Leichtathletik

Untätigkeit bei Enthüllungen in Kenia?

SID
Bei der IAAF gibt es neue Ungereimtheiten wegen Enthüllungen in Kenia
© getty

Eigentlich muss man nur in das Gesicht von IAAF-Präsident Sebastian Coe schauen, um über den aktuellen Zustand der Leichtathletik Bescheid zu wissen. Der einstige Sonnyboy des Sports - normalerweise charmant und weltgewandt - ist von den harten letzten Wochen gezeichnet.

Die schwerste Krise der Leichtathletik hat den selbst in der Kritik stehenden 59-Jährigen voll erwischt. Dabei sind die schweren Tage für die olympische Kernsportart mit der Suspendierung Russlands keinesfalls ausgestanden. Im Gegenteil.

Nur kurz nachdem die IAAF ihre Sanktion gegen Russland verhängt hatte, wurden neue Vorwürfe gegen Spitzenfunktionäre laut. Diese lassen den Weltverband erneut in einem schlechten Licht erscheinen.

Das kenianische IAAF-Council-Mitglied David Okeyo soll mit zwei anderen kenianischen Funktionären, darunter Präsident Isaiah Kiplagat, umgerechnet rund 650.000 Euro veruntreut haben, die von Sponsor Nike an den nationalen Verband AK gezahlt worden waren. Die IAAF-Ethikkommission beschäftigt sich nun mit dem Fall.

Belastende Kontoauszüge

Nach eigenen Angaben habe der Verband bisher nichts von den Vorwürfen und den Ermittlungen der kenianischen Behörden gewusst, allerdings ist die Angelegenheit seit mehr als dreieinhalb Monaten bekannt.

Bereits seit der Ausstrahlung der zweiten ARD-Dokumentation "Geheimsache Doping - Im Schattenreich der Leichtathletik" Anfang August sind die Details in der Öffentlichkeit. Inklusive belastender Kontoauszüge. Passiert ist ganz offensichtlich nichts.

Tiefschlaf oder Absicht?

Die IAAF muss sich nun die Frage gefallen lassen, ob sie dreieinhalb Monate geschlafen hat oder absichtlich den Enthüllungen nicht nachgegangen ist. Undenkbar eigentlich, dass der Weltverband von dem Fall nichts mitbekommen hat.

Immerhin kündigte die IAAF an, dass die Berufung von mehr als 200 Personen in diverse neue Kommissionen des Weltverbandes auf Eis gelegt werden soll. Zunächst will der Verband von Coe angestoßene Reformen umsetzen, darin enthalten ist auch ein Integritätscheck.

Doch das ist noch nicht alles, was auf die IAAF in den kommenden Wochen zukommt, denn der für den Verband selbst wohl wichtigste Teil des WADA-Berichts, der sich auf die Verstrickungen der IAAF in den Doping- und Korruptionsskandal bezieht, steht noch aus.

Am vergangenen Montag hatte der Kommissionsvorsitzende Richard Pound betont, dass diese Ergebnisse erst nach Absprache mit den Ermittlungsbehörden in Frankreich veröffentlicht werden.

12.000 Blutwerte öffentlich

Dort wurde Anfang November nach Hinweisen der Kommission ein Ermittlungsverfahren gegen den ehemaligen IAAF-Präsidenten Lamine Diack und weitere Beschuldigte wegen des Verdachts der Bestechlichkeit und Geldwäsche eingeleitet. Wahrscheinlich bis Ende des Jahres soll auch dieses Kapitel der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden.

Es könnte für den Verband ähnlich brisant werden wie die Untersuchungsergebnisse einer ebenfalls von der ARD öffentlich gemachten Datenbank mit 12.000 Blutwerten. Rund ein Siebtel der Proben soll Hinweise auf Doping geben - nicht nur bei russischen Sportlern.

Die Untersuchungen durch Experten der WADA-Kommission laufen ebenfalls noch. Dort stellt sich die Frage, ob die IAAF alles Mögliche getan hat, um den auffälligen Werten nachzugehen.

Unterdessen sind die nächsten Sanktionen gegen Russland nur eine Frage der Zeit. Am Dienstag und Mittwoch treffen sich die obersten Gremien der Welt-Anti-Doping-Agentur (WADA) in Colorado Springs. Dort wird erwartet, dass die nationale Anti-Doping-Agentur Russlands (RUSADA) als nicht regelkonform mit dem WADA-Code eingestuft wird.

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