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Basketball

Tyrese Rice von Bamberg im Interview: "Ich habe die Erwartungen mehr als übertroffen"

Tyrese Rice spielt seit diesem Sommer für Brose Bamberg
© twitter@BroseBamberg

SPOX: Sie sprachen von dieser einen Chance, die Ingles brauchte. Sie haben diese in der NBA nie bekommen. Stört Sie das?

Rice: Nein, nicht wirklich. Jeder Fall ist ein wenig anders. Klar, wenn ich die Chance bekomme hätte, hätte ich sie wahrscheinlich ergriffen. Ich habe aber auch eine Familie und zwei Söhne und muss für Stabilität sorgen. Vielleicht meldet sich ja noch einmal jemand, dann werden wir sehen. Wenn es nicht geschieht, ist das aber kein Weltuntergang.

SPOX: Hinter Ihnen liegt ein hartes Jahr. Im Sommer 2017 wurden sie beim FC Barcelona aussortiert und durften nur noch mit dem B-Team trainieren. Was war da los?

Rice: Darüber will ich gar nicht mehr groß eingehen. Dieses Kapitel habe ich abgeschlossen. Ich bin einfach nur froh, dass ich jetzt in Bamberg bin und noch einmal beweisen kann, dass ich noch auf einem guten Niveau spiele und mithalten kann. Ich will wieder den Respekt der Leute bekommen.

SPOX: Nach der Barca-Episode unterschrieben Sie im Januar in China. Haben Sie dort den Respekt bekommen? Schließlich sind dort nur zwei Ausländer erlaubt und Sie haben im Gegensatz zu anderen US-Boys nie in der NBA gespielt.

Rice: Nein, da war alles in Ordnung. Ich wollte einfach nur wieder spielen nach den harten Monaten in Barcelona. Ich hatte auch andere Optionen, aber es hat einfach nicht geklappt oder sich nicht so entwickelt, wie ich mir das vorgestellt hatte. Irgendwann wollte ich einfach nur wieder spielen, auf dem Feld stehen und wieder Spaß haben. China war deswegen für mich ein notwendiger Schritt.

SPOX: Wie stand es um die Professionalität in China? Hier und da gibt es ja doch einige unglaubliche Geschichten, die man vor allem von US-Amerikanern hört.

Rice: Es ist anders dort und lässt sich kaum mit dem europäischen Basketball vergleichen. Man merkt, dass es ein kommunistisches Land ist, Dinge werden da anders geregelt, als ich das aus den USA oder Europa kenne. Die Kultur lässt sich nicht vergleichen. Das muss jeder für sich selbst einmal erleben, um dieses Gefühl zu verstehen.

SPOX: Was haben Sie eigentlich noch für Ziele? Wo sehen Sie sich mittelfristig? Könnten Sie sich auch vorstellen, nach der Karriere in Europa zu bleiben?

Rice: Oh, in spätestens drei Jahren werde ich zurück in der Heimat sein. Ich werde noch diese Saison spielen und die darauf, dann gehe ich zurück in die USA zu meiner Familie. Mein Sohn kommt in zwei Jahren auf die High School und ich werde dann die ganze Zeit für ihn da sein. Ich glaube nicht, dass ich danach noch Basketball spielen werde.

SPOX: Im europäischen Basketball wird Ihr Name sicherlich nie vergessen werden. Sie gewannen mit Maccabi die EuroLeague, zwei Jahre später mit Khimki den EuroCup. Sind Sie rückblickend stolz auf das, was Sie hier erreicht haben?

Rice: Absolut, ich habe mehr erreicht, als ich mir je erträumt habe. Ich komme aus Richmond, Virginia und habe viele Jungs gesehen, die gut waren, in der NBA oder der NFL hätten spielen können. Sie haben entweder ihre Chance nicht ergriffen und wurden Opfer der Umstände oder konnten dieses Level nicht erreichen. Ich komme auch aus diesem Umfeld und war dennoch in der Lage, über zehn Jahre in Europa professionell Basketball zu spielen. Meiner Meinung nach habe ich die Erwartungen mehr als übertroffen. Dazu rechne ich gar nicht die individuellen Auszeichnungen oder die Erfolge mit dem Team. Es geht vielmehr um die Stabilität, die in meinem Leben in diesem Zeitraum herrschte. Das alleine ist mehr als genug für mich.

SPOX: Sie sagen, dass Ihnen Titel am Ende nicht das Wichtigste sind. Dennoch: Der Gewinn der FIBA Champions League würde doch ganz hervorragend in Ihre Sammlung passen.

Rice: Das wäre dann das Triple und natürlich echt super. Aber zunächst einmal will ich hier nur Spiele gewinnen und den jungen Spielern bei ihrer Entwicklung helfen. Wenn es dann noch einer von ihnen in die NBA schafft, würde es mich umso mehr stolz machen. Ich denke, dass es der ein oder andere schaffen kann. Sie sind sehr fleißig, sind teilweise eine Stunde vor dem Training in der Halle. Man muss auch nur auf die letzten Jahre schauen, es gab einige Jungs, die von hier den Sprung in die NBA geschafft haben. Wenn sie das verstehen und ihnen diese große Chance bewusst ist, stehen ihnen in Bamberg alle Türen offen.

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