Wenn der Wutmotor anspringt: So reagierte der FC Bayern München auf vorherige Blamagen

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Blamage - und dann? Nach heftigen Pleiten schmeißt der FC Bayern München gerne mal den Wutmotor an. Ein Blick in die Vergangenheit.

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Völlig überraschend verlor der FC Bayern am Samstag mit 1:5 gegen Eintracht Frankfurt. Abgesehen von Trainer Thomas Tuchel stellte sich anschließend einzig Thomas Müller den Fragen der Pressevertreter. Erklären konnte er das Debakel zwar nicht. Wortgewaltig forderte er jedoch, dass nun "der Wutmotor anspringen muss".

Womöglich ein schlechtes Zeichen für den nächsten Gegner Manchester United, der den FC Bayern am Dienstag im Old Trafford empfängt. Während die Münchner bereits als Gruppensieger feststehen, kämpft Gruppen-Schlusslicht United noch um das Weiterkommen.

Bewahrheitet sich Müllers Ansage? Wie reagierte der FC Bayern auf seine zurückliegenden Blamagen? In den vergangenen zehn Jahren verloren die Münchner zwölfmal mit mehr als drei Toren Differenz.

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FC Bayern, 2014: 0:3 gegen den BVB - 5:1 gegen Lautern

Mitte April 2014 stand Pep Guardiolas FC Bayern längst als deutscher Meister fest, gegen den abgeschlagenen Verfolger Borussia Dortmund traten die Münchner aber dennoch weitestgehend in Bestbesetzung an. Bereits nach 56 Minuten führte der BVB mit 3:0, in der Schlussphase sah Rafinha für eine Tätlichkeit die Rote Karte.

Nur vier Tage später empfing der FC Bayern den 1. FC Kaiserslautern zum Halbfinale des DFB-Pokals - und zerlegte ihn mit 5:1. Guardiola hatte seine Startelf auf vier Positionen geändert. Unter anderem neu in der Mannschaft: Thomas Müller.

Wutmotor-Level: 10/10

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FC Bayern, 2014: 0:4 gegen Real - 4:1 gegen den HSV

Lediglich zweieinhalb Wochen nach dem 0:3 gegen den BVB kassierte der FC Bayern im Frühling 2014 die nächste üble Pleite. Im Halbfinal-Rückspiel der Champions League gingen die Münchner im eigenen Stadion mit 0:4 gegen Real Madrid unter. Sergio Ramos und Cristiano Ronaldo trafen doppelt. Guardiola hatte seine Mannschaft zu offensiv ausgerichtet. Ein "Riesenfehler", wie er später zugab.

Am Wochenende nach dem Champions-League-Aus gastierten die Münchner bei ihrem Lieblingsgegner. Mit Blick auf die damalige Bilanz gegen den Hamburger SV war der 4:1-Sieg fast schon enttäuschend, meistens ging es circa 8:0 aus.

Wutmotor-Level: 7/10

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FC Bayern, 2015: 1:4 gegen Wolfsburg - 1:1 gegen Schalke

Völlig überraschend verlor der FC Bayern im Januar 2015 zum Rückrundenauftakt gegen den Verfolger VfL Wolfsburg mit 1:4. Wenig überraschend war, dass Bas Dost einen Doppelpack erzielte. Zur Erinnerung: Das war die Zeit, als er das in fast jedem Spiel machte.

Für die darauffolgende Partie gegen den FC Schalke 04 änderte Guardiola zwar Taktik und Personal, es sollte aber nur zu einem 1:1 reichen. Auch, weil Jerome Boateng bereits in der Anfangsphase die Rote Karte sah. Richtig rehabilitiert hat sich der FC Bayern damals erst zwei Wochen später - mit einem standesgemäßen 8:0 gegen den HSV.

Wutmotor-Level: 3/10

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FC Bayern, 2015: 0:3 gegen Barça - 0:1 gegen Augsburg

Wie schon in seiner ersten Saison als Trainer des FC Bayern kassierte Guardiola auch in seiner zweiten zwei Niederlagen mit mindestens drei Toren Differenz. Wieder passierte es im Champions-League-Halbfinale, diesmal beim Hinspiel gegen den FC Barcelona. Lionel Messi und Neymar zerlegten die Münchner.

Eine Reaktion blieb beim darauffolgenden Bundesligaspiel gegen den FC Augsburg aus, was aber auch nicht weiter schlimm war. Der FC Bayern hatte Bas Dosts Wolfsburg in der Tabelle längst abgehängt. Guardiola verhalf gegen Augsburg Ersatzkeeper Pepe Reina zu dessen drittem und letztem Einsatz für die Münchner. Er dankte es mit einem Platzverweis. Beim Rückspiel gegen Barcelona kehrte Manuel Neuer ins Tor zurück, das Ausscheiden konnte aber auch er nicht verhindern.

Wutmotor-Level: 1/10

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FC Bayern, 2017: 0:3 gegen PSG - 2:2 gegen Hertha

Nach zwei Spielzeiten ohne deutliche Pleite war es im September 2017 mal wieder so weit. In der Champions-League-Gruppenphase verloren die Münchner mit 0:3 gegen Paris Saint-Germain. Trainer Carlo Ancelotti hatte in seiner Startelf auf Mats Hummels, Arjen Robben und Franck Ribéry verzichtet. "Der Feind in deinem Bett ist der gefährlichste", analysierte Präsident Uli Hoeneß und entließ Ancelotti. Bei der Verabschiedung flossen Tränen, wie Karl-Heinz Rummenigge gerne erzählt.

Interimistisch übernahm daraufhin Ancelottis Co-Trainer Willy Sagnol, beim darauffolgenden Bundesligaspiel reichte es aber nur zu einem 2:2 gegen Hertha BSC. Vielleicht muss die Reaktion auf dieses 0:3 gegen PSG aber auch weiter gefasst werden. Es ist bis heute die letzte Niederlage des FC Bayern in einem Gruppenspiel der Champions League.

Wutmotor-Level: 2/10

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FC Bayern, 2018: 1:4 gegen Stuttgart - 1:3 gegen Frankfurt

Trotz des turbulenten Saisonstarts sicherte sich der FC Bayern unter Jupp Heynckes letztlich den Meistertitel, daran änderte auch ein 1:4 am letzten Spieltag gegen den VfB Stuttgart nichts.

Eine Woche später stieg das Finale des DFB-Pokals gegen Eintracht Frankfurt. Kevin-Prince Boateng schlug den Ball lang auf Bruder Ante Rebic, die Münchner verloren mit 1:3 - und der FC Bayern verpflichtete kurz darauf Frankfurts Erfolgstrainer Niko Kovac.

Wutmotor-Level: 1/10

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FC Bayern, 2018: 0:3 gegen Gladbach - 3:1 gegen Wolfsburg

Kovac erlebte bereits am 7. Spieltag der neuen Bundesliga-Saison seine erste üble Pleite, es setzte ein 0:3 gegen Angstgegner Borussia Mönchengladbach. Eine Woche später gelang mit einem 3:1 beim VfL Wolfsburg aber eine ordentliche Reaktion - obwohl Arjen Robben die Rote Karte sah.

Wutmotor-Level: 7/10

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FC Bayern, 2019: 1:5 gegen Frankfurt - 2:0 gegen Olympiakos

Kovacs zweite Pleite mit mindestens drei Toren Differenz sollte seine letzte sein. Ausgerechnet nach einem 1:5 an alter Wirkungsstätte in Frankfurt wurde er entlassen. Den Trainerposten übernahm sein Assistent Hansi Flick.

Unter ihm präsentierte sich die Mannschaft sofort wie ausgewechselt. Auf ein 2:0 gegen Olympiakos Piräus folgten mehrere deutliche Siege. 4:0 gegen Borussia Dortmund, 4:0 gegen Fortuna Düsseldorf, 6:0 gegen Roter Stern Belgrad. Am Ende der Saison stand das Triple.

Wutmotor-Level: 10/10

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FC Bayern, 2020: 1:4 gegen Hoffenheim - 3:2 gegen Dortmund

So reibungslos lief es für Flicks Mannschaft in der darauffolgenden Saison nicht mehr. Bereits am 2. Spieltag unterlag der FC Bayern mit 1:4 gegen die TSG Hoffenheim. Diskutiert wurde damals hauptsächlich über den zu dünnen Kader - es sollte aber bis kurz vor Transfer-Schluss dauern, ehe die Münchner einen legendären Fünferschlag wagten und Bouna Sarr, Marc Roca, Tiago Dantas, Douglas Costa sowie Eric Maxim Choupo-Moting verpflichteten.

Bereits zuvor hatte die "unverstärkte" Mannschaft eine starke Reaktion auf dem Platz gezeigt. Im Supercup setzte sich der FC Bayern mit 3:2 gegen Borussia Dortmund durch.

Wutmotor-Level: 9/10

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FC Bayern, 2021: 0:5 gegen Gladbach - 5:2 gegen Union

Auf den zum Bundestrainer berufenen Flick folgte im Sommer 2021 Julian Nagelsmann. Nach einem starken Saisonstart verlor der FC Bayern in der 2. Runde des DFB-Pokals völlig überraschend mit 0:5 gegen Borussia Mönchengladbach. Vermutlich war es Nagelsmann gar nicht so unrecht, dass er die Partie wegen einer Corona-Quarantäne aus der eigenen Küche verfolgen musste.

Drei Tage später stand er wieder an der Seitenlinie - und sah einen souveränen 5:2-Sieg gegen Union Berlin.

Wutmotor-Level: 8/10

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FC Bayern, 2023: 0:3 gegen ManCity - 1:1 gegen Hoffenheim

In der darauffolgenden Saison führte Nagelsmann den FC Bayern souverän ins Champions-League-Viertelfinale, wurde kurz davor aber entlassen. Unter seinem Nachfolger verloren die Münchner 0:3 gegen Manchester City, Thomas Tuchel war dennoch "schockverliebt" in seine neue Mannschaft.

Vor dem Rückspiel musste der FC Bayern in der Bundesliga gegen die TSG Hoffenheim ran, es reichte lediglich zu einem 1:1. Mit dem selben Ergebnis schieden die Münchner anschließend im Rückspiel gegen City aus.

Wutmotor-Level: 2/10

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FC Bayern, 2023: 0:3 gegen Leipzig - 4:0 gegen Werder

Tuchels erste volle Saison als Trainer des FC Bayern begann mit einer 0:3-Pleite im Supercup gegen den DFB-Pokalsieger RB Leipzig. Per Einwechslung verhalf Tuchel Rekord-Neuzugang Harry Kane zu dessen Debüt. Beim Bundesliga-Auftakt gegen Werder Bremen eine Woche später stand der neue Mittelstürmer in der Startelf und steuerte ein Tor und einen Assist zum souveränen 4:0-Erfolg bei.

Wutmotor-Level: 9/10

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