Basketball

Basketball-WM - Kommentar zum spanischen WM-Titel: Ein Sieg für den internationalen Basketball

Zwei Stützen einer großen Mannschaft: Marc Gasol (l.) und Ricky Rubio (M.).

Spanien hat sich zum zweiten Mal nach 2006 zum Weltmeister gekrönt. Die Iberer sind der verdiente Champion, vereinten sie doch Star-Power, Teamgeist und Eingespieltheit. Ein Kommentar von SPOX-Redakteur Robert Arndt.

Hätte sich der neutrale Zuschauer ein spannendes Finale gewünscht? Mit Sicherheit! Hätte der neutrale Fan es dem 39-jährigen Luis Scola und den tapferen Argentiniern gegönnt? Auf jeden Fall! Am Ende bleibt aber doch der klare spanische Triumph und das ist auch gut so.

Spanien stellte nicht die besten Einzelspieler in diesem Turnier, das beteuerten auch MVP Ricky Rubio und Coach Sergio Scalario mehrfach und ist richtig. Serbien oder auch Frankreich waren in der Spitze tiefer besetzt, brachten die PS aber nicht auf die Straße, ähnlich wie es Spanien vor fünf Jahren bei der Heim-WM ergangen war.

Was hat sich also verändert? Die Seleccion präsentierte sich diesmal als gut geölte Maschine, die auch in schwierigen Situationen stets die Nerven bewahrte und letztlich nie das Vertrauen in die eigene Stärke verlor. Mit Recht. Diese Mannschaft spielt seit Jahren mit nur kleineren Veränderungen in dieser Besetzung zusammen und zog Lehren aus den Enttäuschungen von 2014 und 2017, als man von Slowenien überrumpelt wurde.

Spaniens Stärken: Vertrauen und Tradition

Die Abläufe sind inzwischen einstudiert, jeder Spieler kann die Systeme im Schlaf laufen. Dieses Vertrauen half den Iberern, als das Team von Coach Sergio Scalario gegen Australien im Halbfinale beinahe schon ausgeschieden war. Am Ende hatten die Spanier nach zwei Verlängerungen den längeren Atem. Niemand, aber wirklich niemand, verlor die Nerven, stattdessen wurden ein paar Anpassungen vorgenommen und Stück für Stück fraß man sich zurück ins Spiel.

Dieses Vertrauen ist nicht über einen Monat Vorbereitung gewachsen, es waren Jahre, es wurde teilweise über Generationen weitergetragen.

Beim ersten WM-Titel vor 13 Jahren standen bereits Rudy Fernandez und Marc Gasol im Kader, beim Olympia-Silber 2008 war dann auch Rubio mit von der Partie. Alle drei waren auch bei diesem Turnier Fixpunkte und alle drei werden ihr Wissen an die jüngeren Spieler wie etwa die Hernangomez-Brüder weitergeben.

Ein echtes Team entsteht nicht durch Zufall

Das zeigt: Ein echtes Team entsteht nicht aus Zufall oder ausschließlich durch einen oder mehrere Stars. Ein Team wächst mit seinen Aufgaben und seinen Erfahrungen. Das mussten auch andere Mannschaften in diesem Turnier erfahren, seien es die USA, Griechenland oder auch Deutschland. Basketball ist Wiederholung, so entstehen Automatismen, so wird aus vielen Puzzlestücken ein Bild.

Ähnliche Entwicklungen nahmen auch das unterlegene Argentinien, die unglücklichen Australier oder auch die Überraschungen aus Polen und Tschechien, die jeweils das Viertelfinale erreichten.

Im Gegensatz dazu haben die Spanier aber eben auch noch den Luxus, ein ganzes Bouquet aus NBA-Spielern aufzubieten, die den Unterschied ausmachen können, die übernehmen, wenn es denn vonnöten ist. Apropos Notwendigkeit: Bei Spanien jagt niemand den eigenen Wurf, der Rhythmus des Spiels bestimmt die Wurfverteilung. Alleine gegen Argentinien punkteten alle Spieler, die vor der Garbage Time eingesetzt wurde, gleich sechs von ihnen zweistellig.

Ein Sieg für das globale Spiel

Das mag manchmal wenig spektakulär sein, doch das waren auch die San Antonio Spurs 2014 nicht. Trotzdem werden sie immer als Vorbild genannt, wenn es um das schöne Spiel geht.

Ob wir auch in 15 oder 20 Jahren so über diese Spanier reden? Vielleicht. Auf jeden Fall war diese WM ein Sieg für den internationalen Basketball und die bestmögliche Werbung für den Sport.

Ein Sieg für Teamplay, für die Bewegung des Balles und ein krasser Gegensatz zum Isolation-Basketball und wildem Dreier-Geballer, welcher in der NBA in den vergangenen Jahren leider das Bild bestimmt. "Das Spiel wird globaler" ist keine Phrase mehr, sondern die Realität.

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