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Fussball

VfB-Präsidentschaftskandidat Claus Vogt im Interview: "Ich würde mir eine richtige Fanabteilung wünschen"

Am 15. Dezember könnte Claus Vogt zum neuen VfB-Präsidenten gewählt werden.

Durch den FCPlayFair! e.V., einen Verein für Integrität im Profifußball, ist Ihre Fan-Nähe schon seit Jahren dokumentiert. 2018 haben Sie im SPOX-Interview gesagt, dass die Fans merken, wenn Sie ausgepresst werden wie eine Zitrone und dass dies endlich sei. Ist es das wirklich? Manchmal hat man den Eindruck, der Fan macht für seinen geliebten Fußball nahezu alles mit.

Vogt: Wenn man in Stuttgart ins Stadion geht, bekommt man nicht das Gefühl, dass es endlich ist. Da stimme ich zu. Aber schauen wir uns doch mal jetzt wieder die traurigen Zuschauerzahlen der Länderspiele an. Ich weiß auch, dass die Warteliste auf Tickets bei den Bayern zum Beispiel nicht mehr so lang ist, wie sie es schon war. Der Fan merkt sehr gut, ob er als Fan angesehen, oder dann doch nur als Konsument wahrgenommen wird. Der FCPlayFair! hat erst vor ein paar Wochen erneut den Antrag eingereicht, dass die Fußball-Fankultur immaterielles UNESCO-Weltkulturerbe werden soll. Der Verein bleibt da beharrlich am Ball, weil wir davon überzeugt sind, dass unsere Fußball-Fankultur ein schützenswertes Gut ist. Es wäre ein wichtiges Zeichen, wenn der Antrag diesmal durchgeht.

Sie haben gerade den DFB erwähnt. Das neue DFB-Trikot kostet schlappe 130 Euro.

Vogt: Die Frage ist da natürlich immer, wer die Schuld trägt. Derjenige, der es verlangt. Oder derjenige, der es bezahlt. Um es an dieser Stelle nochmal zu betonen: Ich bin nicht grundsätzlich gegen Kommerzialisierung, das wäre für mich als Unternehmer ja auch hanebüchen. Ich bin gegen eine Überkommerzialisierung, die Geld über den Sport stellt. Wenn man den Bogen überspannt und die Fans unterschätzt, geht es einem wie der Nationalmannschaft, dann laufen selbst einem viermaligen Weltmeister die Fans weg. Und wenn das der Nationalmannschaft passieren kann, müssen auch alle Vereine sehr aufpassen.

"Es tut sehr weh, Timo Baumgartl in Eindhoven zu sehen"

Sie haben mit dem FCPlayFair! im Zuge der Gespräche mit der DFL auch eine Bachelorarbeit geschrieben, wie man einen Fanvertreter in einem Profiverein integrieren kann. Was war das Ergebnis?

Vogt: Als wir bei unserem Termin mit der DFL über bestimmte Lizenzauflagen diskutierten, wurde uns gesagt, dass ein demokratisch gewählter Fanvertreter in einem Vereinsorgan aus diesen und jenen Gründen nicht möglich wäre. Das hat unseren Ehrgeiz geweckt, also haben wir uns das mal genauer angeschaut. Mit dem Ergebnis, dass es bei 35 von 36 Pofivereinen sehr wohl möglich ist. Nur ein Verein hat seine Satzung so konstruiert dass es tatsächlich ausgeschlossen ist: Der FC Bayern.

Der VfB hat mit Dr. Bertram Sugg seit 2017 einen Fanvertreter im Aufsichtsrat. Reicht das?

Vogt: Wir können schon stolz darauf sein, aber nein, mir reicht das noch nicht. Ich würde mir wünschen, dass wir es schaffen, ähnlich wie bei Mainz 05 eine richtige Fanabteilung zu installieren, in der sich unsere Mitglieder noch mehr engagieren und frische Ideen einbringen können. Der e.V. und die AG kommen dadurch mehr zusammen.

Fans wünschen sich natürlich vor allem auch Identifikation. Sie kennen Timo Baumgartl sehr gut. Wie weh tut es Ihnen, wenn Sie ihn jetzt im Eindhoven-Trikot sehen?

Vogt: Es tut sehr weh, Timo in Eindhoven zu sehen. Timo ist ein super Typ, er war einer der letzten jungen Identifikationsfiguren, aber wir haben ihn verloren. Genauso wie wir Timo Werner oder Serge Gnabry verloren haben. Diese Liste ließe sich ja unendlich fortsetzen. Umso wichtiger ist es, dass wir es schaffen, unser Nachwuchsleistungszentrum wieder zum besten in Baden-Württemberg zu machen. Die besten Talente muss es zum VfB ziehen, nicht nach Hoffenheim oder Freiburg. Und wir müssen diesen Jungs dann auch im Profikader eine Perspektive geben. Ich glaube schon, dass unsere Spieler am Sonntag gemerkt haben, was das Spiel gegen den KSC für alle VfB'ler bedeutet. Aber ich würde mir natürlich wünschen, dass wir mehr Spieler auf dem Platz haben, die bei uns verwurzelt sind. Bei denen kein argentinischer Spielerberater auf der Tribüne sitzt, sondern die Familie, die Freunde, der Nachbar. So entsteht auch wieder mehr Identifikation. Wir brauchen Jungs, die für den VfB brennen, Fans haben ein sehr feines Gespür dafür.

Claus Vogt über VfB-Idole und seine eigene Fußballerkarriere

Ein weiteres ungelöstes Problem beim VfB ist die fehlende Integration der Legenden. Stichwort: Guido Buchwald oder Jürgen Klinsmann. Wie wollen Sie das angehen?

Vogt: Ich werde das angehen, keine Frage. Es ist schade, dass der VfB vielen wichtigen Spielern aus der Vergangenheit nicht genügend Wertschätzung entgegengebracht hat. Die Folge war, dass sich diese Legenden enttäuscht abgewendet haben. Wenn ich zum Beispiel auch sehe, dass ein Giovane Elber Botschafter des FC Bayern ist, dann frage ich mich: Warum ist Giovane Elber kein VfB-Botschafter? Warum laden wir unsere Legenden nicht viel mehr zu Spielen ein? Hier müssen wir definitiv handeln und alle zurück ins Boot holen.

Wer ist denn Ihr persönlicher VfB-Held?

Vogt: Mein erstes Trikot war von Asgeir Sigurvinsson, die Nummer 10. Er war mein Idol. Auch er ist übrigens jemand, den wir als Botschafter einbinden müssten.

Woran ist Ihre Fußballerkarriere eigentlich gescheitert? Sie waren ja mal Stürmer. Am fehlenden Talent?

Vogt: (lacht) Das muss ich entschieden zurückweisen. Ich hatte nur schlechte Trainer und Mitspieler - und dann habe ich auch noch Verletzungsprobleme bekommen. Im Ernst: Für mich war Fußball alles in der Kindheit. Für meinen Bruder und mich gab es nichts anderes. Heute muss man die Kinder ja vom Handy weg nach draußen zerren, bei uns war es noch so, dass einen die Eltern im Dunkeln von irgendeinem Bolzplatz nach Hause pfeifen mussten. Und schön war's.

Claus Vogt: "Ich rede nicht nur über Werte, ich setze mich für sie ein"

Zum Abschluss: Angenommen Sie werden VfB-Präsident und bleiben es auch einige Jahre. Was muss in diesen Jahren passieren, damit Sie mit Ihrer Amtszeit zufrieden sind?

Vogt: Der VfB muss dauerhaft eine gute Rolle in der Bundesliga spielen und für attraktiven Fußball stehen. Die jetzt handelnden Personen sollten immer noch im Amt sein. Und der VfB muss insgesamt ein Verein geworden sein, der alle mitnimmt und sein Bild nach außen zum Positiven verändert hat.

Ihr Gegenkandidat Christian Riethmüller will sicher Ähnliches. Ein Diskussionspunkt ist daher etwas die fehlende Unterscheidbarkeit zwischen den Kandidaten. Wo unterscheiden Sie sich denn Ihrer Meinung nach?

Vogt: Ich kann nur über mich sprechen. Ich würde sagen, dass ich jemand bin, der seit Jahren nicht nur über Werte redet, sondern sich auch für sie einsetzt. Mit Zeit. Mit Energie. Mit Nerven. Mit Geld. Mit dem FCPlayfair! Ich hoffe, das macht mich ein Stück weit glaubwürdig. Ich bin ein Weiß-Roter in der vierten Generation. Ich bin sehr gut vernetzt, sei es beim DFB oder bei der DFL. Aber vielleicht das Wichtigste: Ich bin Familienmensch und Unternehmer. Eines von beiden würde nicht reichen, die Mischung ist entscheidend. Zuletzt hat jemand mal gesagt: Fritz Keller DFB-Präsident und Claus Vogt VfB-Präsident - das wäre ein guter Tag für den deutschen Fußball. Wenn ich so etwas höre, oder wenn meine Frau beim Bäcker zwei ältere Damen trifft, die tuscheln, dass ihr Mann jetzt vielleicht VfB-Präsident wird und das gut wäre für unseren Klub, dann macht mich das stolz. Es spornt mich an, mich mit allem, was ich habe, für den VfB einzusetzen.

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