Fussball

Entsetzen und Bestürzung in Nürnberg nach Drohung gegen zwei Club-Profis

SID
Der FCN hatte am Freitag mit 0:3 gegen Hannover 96 verloren.
© imago images

Drohungen gegen Spieler des 1. FC Nürnberg haben den deutschen Fußball schockiert. Die Polizei ermittelt.
 

Entsetzen, Bestürzung und Unverständnis - die Drohungen gegen Spieler des Zweitligisten 1. FC Nürnberg haben für eine neue Dimension des Umgangs mit Fußballprofis gesorgt. "Das ist das Allerletzte", wetterte Hamburg-Coach Dieter Hecking am Samstag am Sky-Mikrofon.

Der Club hatte am Freitag - wohl auch unter dem Eindruck der Ereignisse - 0:3 (0:2) gegen Hannover 96 verloren. "Das war die Tat eines Vollidioten. Unser Thema bleibt der Fußball", sagte Sportvorstand Robert Palikuca am Samstagvormittag und bemühte sich um Rückkehr zur Normalität.

Wie der Verein mitteilte, pappten an verschiedenen Stellen rund um das Stadion am Freitagabend Aufkleber in einer Größe von DIN A4 mit klaren Drohungen gegen zwei Spieler. Betroffen waren die Spieler Hanno Behrens und Lukas Mühl. Offenbar wurde gefordert, dass sich die Franken von "solchen Antifußballern trennen" sollten.

Aufkleber erinnern an Mord von Kolumbiens Andres Escobar

Alles gipfelte im geschmacklosen Vergleich mit dem Mord am kolumbianischen Nationalspieler Andres Escobar ("Muss es denn einen zweiten Fall Escobar geben?"). Escobar war nach einem Eigentor gegen die USA (1:2) bei der WM 1994 in der Heimat nach der Rückkehr durch sechs Schüsse in Medellin getötet worden.

"Es ist schon Wahnsinn, in welcher Welt wir mittlerweile leben, was man alles mitmachen muss, wenn man in der Öffentlichkeit steht", sagte Nürnbergs Trainer Jens Keller und ergänzte: "Es ist bedauerlich, dass wir so weit gekommen sind."

Palikuca hatte schon am Freitag betont: "Wir verurteilen diese widerliche und geschmacklose Aktion aufs Schärfste. Und wir werden alles dafür tun, die Verursacher zur Rechenschaft zu ziehen." Der ehemalige deutsche Rekordmeister hat Strafanzeige bei der Polizei gestellt, die Ermittlungen laufen. Dank des Engagements und der schnellen Mithilfe verschiedener Fangruppierungen konnte nach Angaben des Club sämtliche Aufkleber rasch entfernt werden.

Palikuca betonte laut kicker: "Man hätte es verstehen können, wenn diese beiden Spieler heute nicht Fußball spielen hätten wollen." Offenbar waren vor der Partie gegen die Niedersachsen nur Behrens und Mühl informiert worden. Auf Informationen an den restliche Teil der Mannschaft wurde hingegen verzichtet.

Keller wollte allerdings die Vorkommnisse nicht als Ausrede verstanden wissen. Klar sei jedoch gewesen, dass die Konzentration der Akteure gelitten habe, so der Coach. Verein und Polizei machten über den Wortlaut auf den Plakaten aus "ermittlungstaktischen Gründen" im Übrigen keine Angaben.

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