FC Bayern verpflichtet den portugiesischen Lahm! Der Transfer von João Cancelo aus drei Perspektiven

Von Justin Kraft
FC Bayern München, Bundesliga, Transfer, Transfermarkt, Joao Cancelo, Manchester City, Perspektiven
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João Cancelo verlässt Manchester City und schließt sich dem FC Bayern München auf Leihbasis an, das bestätigte der FCB am Dienstag. Im Sommer hat der Rekordmeister eine Kaufoption für den derzeit wertvollsten Außenverteidiger der Welt. Der Transfer kam überraschend, ergibt aber zumindest für den Rekordmeister sehr viel Sinn. Drei Perspektiven zum Cancelo-Wechsel.

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Der FC Bayern hat nach den drei Unentschieden in der Bundesliga reagiert und mit João Cancelo einen Außenverteidiger verpflichtet, der seit Jahren auf absolutem Top-Niveau spielt. Laut transfermarkt.de ist der Portugiese, zuletzt freilich im Formtief, mit einem Marktwert von 70 Millionen Euro derzeit der wertvollste Außenverteidiger der Welt.

Die Münchner sorgen mit der Leihe aber auch schon für Klarheit mit Blick auf den kommenden Transfersommer - wie Sportvorstand Hasan Salihamidzic bestätigte, ist eine Kaufoption Teil des Deals. Und klar scheint: Für einen etablierten FCB-Verteidiger könnte im Sommer Schluss sein in München.

Was bedeutet der Cancelo-Wechsel für die Bayern, den Spieler und Manchester City?

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João Cancelo: Der Transfer aus der Perspektive des FC Bayern München

Für den Rekordmeister kann Cancelo ein wichtiges Puzzleteil sein. Schließlich ist der 28-Jährige auf den Außenpositionen flexibel einsetzbar. Er kann nicht nur auf beiden Seiten auf gleichem Niveau spielen, sondern auch noch verschiedene taktische Rollen zuverlässig ausfüllen. Cancelo ist zweikampfstark, technisch hoch veranlagt und auch schnell - auf den Beinen wie im Kopf.

Er ist taktisch nicht zuletzt durch die intensive Schulung von Pep Guardiola ein perfektes Match für den FC Bayern, weil er sowohl den offensiven Flügelverteidiger als auch den spielstarken Außenverteidiger geben kann. Julian Nagelsmanns Optionen wachsen damit schlagartig an. Der Bayern-Trainer kann problemlos auf eine Ausrichtung mit Dreierkette wechseln und hätte mit Alphonso Davies und Cancelo die perfekte Flügelzange dafür.

Darüber hinaus kann der Neuzugang auch als einrückender Rechts- oder Linksverteidiger spielen. Eine Rolle, wie sie zuletzt mehrere Spieler im Kader der Bayern bekleiden sollten, um den Spielaufbau im Mittelfeldzentrum zu unterstützen. Sowohl Benjamin Pavard als auch Josip Stanisic sind aber technisch zu limitiert, um das auf hohem Niveau zu spielen. Cancelo könnte aber die perfekte Entlastung für Joshua Kimmich im Spielaufbau sein. Seit Philipp Lahm gab es keinen Rechtsverteidiger mehr beim FC Bayern, der in der Lage war, das Spiel derart an sich zu reißen. Cancelo hat hinsichtlich der Spielintelligenz und der technischen Fähigkeiten ähnliche Veranlagungen wie der ehemalige FCB-Kapitän.

Doch auch Cancelo muss sich in München erst einmal zurecht - und seine Form wiederfinden. Zuletzt fiel er in Manchester nach der WM in ein kleines Loch, verlor sogar seinen Stammplatz bei Manchester City. Angesichts der Konstanz, die er in den letzten Jahren zeigte, ist es aber nicht unwahrscheinlich, dass das nur eine Phase war. Durch das Leihmodell gehen die Bayern zudem kein Risiko. Sollte Cancelo unerwartet floppen, ziehen sie die Kaufoption eben nicht. Erreicht er seine Normalform, hat der Serienmeister der Bundesliga einen neuen Weltklassespieler.

Einen Haken hat die Geschichte allerdings: Die Kaufoption soll laut der britischen Nachrichtenagentur PA bei umgerechnet 70,1 Millionen Euro liegen. Eine Stange Geld für einen Klub, der im Sommer womöglich auch noch andere Baustellen schließen muss. Gerade die Neunerposition wird derzeit wieder zum Thema in München. Andererseits haben die Münchner bei Lucas Hernández und Matthijs de Ligt bewiesen, dass sie einen Wunschspieler auch mal gern teuer bezahlen. Ob Cancelo das mit dann 29 Jahren wert ist, muss er in diesem Halbjahr unter Beweis stellen.

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João Cancelo: Der Transfer aus der Perspektive der FCB-Profis

In der Vergangenheit waren die Münchner schon häufiger an Cancelo interessiert und auch Nagelsmann gilt als Fan des Spielers. Nun wird der Transferwunsch ganz überraschend erfüllt. Das wird allerdings auch Folgen auf die weitere Kaderplanung haben.

Nominell haben die Bayern nun vier Rechtsverteidiger im Kader: Noussair Mazraoui, Benjamin Pavard, Josip Stanisic und Bouna Sarr. Letzterer spielt in den Planungen ohnehin keine Rolle mehr. Pavard war immer wieder Streitthema, konnte aber mit soliden Leistungen seinen Stammplatz stets rechtfertigen. Der Franzose hat aber mehrfach betont, dass er wechseln möchte. Sollte Cancelo überzeugen, dürfte er einem Transfer einen Schritt nähergekommen sein. Ein Abschied im Winter gilt allerdings als ausgeschlossen.

Der große Verlierer aber ist Stanisic. Eigentlich hat der 22-Jährige nichts falsch gemacht und sich als zuverlässige Option auf der rechten Defensivseite etabliert. Allerdings war von Beginn an klar, dass der Nationalspieler Kroatiens nicht das Potential für eine zentrale Rolle im Kader des FC Bayern hat. Gerade auf hohem Niveau wurden seine Defizite im technischen und athletischen Bereich mehrfach deutlich. Hinter Mazraoui und Cancelo wird sich Stanisic nicht durchsetzen können.

Auch Mazraoui ist zumindest ein kleiner Verlierer des Deals. Nach seinen starken Leistungen vor der WM war er drauf und dran, den Stammplatz auf der rechten Defensivseite der Bayern zu erobern. Dann verletzte er sich während des Turniers. Wie lange der Marokkaner ausfällt, ist unklar. Vermutlich ist der Cancelo-Transfer auch als Zeichen in diese Richtung zu deuten. Hat sich der Neuzugang erstmal festgespielt, wird es schwer für Mazraoui, sich Einsatzzeiten zu erarbeiten.

Das gilt auch für Daley Blind, den die Bayern erst diesen Winter verpflichtet haben. Zwar kann der Niederländer auch in der Innenverteidigung aushelfen, zumindest sinken jetzt aber die Chancen, dass er auf der linken Außenbahn ran darf. Dort wird Cancelo vermutlich die erste Option nach Davies sein.

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João Cancelo: Der Transfer aus der Sicht des Spielers und von Manchester City

Mit 28 Jahren wird Cancelo wohl nicht mehr viele Gelegenheiten bekommen, eine andere Liga kennenzulernen. Dennoch ist es überraschend, dass er sich als Stammspieler im Winter von Manchester City verabschiedet. Immerhin ist der Außenverteidiger der Defensivspieler mit den meisten Pflichtspielminuten bei den Skyblues (1.866).

Dass er zuletzt etwas schwächelte, sorgte dafür, dass Pep Guardiola ihn nach der WM kaum einsetzte. Die Situation spitzte sich laut The Athletic zu, als Guardiola ihn am Freitag gegen Arsenal nicht einsetzte. Danach hatte das Personal den Eindruck, dass Cancelo bei den taktischen Besprechungen nicht aufpasste und nicht auf die Anweisungen der Trainer hörte.

Dennoch ist es schwer nachvollziehbar, dass City einen seiner besten Spieler der letzten Jahre einfach so abgibt. Mit 28 Jahren ist Cancelo noch lange nicht am Ende seiner Karriere angekommen.

Guardiola geht damit ein gewisses Risiko. Zwar hat der erst 18-jährige Rico Lewis seine Chance hinten rechts nutzen können, doch es ist unklar, wie beständig er in diesem Alter schon sein kann. Erst im Februar 2022 hatte Cancelo seinen Vertrag bei Manchester City bis 2027 verlängert, nun wird er offenbar mit der ersten Formkrise fallen gelassen. Laut dem Telegraph soll es sogar Spannungen zwischen Guardiola und seinem Spieler gegeben haben.

Dass er nun relativ plötzlich zu den Bayern wechselt, spricht für diese These. Cancelo aber wird in München die Möglichkeit bekommen, sein Niveau wieder zu erreichen und ein absoluter Leistungsträger zu werden. So wie er es zuvor bei Manchester City getan hat.

Wie es im Sommer weitergeht, ließ Cancelo bei seiner Vorstellung derweil offen. Das Video, welches er kurz vor der Bestätigung des Wechsels bei Instagram gepostet hatte, sollte eine Rückkehr nach Manchester nicht ausschließen, sagte er: "Das war nicht so gemeint. Wir müssen schauen, was die fünf Monate bringen, ich will mit einem klaren Kopf hier sein, es geht erst einmal um eine Leihe. Wir werden dann am Ende der Saison noch einmal darüber reden. Ich bin aber noch bei Manchester City unter Vertrag. Ich sehe das noch nicht als einen endgültigen Abschied vom Verein."

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© SPOX

FC Bayern: João Cancelo im Steckbrief

Name:João Pedro Cavaco Cancelo
Geburtstag:27. Mai 1994
Größe:1,82 Meter
Position:Rechtsverteidiger / Linksverteidiger
Starker Fuß:rechts
Vereine:FC Barreirense, Benfica, FC Valencia, Inter Mailand, Juventus, Manchester City
Nationalelf:Portugal (41 Spiele, sieben Tore)
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