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Basketball

FC Bayern Basketball - Marko Pesic im Interview: "Wenn wir das schaffen, sind wir 2025 in Europa top, top, top"

Marko Pesic hat seinen Vertrag bis 2025 verlängert.

Marko Pesic ist seit 2013 Geschäftsführer beim FC Bayern Basketball und hat erst kürzlich seinen Vertrag bis 2025 verlängert. Im Interview mit SPOX erklärt der 45-Jährige, welche Ziele er beim FC Bayern unbedingt noch erreichen will.

Außerdem spricht Pesic über das bewegende Comeback von Paul Zipser und klärt über den Gesundheitszustand von Nick Weiler-Babb nach dessen Dunking-Unfall auf.

Weitere Themen sind die politischen Auswirkungen des Ukraine-Kriegs und der Corona-Pandemie auf den Basketball. Pesic verrät offen, welche Befürchtung sich bewahrheitet hat, warum es für den FC Bayern nach der Pandemie ein Kampf ist und wie er die generelle Lage im europäischen Basketball einschätzt. Und: Öffnet der SAP Garden in München die Tür für die NBA?

Herr Pesic, ausgerechnet im BBL-Topspiel haben die Bayern-Basketballer die höchste Saisonniederlage einstecken müssen. War das einfach nur ein gebrauchter Abend oder kann man aus diesem Spiel etwas lernen?

Marko Pesic: Aus Niederlagen lernt man in der Regel mehr als durch Siege. Gebrauchter Abend trifft es ganz gut, obwohl wir uns so einen schwachen Auftritt nicht leisten dürfen. Da hat weit mehr gefehlt als nur ein paar Spieler und die notwendige Energie, wobei es natürlich das vierte Spiel in sieben Tagen war. Ich bin jetzt auf die Reaktion des Teams am Sonntag in Ulm gespannt, auch dort wird eine ganz andere Einstellung nötig sein.

Noch wichtiger als die Niederlage in einem Hauptrundenspiel: Wie geht es Nick Weiler-Babb nach seinem dramatischen Dunking-Unfall beim Spiel gegen Hamburg?

Pesic: Nick geht es den Umständen entsprechend gut. Er hat eine schwere Gehirnerschütterung erlitten, aber noch Glück im Unglück gehabt, sodass wir hoffen dürfen, dass er keine weiteren Schäden davontragen und sich wieder vollständig erholen wird. Wir müssen noch ein paar neurologische Untersuchungen abwarten. Aber er kann jetzt schon wieder etwas spazieren und hat auch kein Problem mehr mit dem Sonnenlicht wie zu Beginn. Es wird noch etwas dauern, doch er wird zum Glück zurückkommen.

Seine Geschichte ist nur eine von vielen, die Sie in dieser Saison begleiten. Dazu kommt die seit zwei Jahren andauernde Corona-Pandemie, jetzt auch noch der Ukraine-Krieg. Wie geht es Ihnen persönlich in diesen Tagen?

Pesic: Ganz ehrlich: Ich warte aktuell einfach nur, was als Nächstes passiert. Ich stehe morgens nicht auf und überlege mir, was heute alles auf dem Programm steht - ich hoffe vielmehr, dass einfach nichts Neues passiert! Diese Anspannung ist ständig da, das ist wirklich so. Mit der Pandemie und jetzt auch noch mit dem schrecklichen Ukraine-Krieg sehe ich die Gefahr, dass wir uns an solche Umstände und an solch eine Welt leider gewöhnen könnten. Es ist brutal schwer, damit umzugehen; ich denke, das geht uns allen so. Es ist ja auch immer die Frage, mit wem wir uns vergleichen. Denken wir an die Menschen, die in der Pandemie ihre Liebsten verloren haben? An die Menschen in der Ukraine? Ich versuche, nicht allzu viel jeden Tag zu lesen, weil ich sonst verrückt werden würde.

Pesic: "Es darf nicht mehr viel passieren"

Der Ukraine-Krieg hat auch Auswirkungen auf den Basketball gehabt, so sind die russischen Teams der EuroLeague suspendiert worden. Die einzig richtige Entscheidung, oder?

Pesic: Das war aus meiner Sicht eine richtige und alternativlose Entscheidung, das steht für mich außer Frage. Eine andere Entscheidung hätte weder praktisch noch theoretisch Sinn ergeben. Das ist die eine und letztlich die entscheidende Perspektive. Ich muss aber auch sagen, dass ich natürlich im Herzen immer noch Sportler bin und auch an die Sportler der russischen Teams denke. Da möchte ich schon einen Unterschied machen. Wir sprechen auch nicht über die russische Nationalmannschaft, sondern über russische Teams, die aus Spielern aus ganz vielen verschiedenen Nationalitäten bestehen. Dazu kommt, dass die russischen Kollegen auf meiner Ebene im Management starke und kompetente Persönlichkeiten sind, die alle einen tollen Job machen. Diese Perspektive gibt es schon auch. Und dann muss ich versuchen, im Kopf zwischen diesen beiden Perspektiven zu jonglieren. Aber nochmal, um es zu betonen: Die Entscheidung musste so getroffen werden.

Die Entscheidung hat zur Folge, dass sich natürlich auch die sportliche Situation recht drastisch verändert und sich die Chancen der Bayern in der EuroLeague auf jeden Fall klar erhöhen.

Pesic: Im ersten Moment, als die Entscheidung feststand, habe ich ehrlich gesagt an etwas ganz anderes gedacht.

Erzählen Sie.

Pesic: Ich musste zuerst sofort daran denken, dass uns jetzt drei wichtige Heimspiele wegbrechen und damit wichtige Einnahmen - schon wieder. Ich kenne die genaue Zahl nicht. Aber wir haben so viele Heimspiele ohne Fans bestreiten müssen - mehr als jede andere Mannschaft in Europa, weil wir zwischenzeitlich als einziges EuroLeague-Team ohne Zuschauer waren -, dass es jetzt wieder ein größeres Loch in die finanziellen Planungen reißt. Olympiakos und wir sind die einzigen beiden Mannschaften, die bislang nur in Russland gespielt haben in dieser Saison, aber die beide noch kein einziges Heimspiel gegen diese Teams hatten. Das müssen wir jetzt erstmal wieder stemmen.

Wenn wir gerade beim Punkt Fans sind: Wir haben in einem früheren Interview zu einer früheren Phase der Pandemie bereits darüber gesprochen, dass es ein Problem der Pandemie werden könnte, dass man den Kontakt zu den Menschen und die Bindung verliert. Hat sich das bewahrheitet?

Pesic: Leider hatte ich in diesem Punkt zu hundert Prozent recht, es haben sich alle Befürchtungen bestätigt. Es ist eine ganz große Herausforderung für uns, diese Bindung zu den Fans wieder neu aufzubauen. Ich habe es in dieser Saison zweimal genau erlebt, wie es läuft: Zu Beginn der Saison, als es Lockerungen gab, hat es einige Zeit gedauert, bis die Fans wieder Gefallen fanden an einem Besuch im Audi Dome; bis sie sich auch wieder getraut haben. Mit der Zeit ist es immer besser geworden und dann hatten wir zum Beispiel gegen Real Madrid eine volle Hütte. Dann kam aber die nächste Welle - und im Dezember war wieder alles dicht. Jetzt müssen wir nach der nächsten längeren Pause erneut schauen, dass die Menschen wieder Lust bekommen und Vertrauen finden. Wir haben ein Hygienekonzept und Sicherheitsvorkehrungen, die einen sicheren Besuch ermöglichen. Gegen Olympiakos war jetzt schon ein Aufwärtstrend zu spüren, als Nächstes kommt Alba zu uns in der Liga. Ich bin zuversichtlich, dass wir da weiter in die richtige Richtung gehen, aber es ist wirklich ein Kampf. Und es darf jetzt auch nicht mehr viel passieren, sonst wird es finanziell enorm schwierig, das muss man klar und offen betonen.

Pesic über die Bayern-Saison: "Wie ein Tanker auf hoher See"

Nichtsdestotrotz, um auf die sportlichen Auswirkungen zurückzukommen: Die sportlichen Perspektiven haben sich durch die Suspendierung von ZSKA Moskau, St. Petersburg und Kasan verbessert.

Pesic: Das stimmt, aber ehrlich gesagt ist das im Moment noch nebensächlich. Natürlich haben wir jetzt bei den schnellen Spezialisten im Internet gesehen, wie sich die Tabelle für uns verändert, wenn die Spiele gegen die russischen Teams annulliert werden. Und so wird es ja nun auch kommen. Sicherlich sieht es für uns dann besser aus. Allerdings haben wir von den restlichen sechs Spielen fünf auswärts. Die Wahrscheinlichkeit, dass wir die Playoffs erreichen, ist zwar größer geworden, dennoch sind wir nicht durch und müssen erst noch Spiele gewinnen. Wir bekommen nichts geschenkt. Und den Effekt eines motivierenden Heimsieges zusammen mit dem Publikum, den man nicht unterschätzen sollte, werden wir eben allenfalls noch einmal mit auf Reisen nehmen können.

Fairerweise muss man sagen, dass die Playoff-Qualifikation auch mit den russischen Teams ja absolut drin war. Wie zufrieden sind Sie mit der bisherigen Saison?

Pesic: Ich bin insgesamt sehr zufrieden angesichts dessen, was wir alles seit Saisonbeginn erlebt haben. Das Aus im Pokal hat wehgetan, aber insgesamt muss das Zwischenfazit positiv ausfallen. In der EuroLeague sind wir nach unserem miserablen 0:4-Start stark zurückgekommen und hatten uns eine ausgeglichene 12:12-Bilanz erkämpft. Und eine ausgeglichene Bilanz würde im Normalfall dann auch für die Playoffs reichen, da waren wir also auch so gut dabei. Nicht viele Teams wären nach diesem Start so zurückgekommen, aber unsere Mannschaft hat das geschafft. Auch, weil wir eine Truppe zusammengestellt haben, in der die Chemie wirklich herausragend ist.

In der BBL sind Sie auch Tabellenführer.

Pesic: In der BBL können wir auch happy sein, trotz der schwachen Vorstellung jetzt in Bonn. Wenn ich dann noch in die Rechnung miteinbeziehe, was wir an Verletzungen und Corona-bedingten Ausfällen zu kompensieren hatten - wir haben jetzt zum vierten Mal schon mit Corona zu tun in dieser Saison! -, dann bin ich wirklich zufrieden. Und wir haben alles selbst in der Hand, was wir aus dieser Saison noch herausholen können. Ich würde sagen, wir sind wie ein Tanker auf hoher See, wir kommen irgendwie voran. (lacht)

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