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Tennis

Schocker! Nobody schaltet Nadal aus

Von Bastian Strobl / Alexander Maack / Ruben Zimmermann
Rafael Nadal ist überraschend in Runde eins ausgeschieden
© getty

Wimbledon beginnt mit einem Paukenschlag. Steve Darcis, die Nummer 135 der Welt, bezwingt Rafael Nadal in Runde eins glatt in drei Sätzen. Titelverteidiger Roger Federer gibt sich dagegen keine Blöße, Victoria Azarenka beweist bei ihrem Erfolg Willenskraft pur. Außerdem weiter: Maria Sharapova, Andrea Petkovic, Andy Murray und Jo-Wilfried Tsonga. An Tag 2 (Di., 14 Uhr im LIVE-TICKER) greifen unter anderem Novak Djokovic, Serena Williams und Tommy Haas ins Geschehen ein. Alle Infos dazu bekommt Ihr dann wieder bei Rund um Wimbledon.

Herren - 1. Runde:

Steve Darcis (BEL) - Rafael Nadal (ESP/5) 7:6 (7:4), 7:6 (10:8), 6:4

Historische Niederlage für Rafael Nadal: Der Spanier scheitert gegen die Nummer 135 der Weltrangliste. Es ist Nadals erste Niederlage in Runde 1 bei einem Grand-Slam-Turnier.

Zweimal ging es für Nadal und Darcis in den Tie-Break, zweimal ging der Belgier als Sieger hervor. Der Spanier schien zu keinem Zeitpunkt des Erstrundenmatches wirklich im Spiel zu sein und scheiterte letztlich an der Risikobereitschaft der Nummer 135 der ATP-Weltrangliste.

Der Wimbledon-Tag im Re-Live zum Nachlesen

Besonders bei gegnerischem Aufschlagspiel gelangen dem Mallorquiner schon im ersten Satz kaum Punkte. Auch die Quote bei eigenem First Service war mit 49 Prozent Punktgewinn deutlich verbesserungswürdig. Darcis startete dagegen mit maximalem Risiko und holte sich das erste Break der Partie zum 6:5, das Nadal mit deutlich höherer Aggressivität und dem Re-Break konterte. Im Tie-Break zwang Darcis den achtmaligen French-Open-Gewinner schließlich zu Fehlern und gewann verdient den ersten Satz.

Anschließend verbesserte Nadal zwar seinen ersten Aufschlag, allerdings führten nun nur noch 36 Prozent der Second Services zum Punktgewinn. Die Unforced Errors blieben mit elf im zweiten Satz hoch, während Darcis sie von neun auf fünf senkte. Fast alle kurzen Ballwechsel entschied der Belgier für sich und zwang Nadal wieder ins Tie-Break. Wie im ersten Satz erarbeitete sich Darcis drei Satzbälle, die der Spanier allesamt abwehrte. Allerdings nutzte auch er seinen Satzball nicht. Nach einem Slice ins Netz und einer zu langen Vorhand von Nadal ging auch der zweite Satz schließlich an den Belgier.

Das Momentum war danach klar auf Darcis' Seite. Der 29-Jährige, der zuvor in Wimbledon erst einmal über die erste Runde hinausgekommen war, nahm Nadal dessen Aufschlagspiel ab. Anschließend konzentrierte sich Darcis auf sein eigenes Aufschlagspiel und versuchte nicht mehr, Nadal kraftraubend weitere Breaks abzutrotzen. Der Mallorquiner vergab die große Chance, selbst per Break zum 4:4 auszugleichen und wirkte anschließend geknickt. Die Wende gelang nicht mehr. Steve Darcis beendete mit einem Ass die 22-Match-Siegesserie von Rafael Nadal, der seit dem Wimbledon 2012 erst zwei PArtien verloren hatte.

Andy Murray (GBR/2) - Benjamin Becker (GER) 6:4, 6:3, 6:2

Im ersten Satz konnte Becker lange mithalten, da Murray Probleme mit seinem Service hatte und lediglich 55 Prozent seiner ersten Aufschläge ins Feld brachte. Auch in Sachen Gewinnschläge (12:10) und unforced errors (5:7) hatte der Deutsche die Nase knapp vorne. Beim Stand von 4:5 gab er allerdings seinen Aufschlag ab, so dass Murray den ersten Durchgang nach 43 Minuten für sich entscheiden konnte.

Insgesamt war der Schotte in den entscheidenden Ballwechseln einen Tick abgezockter als der Deutsche. Auch im zweiten Satz reichte Murray letztendlich ein Break, um den Durchgang für sich zu entscheiden. Dem Vorjahresfinalisten gelangen nun mehr Gewinnschläge (16:10) und auch seine Quote beim ersten Aufschlag verbesserte sich leicht (63%). Mit einem Ass holte sich der Schotte schließlich den Satz mit 6:3.

Im Laufe der Zeit fand Murray immer besser zu seinem Aufschlag, am Ende standen ganze elf Asse zu Buche. Im dritten und letzten Satz gab Becker gleich zu Beginn sein Service ab und erholte sich davon nicht mehr. Nach einem weiteren Break konnte der Schotte die Partie schließlich nach 1:52 Stunden mit einem Vorhandwinner für sich entscheiden.

Roger Federer (SUI/3) - Victor Hanescu (ROU) 6:3, 6:2, 6:0

Ohne Probleme entschied Federer mit Traumquoten sein Erstrundenmatch für sich. Im ersten Satz wandelte er 94 Prozent seiner First Services in einen Punktgewinn um. Beim zweiten Aufschlag lag die Quote bei makellosen 100 Prozent. Schon nach 24 Minuten hatte Federer der Nummer 49 der Welt den ersten Satz abgenommen.

Satz zwei dauerte drei Minuten länger. Obwohl Federer beim First Service Schwächen zeigte und nur 59 Prozent ins Feld brachte, gab er kein Aufschlagspiel ab und holte selbst zwei Breaks bei zwei Breakbällen. Anschließend drehte der Schweizer wieder auf.

Der erste Aufschlag saß sicherer, zusätzlich führten 80 Prozent der Aufschläge seines Gegenübers zu einem Punktgewinn für Federer. Das folgerichtige Ergebnis des dritten Satzes: 6:0. In Runde zwei trifft Federer nun auf den Ukrainer Ukrainer Segiy Stakhovsky.

Jo-Wilfried Tsonga (FRA/6) - David Goffin (BEL) 7:6 (7:4), 6:4, 6:3

Tsonga hatte zu Beginn deutliche Probleme mit der Nummer 84 der Weltrangliste. Goffin überzeugte bei seinen Vorstößen ans Netz: Zwölf Mal stürmte er im ersten Satz nach vorn, zwölf Mal machte er den Punkt. Weil beide Kontrahenten ein sicheres Aufschlagspiel hinlegten, gab es bis zum Tie-Break keinen einzigen Breakball. Tsonga erarbeitete sich schließlich drei Satzbälle und retournierte den zweiten cross mit der Vorhand unerreichbar zum Satzgewinn.

Goffin erarbeitete sich im zweiten Satz zwar seinen einzigen Breakball des Matches, er nutzte ihn aber nicht. Dass er nur noch 68 Prozent seiner ersten Aufschläge in einen Punktgewinn ummünzen konnte, ermöglichte Tsonga nach 76 Minuten den zweiten Satzgewinn. Der Trend setzte sich auch im dritten Satz fort.

Goffins First Service entwickelte sich zur Schwäche: 62 Prozent kamen ins Feld, davon führten aber nur 57 Prozent zum Punktgewinn. Tsonga sicherte sich deshalb dank seines überragenden Aufschlags mit insgesamt 18 Assen schließlich den Einzug in Runde zwei.

Marin Cilic (CRO/10) - Marcos Baghdatis (CYP) 6:3, 6:4, 6:4

Cilic hatte mit Baghdatis kaum Probleme. 16 Asse und 41:20 Winner in drei Sätzen sprechen eine eindeutige Sprache. Dabei steigerte sich der Kroate durchgehend und sicherte sich mit vier gewonnenen Breaks den Sieg in der Auftaktrunde.

Schon im ersten Satz hatte Baghdatis mit nur 55 Prozent Punktgewinn beim First Service deutliche Probleme. Anschließend verschlechterte er seinen ersten Aufschlag jedoch weiter und brachte nur 52 Prozent in Satz zwei überhaupt ins Feld.

Im letzten Satz spielte Cilic sein eigenes Aufschlagspiel schließlich perfekt aus: Kein Doppelfehler, 80 Prozent des First Service und 100 Prozent des Second Service gewonnen. Nach 93 Minuten verwandelte Cilic schließlich seinen Matchball zum ungefährdeten Dreisatzsieg.

Lleyton Hewitt (AUS) - Stanislas Wawrinka (SUI/11) 6:4, 7:5, 6:3

Oldie but Goldie! Der Altmeister aus Australien hat es offenbar immer noch drauf und erinnerte im Duell mit Wawrinka manchmal sogar an sein altes Ich. Hewitt profitierte beim glatten Drei-Satz-Sieg allerdings auch von vielen Unforced Errors des Schweizers. Das nahm schon zu Beginn seinen Lauf, als der Favorit ein Doppelbreak kassierte.

Am Ende hatte Wawrinka satte 37 Fehler auf dem Konto, Hewitt dagegen nur 11. Selbst mit 12 Winners mehr als sein Gegenüber konnte der 28-Jährige dieses Ungleichgewicht nicht mehr auffangen.

Viktor Troicki (SRB) - Janko Tipsarevic (SRB/14) 6:3, 6:4, 7:6 (7:5)

Troicki profitierte auf dem schnellen Rasen vor allem von seinem starken Aufschlag. Am Ende der Partie standen ganze 15 Asse für die Nummer 44 der Welt zu Buche, Tipsarevic brachte es nur auf magere drei. Außerdem gelangen Troicki deutlich mehr Gewinnschläge als seinem Landsmann (40:28).

Tipsarevic holte in der gesamten Partie kein einziges Break und brachte zusätzlich auch nur 61% seiner ersten Aufschläge ins Feld. Nachdem er die ersten beiden Sätze jeweils nach einem Break abgeben musste, schaffte er es im dritten Durchgang immerhin in den Tie-Break. Dort behielt Troicki aber erneut die Oberhand und verwandelte nach 1:54 Stunde den Matchball.

Juan Monaco (ARG/22) - Bastian Knittel (GER) 6:4, 6:2, 6:3

Mit gutem Aufschlagspiel sicherte sich Monaco Satz eins. Bei 87 Prozent seiner ersten Aufschläge landete der Ball im Feld, 21 von 33 Mal führte der First Service dann auch zum Punktgewinn. Kontrahent Knittel erarbeitete sich nur eine Breakchance. Diese nutzte er zwar, drei Doppelfehler und 18 Unforced Errors führten dennoch leistungsgerecht zum Satzverlust.

Bastian Knittel verlor anschließend die Kontrolle über sein eigenes Aufschlagspiel. Im zweiten Satz kamen nur noch 53 Prozent seiner First Services ins Feld. Die Quote blieb auch im letzten Satz auf diesem Niveau. Während Monaco sich kaum noch Unforced Errors leistete und dem deutschen keine einzige Breakchance mehr gab, schenkte Knittel 17 Punkte leichtfertig her. In drei Sätzen leistete sich der deutsche Linkshänder 44 Unforced Errors und schied bei seiner ersten Wimbledon-Teilnahme nach 97 Minuten aus.

Julien Benneteau (FRA/31) - Tobias Kamke (GER) 6:4, 6:7 (5:7), 6:4, 6:2

Deutliche Probleme hatte Kamke mit dem Aufschlagspiel des an 32 gesetzten Franzosen. Insgesamt servierte Benneteau zwölf Asse, während sein deutscher Kontrahent nur auf drei kam. Kamke hatte aber vor allem Probleme beim Second Service.

In allen vier Sätzen führten nur 14 von 38 zweiten Aufschlägen zum Punktgewinn. Dass der entscheidende Punkverlust im vierten Satz nach Kamkes zweiten Aufschlag durch einen Unforced Error mit der Rückhand entstand, verdeutlicht die Schwierigkeiten.

Benneteau hatte jedoch im entscheidenden Satz deutlich aufgedreht und 16 seiner 60 Winner erzielt. Kamke kam dagegen nur auf insgesamt 33. Vor dem vierten Satz lagen beide Spieler nach Punktgewinnen noch fast gleichauf. Am Ende fiel der Unterschied mit 140:119 für den Franzosen deutlich aus.

Dustin Brown (GER) - Guillermo Garcia-Lopez (ESP) 6:3, 6:3, 6:3

Brown, der in der Weltrangliste aktuell mehr als 100 Postionen hinter Lopez liegt, profitierte vor allem von seinem starken Aufschlag. Die Nummer 189 der Welt ließ in der gesamten Partie kein einziges Break zu und erzielte außerdem doppelt so viele Gewinnschläge wie sein Gegner (46:23).

Der Spanier hingegen hatte extrem mit seinem Service zu kämpfen. Die Nummer 67 der Welt brachte insgesamt lediglich 67% seiner ersten Aufschläge ins Feld, dazu kamen vier Doppelfehler. Nach nur einer Stunde und 14 Minuten verwandelte der Deutsche seinen ersten Matchball der Partie und steht so bei seiner dritten Hauptrunden-Teilnahme in Wimbledon nach 2010 und 2012 erstmals in der zweiten Runde.

Julian Reister (GER) - Lukas Rosol (CZE) 6:3, 4:6, 7:6 (7:5), 6:7 (4:7), 6:4

Rosol startete deutlich unsicherer ins Match als sein deutsches Gegenüber. Im ersten Satz kam der Tscheche zwar auf 15 Winner und sieben Asse, er leistete sich aber auch 14 Unforced Errors. Davon profitierte Reister, der sich im achten Spiel die ersten Breakbälle der Partie sicherte und im achten Versuch Rosol schließlich das Spiel abnahm und damit den Grundstein für den gewonnenen ersten Satz lieferte.

Auch wenn Rosols Anzahl an Unforced Errors im zweiten Satz mit 14 hoch blieb, konnte Reiser kein Kapital mehr daraus schlagen. Mit sechs Winnern und nur 26 Prozent Punktgewinnen beim Second Service gab der Hamburger den Satz ab. Anschließend spielten beide Kontrahenten auf Augenhöhe. Satz drei und vier gingen in den Tie-Break. Zuerst gewann Reister, dann Rosol. Die Entscheidung musste im fünften Satz her.

Reister spielte plötzlich extrem sicher. Er leitstete sich neun Unforced Errors weniger als Rosol und stach ihn mit 5:1 Assen aus. Über alle fünf Sätze verteilt gewann der Deutsche fünf Punkte mehr als der Tscheche, der im Vorjahr überraschend Rafael Nadal ausgeschaltet hatte. Nach 2010 steht Reister damit zum zweiten Mal in der zweiten Wimbledon-Runde.

Roundup zu den Damen: Azarenka angeschlagen, Petkovic souverän

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