen kehrt der Serbe in Monaco auf den Platz zurück. Aber wie tickt Djokovic wirklich? In der ersten großen Biografie ("Ein Leben lang im Krieg") erklärt Autor Daniel Müksch den Superstar.

Das Warten hat ein Ende. Beim Masters-Turnier in Monte Carlo (Start 9. April) kehrt Novak Djokovic auf den Tennisplatz zurück. In den sozialen Medien teilte er bereits ein Video, das ihm beim Training auf der roten Asche in Monaco zeigt.

Nach ein paar Trainingstagen in seiner Geburtsstadt Belgrad ist Djokovic in Monte Carlo angekommen. Diesmal ganz ohne Einreise-Chaos - wie Anfang des Jahres in Australien. Das Fürstentum der Reichen und (manchmal) Schönen ist seine Wahlheimat. Hier lebt Djokovic mit seiner Frau Jelena und den beiden Kindern Stefan und Tara. Hier musste er sich nicht mit australischen Richtern und Politikern mit Profilierungsdrang rumärgern.

Zwar schlug die Nummer eins der Weltrangliste bereits in Dubai Ende Februar wieder auf der Tour auf. Im Wüstenstaat ohne Impfvoraussetzung, um an dem Turnier teilzunehmen, unterlag er jedoch dem Tschechen Jiri Vesely im Viertelfinale.

Die große Bühne wartet nun im Monte Carlo Country Club. Dort, wo der Jet-Set sich von den Tennisstars unterhalten lässt. Verzichten muss das illustre Publikum allerdings auf das Duell Novak Djokovic versus Rafael Nadal. Der Spanier erlitt bei der Veranstaltung im kalifornischen Indian Wells im Finale gegen Taylor Fritz einen Rippenbruch und muss noch einige Wochen pausieren. So gehört der monegassische Center Court ganz dem "Djoker". Im Duell um Platz eins der Weltrangliste kann er gegen Daniil Medvedev Boden gut machen. Zumal der Russe sich einem kleinen Eingriff unterzogen hat und vermutlich die gesamte Sandplatz-Saison auslassen muss.

Djokovic: Trennung von langjährigem Trainer

Aber auch die Fragezeichen vor dem Comeback von Novak Djokovic in Europa sind zahlreich. Sicher ist: Sein langjähriger Trainer Marjan Vajda sitzt nicht mehr in seiner Box. Das Duo trennte sich vor wenigen Wochen. Auch weil Vajda eine andere Einstellung zur großen Impfdebatte rund um den 20-fachen Grand-Slam-Champion hatte und hat. Vajda wollte seinen Schützling von einer Impfung überzeugen. Die Weigerung, sich gegen Covid-19 immunisieren zu lassen, sorgte Anfang des Jahres für ein kaum vorstellbares Drama.

Eine kleine Zeitreise: Die schmerzhafteste Niederlage im Leben von Novak Djokovic besiegelt in diesen Tagen nicht ein Handshake am Netz, sondern ein einstimmiger Richterspruch am Bundesgericht Melbourne. Der Serbe darf nicht an den Australian Open 2022 teilnehmen. Nicht versuchen, seinen 21. Grand-Slam-Titel zu erringen und Rafael Nadal und Roger Federer in diesem Ranking hinter sich lassen. Nicht das ausüben, was nie ein Tennisspieler zuvor erfolgreicher dargeboten hat.

Novak Djokovic diktiert die Schlagzeilen rund um den Globus. Aber wer ist der Mann, der die Welt Anfang 2022 in Atem hält? Schubladen werden schnell geöffnet: Für die einen ist er ein kategorischer Impf-Verweigerer, Querdenker, serbischer Nationalist. Für die anderen ist er ein Justiz-Opfer, Politik-Spielball, Freiheitskämpfer. Die erste ausführliche Biografie über den Serben nähert sich dem "Mysterium Djokovic".

In "Novak Djokovic - Ein Leben lang im Krieg" (Werkstatt-Verlag/22€) taucht Autor Daniel Müksch in die Kindheit des erfolgreichsten Tennisspielers der letzten Jahre ein. In eine Kindheit, die mit wenigen finanziellen Mitteln aber glücklich zwischen dem serbischen Belgrad und den Bergen von Kopaonik verläuft. Bis der Krieg die Unbeschwertheit brutal beendet. Eine Kindheit mit Nächten im Luftschutzkeller, zerbombten Häusern und der Suche nach Normalität.

Novak Djokovic findet Normalität im Tennis. Geformt von der legendären Trainerin Jelena Gencic wird seine Heimat schnell zu klein für ihn. In dem Buch des Journalisten und ehemaligen Sportstudenten wird besonders die Zeit von Novak Djokovic in Oberschleißheim bei München beleuchtet. Wie ist Djokovic in der Akademie vom ehemaligen deutschen Davis-Cup-Chef Niki Pilic gelandet? Niki Pilic kommt ausführlich zu Wort, der bis heute ein enger Vertrauter von Djokovic ist. Genau wie sein sein Bettnachbar in der Akademie von Oberschleißheim, der einen extrem fokussierten und motivierten Teenager in Erinnerung hat.

Djokovic: Liebe des Publikums bleibt ihm verwehrt

Über München, einen seiner ersten Manager (der heutige DTB-Vizepräsident Dirk Hordorff), und Wildcards in Serbien kommt das Talent auf die Profi-Tour. Djokovic überzeugt mit seinem Talent und provoziert mit vielen dubiosen Aufgaben. Bis ein serbischer Mediziner mit Praxis auf Zypern sein Leben auf den Kopf stellt. Genau wie Gebhardt Gritsch, sein österreichischer Fitness-Trainer, der den Serben mit (Sport)-Wissenschaft nach vorne bringt. Djokovic bricht die Dominanz von Roger Federer und Rafael Nadal. Nur die Liebe des Publikums bleibt ihm verwehrt. Heute mehr denn je.

Für deutsche Fans rückt der Serbe in den Fokus, als 2013 völlig überraschend Boris Becker Trainer von Novak Djokovic wird. Zur Überraschung zahlreicher Experten entwickelt sich die Zusammenarbeit zur Erfolgsstory. Wobei sie unter keinem guten Stern stand.

Becker, der damals vornehmlich im Boulevard auftaucht, will den Coup im Herbst 2013 - so beschreibt es Müksch in seinem Buch - bei "Wetten, dass..." zur besten Sendezeit im ZDF auf dem Sofa von Moderator Markus Lanz verkünden. Djokovic und sein Management toben. So einen Klamauk wollen sie unter allen Umständen vermeiden. In letzter Sekunde können sie Becker stoppen und der Rest ist inzwischen auch ein Stück deutscher Tennis-Geschichte.

Bei all seinen Erfolgen bleibt der Mensch Djokovic bis heute ein Rätsel. Mal spricht der Serbe davon, dass er nur geweihtes Wasser trinkt, veranstaltet mitten in der Corona-Pandemie seine "Adria-Tour" in der serbischen Heimat und streckt bei den US Open 2020 eine Linienrichterin nieder.

Das Buch von Daniel Müksch (240 Seiten) will Novak Djokovic nicht freisprechen, ergreift nicht Partei für oder gegen den Serben. Nach dem Lesen weiß man aber den Charakter von einen der besten Sportler aller Zeiten besser einzuschätzen. Man muss ihn nach der Lektüre nicht lieben, aber man versteht, wie aus ihm der geworden ist, der in Monte Carlo zurück auf die große Tennis-Bühne kehrt: Einer der erfolgreichsten Tennisspieler aller Zeiten - und einer der Streitbarsten.

Das Buch "Novak Djokovic - Ein Leben lang im Krieg" ist hier erhältlich

Werbung
SPOX Fallback Ads, Eigenwerbung
Werbung
SPOX Fallback Ads, Eigenwerbung