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Tennis

Boris Becker: Fragen und Antworten zum Prozess gegen die Tennis-Legende

Von SPOX
Boris Becker muss eine Haftstrafe absitzen.

Eine Entscheidung im Londoner Prozess gegen die deutsche Tennis-Legende Boris Becker naht. Am Mittwoch zog sich die Jury des Southwark Crown Court zurück, um über die Schuldfrage zu entscheiden. Doch was wird Becker überhaut vorgeworfen? Und wie lange müsste er bei einem Schuldspruch ins Gefängnis? SPOX klärt die wichtigsten Fragen zum Prozess.

Boris Becker, Prozess: Was sind die Anklagepunkte?

Becker ist in insgesamt 24 Punkten angeklagt. Primär wird ihm vorgeworfen, in seinem Insolvenzverfahren Vermögen verschleiert zu haben.

Unter anderem soll Becker mehrere Pokale zurückgehalten, Immobilien, Aktien und Bankguthaben verschwiegen und große Summen unter anderem auf private Konten in seinem direkten Umfeld überwiesen haben.

Boris Becker: Die Anklagepunkte im Detail:

  • Anklagepunkte eins und zwei behandeln eine verheimlichte Zahlung des Finanzamts Stralsund auf sein Firmenkonto BBPOL Euro Metro Bank in Höhe von 1.136.104,44 Euro.
  • Anklagepunkte drei bis neun behandeln Auszahlungen von eben jenem Firmenkonto auf verschiedene Privatkonten in Beckers Umfeld.
  • Anklagepunkte zehn bis 24 behandeln verschwiegene Immobilien- Aktien- und Trophäen-Werte, die Becker verschwiegen haben soll.

Boris Becker: Diese Trophäen hat er laut Anklage verschwiegen

TrophäeJahr
Wimbledon Trophäe1985
President's Cup1985
Davis Cup Goldmedaille1988
Davis Cup Trophäe1989
Wimbledon Trophäe1989
President's Cup1989
Australian Open Trophäe1991
Olympische Goldmedaille1992
Australian Open Trophäe1996

Boris Becker, Prozess: In welchen Anklagepunkte wurde Becker schuldig gesprochen?

Drei Tage nach Eröffnung des Prozess ist die Jury zu einer Entscheidung gelangt. Boris Becker wurde am 8. April teilweise für schuldig befunden.

Vier von den 24 Anklagepunkten sahen die Justiziare als erwiesen an. Darunter fiel die Nicht-Offenlegung von Besitztümern sowie Verschleierung von Schulden.

Boris Becker, Prozess: Wann wird das Strafmaß verkündet?

Boris Becker droht nun sogar eine Haftstrafe, der ehemalige Tennis-Star kann jedoch noch Berufung gegen das Urteil einlegen.

Die Verkündung des Strafmaßes wurde durch Richterin Deborah Taylor für den 29. April angesetzt.

Boris Becker, Prozess: Wie argumentiert die Anklage?

Die Anklage ist von der Schuld Beckers überzeugt. "Das einzige Urteil, zu dem Sie in jedem Anklagepunkt kommen können, ist: 'schuldig'", sagte Staatsanwältin Rebecca Chalkley am Dienstag in ihrem Schlusswort an die Geschworenen. Dass die Tennis-Legende nicht wisse, wo sich viele seiner Trophäen aufhalten würden, sei "nicht plausibel".

Dass Becker nun versuche, die Schuld von sich zu weisen, sei nicht nachvollziehbar. "Boris Becker versucht, allen die Schuld zu geben für die Nichtangabe: seinen Beratern, seinen Anwälten, sogar seinen Insolvenzverwaltern - dafür, dass sie nicht die richtigen Fragen gestellt haben", sagte Chalkley. "Er wusste, dass er in der Pflicht war und nicht seine Berater."

Kein Berater habe vor Gericht eine Mitschuld eingestanden, kein Dokument lege eine solche Sicht nahe, sagte die Staatsanwältin. Becker selbst habe zudem nicht einmal bei seinen Insolvenzverwaltern nachgefragt, ob er Dinge angeben müsse.

In den Anklagepunkten eins bis neun wird Becker zudem zur Last gelegt, das Geld nicht auf sein Privatkonto überwiesen haben zu lassen, auf das die Konkursverwaltung Zugriff gehabt hätte. Dass er das nicht tat, wertet die Anklage als Beweis für seine Verschleierung.

Boris Becker, Prozess: Wie lautet die Verteidigung Beckers?

Becker selbst weist die Vorwürfe, die Finanzbeamten vorsätzlich getäuscht zu haben, zurück. Er verteidigt sich vor allem damit, dass ihn seine Berater und Anwälte nicht über die Abläufe und Regeln innerhalb eines Privatinsolvenzverfahrens informiert und Informationen nicht weitergegeben hätten. Konkursverwalter Michael Bint hätte ihm nach der Bankrotterklärung am 21. Juni 2017 gesagt, er solle "alles so weitermachen wie bisher".

Auch der Vorwurf, den Verbleib seiner Trophäen verschwiegen zu haben, bestreitet Becker. Die Behauptung von Staatsanwältin Rebecca Chalkley, das Finanzministerium "an der Nase herumgeführt" zu haben, sei "nicht korrekt", sagte Becker am Montag.

Verteidiger Jonathan Laidlaw betonte, Becker sei zwar naiv und habe sich nicht um seine Finanzen gekümmert, sei grundsätzlich aber unschuldig. Es sei kein Verbrechen, sich auf Berater zu verlassen. Zudem seien ihm nach seiner gerichtlich angeordneten Privatinsolvenz 2017 nicht frühzeitig seine Rechte und Pflichten deutlich gemacht worden.

Boris Becker, Prozess: Wer ist die Richterin?

Richterin Deborah Taylor wird den Prozess führen. Sie gilt als harter Brocken bei Gerichtsurteilen und ist vor allem wegen ihres Prozesses gegen den Wikileaks-Gründer Julian Assange bekannt. Diesen verurteilte sie im Mai 2019 zu 50 Wochen Haft, nachdem er damals gegen Kautionsauflagen verstoßen hatte.

Boris Becker, Prozess: Wer entscheidet über das Strafmaß?

Eine Jury von insgesamt zehn Geschworenen (neun Männer, eine Frau) berät seit Mittwoch über einen Schuldspruch Beckers. Am heutigen Donnerstag (11 Uhr deutscher Zeit) wurde die Sitzung fortgesetzt.

Dabei müssen die Geschworenen über jeden einzelnen der 24 Anklagepunkte befinden und ein Urteil fällen. Erst wenn die Jury Becker für schuldig befindet, schaltet sich Richterin Taylor ein. Sie wird anschließend allein über das Strafmaß entscheiden.

Boris Becker, Prozess: Wann ist mit einer Entscheidung zu rechnen?

Für die Geschworenen-Sitzung gibt es kein gesetzlich festgelegtes Zeitlimit. Zwar muss Becker jederzeit mit einem Urteil rechnen, theoretisch ist aber auch eine tagelange Diskussion hinter verschlossenen Türen möglich.

Bei Schuldspruch: Wie lange muss Becker ins Gefängnis?

Ein konkretes Strafmaß wurde von Anklage-Seite - wie in Großbritannien üblich - nicht gefordert.

Sollte Boris Becker tatsächlich in allen Anklagepunkten schuldig gesprochen werden, drohen ihm bis zu sieben Jahre Haft. Dass es jedoch wirklich dazu kommt, ist äußerst unwahrscheinlich. Viele Experten und Beobachter gehen davon aus, dass Becker nur in einigen (wenigen) Punkten für schuldig gesprochen wird.

In diesem Fall würde die Tennis-Legende nur eine mehrmonatige Haftstraße absitzen müssen oder sogar nur eine Bewährungsstrafe aufgebrummt bekommen.

Boris Becker im Steckbrief

Volsständiger NameBoris Franz Becker
Geburtstag22. November 1967
GeburtsortLeimen
Größe1,91 Meter
1. Profisaison1984
Rücktritt25. Juni 1999
Spielhandrechts (einhändige Rückrand)
Karrieretitel49
Grand-Slam-Titel6 (Australian Open 1991, 1996; Wimbledon (1985, 1986, 1989); US Open (1989)
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