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Basketball

"Mit 50, dickem Bauch und Zigarre..."

Von Max Marbeiter
Dusko Savanovic (l.) spielt beim FC Bayern München eine wichtige Rolle
© getty

SPOX: Was halten Sie angesichts dessen von den jungen General Managern, speziell in der NBA, die sich bei der Zusammenstellung ihrer Teams sehr stark an Stats orientieren?

Savanovic: Es gibt immer gute und schlechte Manager. Am Ende geht es darum, was funktioniert.

SPOX: Es ist aber nicht zwingend negativ, dass einige General Manager in der NBA keinen Basketball-Background haben?

Savanovic: Die NBA ist ohnehin etwas völlig anderes. Dort geht es um Image, um Entertainment. Bis April, bis die Playoffs starten, ist die NBA eine Show, ein Zirkus. Es geht um Ticketverkäufer, darum, die Spieler zu schützen. Die großen Namen füllen die Halle, da die Leute kommen, um einen wie Blake Griffin dunken zu sehen. Deshalb ist es vielleicht sogar egal, ob da einer dopt oder nicht, denn die Spieler bringen Millionen ein. Andererseits ist die NBA die professionellste Liga der Welt. Das ist auch einer der Gründe, weshalb sie Manager ohne sportlichen Hintergrund anstellen. In Europa sieht man das nicht. Sie sind bei so etwas die ersten, weil sie auch bei den Stats der Vorreiter waren.

SPOX: Sie sind also kein zu großer Fan der NBA?

Savanovic: Ich liebe das Spiel. Und in der NBA wird der beste Basketball der Welt gespielt. Das ist überhaupt keine Frage. Aber es gibt eben einige Dinge, die mir nicht so sehr gefallen.

SPOX: Andererseits sagen viele, dass sich Teams wie die Spurs oder Atlanta dem europäischen Basketball anpassen. Und sie haben Erfolg. Entsprechen San Antonio und die Hawks Ihrem Bild vom "perfekten" Basketball?

Savanovic: Ja. Die Spurs zelebrieren tatsächlich die Schönheit des Spiels. Andererseits glaube ich aber nicht, dass sich die NBA dem europäischen Basketball angleichen wird. Sie stehen ja über uns, wieso sollten sie da einen Schritt zurückgehen. Fährst du einen Mercedes, klaust du ja auch nicht von einem Fiat. Klar haben wir momentan das Beispiel mit Greg Popovich und den Spurs, ich denke aber, dass das - abgesehen von den Hawks - eher eine einmalige Sache sein wird.

SPOX: Vor der Saison hatte Bayern ebenfalls den Plan, den Fokus ohne Malcolm Delaney mehr auf das Team zu legen. Dabei wird immer kritisiert, dass solchen Teams der Closer fehlt. Derjenige, der in kritischen Situationen übernehmen kann. Ist da etwas dran?

Savanovic: Das kann durchaus sein. Wir haben allerdings genügend Closer. Am Ende gibt es im Sport wie im Leben ohnehin nicht nur einen Weg. Es gibt nicht diese eine, richtige Entscheidung. Du musst einfach mit deinen Möglichkeiten für deine Sache kämpfen. Ich sehe keinen Grund, weshalb wir mit diesem Team nicht Meister werden sollten. Wir müssen nur herausfinden, wie.

SPOX: Sie sind beispielsweise einer dieser Spieler, die in entscheidenden Momenten übernehmen. Verändert sich da etwas im Kopf?

Savanovic: Nein. Niemand hat diesen Schalter im Kopf. Klar bist du motivierter, willst punkten, aber deine Teamkollegen müssen wissen, dass du der Richtige bist. Das heißt, dass du die richtige Entscheidung treffen kannst. Manchmal kommt dann ein Pass dabei heraus. Manchmal ein Rebound oder ein Block. Die richtige Entscheidung kann so unterschiedlich aussehen. Es geht darum, sie zu erkennen.

SPOX: Bayern schied in diesem Jahr bereits in der Vorrunde der Euroleague aus. Die Gruppe war extrem schwer. Vielleicht zu schwer für ein Team, das gerade neu zusammengestellt worden war?

Savanovic: Vielleicht kam es tatsächlich zur falschen Zeit. Wir können uns aber nicht hinter unserer Gruppe verstecken. Klar spielten erstmals in der Geschichte nur Meister in einer Gruppe, aber das ist keine Entschuldigung. Wir haben einfach nicht gut gespielt. Wir sind eigentlich viel besser. Wir sind besser als Turow, waren in beiden Spielen besser drauf als Milan und sind eigentlich auch besser als Panathinaikos. Hätten wir unser Maximum abgerufen, hätten wir das Top 16 erreicht. Das lag aber an uns. Dazu kamen die sehr vielen Verletzungen und vielleicht auch die Integration der Neuen. Irgendwann hat sich eine Negativspirale entwickelt und plötzlich lief nichts mehr.

SPOX: Kann man gegensteuern, wenn man merkt, dass es in die falsche Richtung läuft? Oder versucht man es dann vielleicht zu sehr?

Savanovic: Es ist extrem schwer. Du schlägst dich mit allem möglichen herum. Mit Emotionen. Mit dem Training. Es ist einfach eine sehr komplizierte Dynamik. 12 Spieler und 3 Coaches arbeiten zusammen. Heute fühle ich mich gut, ein anderer dafür weniger. Das muss man jeden Tag aufs Neue zusammenbringen.

Vasilije Micic im SPOX-Interview: "Konnte mit NBA-Talenten mithalten"

SPOX: Sie selbst sind wohl der erfahrenste Spieler im Team der Bayern. Vasilije Micic sagte im SPOX-Interview, dass Sie ihm unglaublich geholfen hätten, als er nach München kam. Sehen Sie sich ein wenig als Mentor der jungen Spieler und suchen sie Ihre Hilfe?

Savanovic: Er kam zu mir, richtig. Am Ende spielt das Alter aber keine Rolle. Ich habe beispielsweise auch kein Problem damit, einen jüngeren um Rat zu fragen, wenn er sich besser auskennt. Vasilije habe ich tatsächlich geholfen. Aber wofür hätte ich meine Erfahrung, wenn ich sie nicht weitergeben würde. Das wäre schlimm. Wenn du deine Erfahrung nicht an andere oder deine Kinder weitergibst, bedeutet dein Leben so wenig. Deshalb habe ich versucht, Vasa zu helfen, so gut ich konnte.

Seite 1: Savanovic über die Stellung des Basketball, Integration und Identität

Seite 2: Savanovic über die Rolle von Basics, spezielle Coaches und den Basketball-IQ

Seite 3: Savanovic über die NBA, Greg Popovich und Erfahrung

Dusko Savanovic im Steckbrief

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