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Fussball

Fünf Teams verfolgen Hertha: Wer steigt auf?

Von Matthias Faidt
Neben Hertha der aussichtsreichste Kandidat, nächste Saison in der Bundesliga zu jubeln: Augsburg
© Getty

Sechs Punkte Vorsprung auf den Relegationsrang: Hertha BSC hat beste Chancen, nächste Saison wieder in der Bundesliga zu spielen. Doch wer folgt den enteilten Hauptstädtern? SPOX macht den Kandidaten-Check.

Spannend wie nie - die Mannschaften auf den Tabellenrängen zwei bis sechs sind eng beisammen, der 27. Spieltag wird also ein Aufstiegs-Wegweiser.

Es stehen zwei direkte Duelle auf dem Spielplan: Erzgebirge Aue (4.) empfängt Greuther Fürth (5.) und Energie Cottbus (6.) gastiert beim VfL Bochum (3.). Während Spitzenreiter Hertha BSC (55 Punkte) wohl bereits erstklassig planen kann, stellt sich nur noch die Frage, wer sich die beiden anderen begehrten Plätze krallt.

FC Augsburg (51 Punkte, 48:21 Tore)

Restprogramm: Die Fuggerstädter müssen zwar noch gegen Fürth (H) ran, nach Cottbus (A) und zu Hertha BSC (A) reisen, doch die Auswärtsstärke (zweitbestes Team der Liga) ist ihr großer Trumpf.

Stärken: Die Abwehr um Kapitän Uwe Möhrle ist ein Angriffs-Wellenbrecher: 21 Gegentreffer (wie Fürth) sind der Bestwert der Liga. Auch der Sturm ist eine unberechenbare Waffe: Das Quartett Nando Rafael (13), Michael Thurk (8), Torsten Oehrl (7) und Stephan Hain (6) hat gemeinsam 34 der 48 Tore erzielt. Daraus resultiert die beste Tordifferenz aller Berlin-Verfolger (+27).

Schwächen: Dieses Jahr soll endlich der Aufstieg her: Der Erfolgsdruck ist da, die Stimmung scheint gereizt. Michael Thurk, Daniel Baier und Jonas de Roeck flogen gegen Düsseldorf aus disziplinarischen Gründen aus dem Kader.

Philosophie: Der Kader von Trainer Jos Luhukay (47) ist im besten Fußballalter und für einen zeitnahen Aufstieg konzipiert. Mit routinierten Profis aus der Bundesliga (Thurk, Rafael, Möhrle, Dominik Reinhardt) und der Ehrendivision (Paul Verhaegh, Marcel de Jong, Kees Kwakman, Gibril Sankoh) wurde in der Vergangenheit viel Erstliga-Erfahrung hinzugeführt.

Selbst-Prognose: Luhukay ist gegenüber SPOX optimistisch: "Wir haben uns eine sehr gute Ausgangsposition für die restlichen acht Spiele geschaffen. Diese wollen wir nutzen." Von der Qualität seiner Mannschaft ist der Holländer überzeugt: "Wir haben einen starken und sehr ausgeglichenen Kader, der in der Hinrunde viele Verletzungen weggesteckt hat."

Bei Nicht-Aufstieg: Offiziell werden die Ansprüche gering gehalten. "Der Aufstieg ist für uns absolut kein Muss und die Mannschaft würde dies verkraften. Aber daran denken wir derzeit überhaupt nicht, weil wir diese Chance gemeinsam nutzen möchten", gibt sich Luhukay bescheiden.

SPOX-Prognose: Augsburg hat beste Voraussetzungen, direkt aufsteigen und wird dies auch tun.

VfL Bochum (49 Punkte, 38:28 Tore)

Restprogramm: In Bochum kommt es auf die Heimspiele an: Mit Hertha (H), Cottbus (H) und Duisburg (H) warten hier die harten Brocken.

Stärken: Laut Trainer Friedhelm Funkel ist die Mannschaft schwer auszurechnen: "Alle arbeiten gut gegen den Ball, stellen die Räume clever zu und zeigen eine hohe Aggressivität und Stärke im Zweikampf." Vor allem die Form spricht aber für die Funkel-Truppe - der Tabellendritte ist seit dem 14. Spieltag ungeschlagen. Bleibt dies so, könnte eine Euphorie-Welle ungeahnte Kräfte freisetzen.

Schwächen: Im Angriff tritt zumeist nur Tae-Se Jong (10 Tore) gefährlich in Erscheinung, von den Sturmkollegen Mahir Saglik (2 Treffer/20 Spiele) und Zlatko Dedic (3/17) kam bislang zu wenig. Hoffnung verbreiten aber Winterneuzugang Ümit Korkmaz (3/7) und Rückkehrer Mirkan Aydin (4/8).

Philosophie: Der Absteiger behielt 16 Spieler des Erstligakaders, schenkte den eigenen Youngstern wie Matthias Ostrzolek, Kevin Vogt oder Aydin das Vertrauen und ergänzte die Mannschaft mit den Zweitliga-Torjägern Giovanni Federico und Mahir Saglik.

Selbst-Prognose: Bochum will aufsteigen, ohne Wenn oder Aber. "Wir haben es selbst in der Hand. Wenn wir in den kommenden Wochen unsere Erfolgsserie weiter ausbauen können, dann werden wir am Ende unser großes Ziel erreichen", so Funkel zu SPOX.

Bei Nicht-Aufstieg: Über 1400 Bundesliga-Spiele im Kader bestätigen, dass für den Großteil der Bochumer die 2. Liga nur ein Zwischenaufenthalt sein kann. Sowohl die Mannschaft als auch Friedhelm Funkel haben Erstliga-Ansprüche: Er ist bereits mit fünf anderen Vereinen aufgestiegen. Der Nicht-Aufstieg wäre eine Enttäuschung, aber kein Niederschlag: "Natürlich haben wir unsere Hausaufgaben gemacht und planen parallel die neue Saison," so Funkel.

SPOX-Prognose: Für Bochum wird es ein Kampf bis zum letzten Spieltag - der allerdings nicht belohnt wird.

 

Erzgebirge Aue (47 Punkte, 31:28 Tore)

Restprogramm: Aue ist die stärkste Heimmannschaft: Das müssen sie gegen Fürth (H), Cottbus (H) und Hertha (H) beweisen. Laut Kapitän Tomasz Kos wird das Fürth-Spiel "entscheidend" sein.

Stärken: Die Veilchen verfügen - das 0:6 gegen Cottbus ausgenommen - über eine stabile Abwehr, konnten in dieser Saison bereits elfmal zu null spielen. Außerdem ist das heimische Erzgebirgsstadion eine nahezu uneinnehmbare Festung, zuhause mussten sie sich nur einmal geschlagen geben (0:1 gegen Osnabrück).

Schwächen: 31 erzielte Tore sind der schlechteste Wert der ersten sechs Mannschaften, mit Enrico Kern (5 Treffer) war bislang nur ein einziger Stürmer erfolgreich. Das könnte der entscheidende Nachteil im Schlussspurt sein. Dem Kader fehlt es zudem an erfahrenen Profis: Rene Klingbeil, Thomas Paulus, Oliver Schröder, Enrico Kern und Kos kommen gemeinsam auf gerade einmal 283 Erstliga-Spiele, Bochums Christoph Dabrowski bestritt alleine 273 Partien im Oberhaus.

Philosophie: Bei der Kaderplanung vertraute man großteils dem Aufstiegskader: Man bediente sich lediglich kräftig in Rostock (Kern, Schlitte, Schröder) und angelte sich das Innenverteidiger-Talent Adli Lachheb (23) vom Hallescher FC, der eine wichtige Rolle im Defensiv-Konzept von Trainer Ricco Schmitt (42) eingenommen hat.

Selbst-Prognose: Was vor Saisonbeginn nur Träumer zu wagen hofften, ist acht Spieltage vor Schluss immer noch möglich: Der Aufsteiger kann durchmaschieren. Kos zeigt sich im Gespräch mit SPOX selbstbewusst: "Unsere Chancen stehen gut, obwohl oben nur Mannschaften stehen, die wirklich stark sind. Wir sind auf jeden Fall auf einem guten Weg."

Bei Nicht-Aufstieg: Der Aufstieg ist kein Muss, die bisherige Saison ein Riesenerfolg, egal ob am Ende einen der ersten drei Plätze belegt wird oder nicht. "Unser großer Vorteil ist, dass wir nicht aufsteigen müssen: im Gegensatz zu Hertha, Augsburg oder Fürth", so Kos.

SPOX-Prognose: Der Mannschaft würde ein weiteres Jahr in der 2. Liga gut tun. Das wird auch eintreten.

 

SpVgg Greuther Fürth (46 Punkte, 37:21 Tore)

Resprogramm: Fürth muss sich vor allem auswärts beweisen: In Aue (A) und Augsburg (A) entscheidet sich der Weg der Kleeblätter.

Stärken: Kapitän Thomas Kleinezu SPOX: "Wir haben einen sehr ausgeglichenen und in der Breite sehr gut aufgestellten Kader. So ist es uns auch gelungen, die verletzungsbedingten Ausfälle gut zu kompensieren." Und das trotz der langen Fehlzeiten von Stammspielern wie Christopher Nöthe, Max Grün, Kingsley Onuegbu und Stephan Schröck. Vor allem die Hintermannschaft um Ersatz-Torhüter Alexander Walke steht - 21 Gegentore sind Liga-Bestwert.

Schwächen: Den Fürthern fehlt - auch verletzungsbedingt - ein zuverlässiger Torjäger: Vorjahres-Knipser Nöthe und Genua-Leihgabe Danijel Aleksic (beide 2 Treffer) zeigen noch zu wenig. Zudem hat man zuhause die wenigsten Spiele (7) aller Aufstiegskandidaten gewonnen.

Philosophie: Die Abgänge von Torjäger Sami Allagui und Marco Caligiuri (zu Mainz 05) wurden mit ablösefreien und Leih-Spielern kompensiert. Um Rückkehrer Kleine (aus Mönchengladbach) formierte Trainer Mike Büskens (42) eine junge, spielstarke Mannschaft nach altem Fürther-Rezept.

Selbst-Prognose: Siebenmal Fünfter seit 2001, inzwischen ist der Aufstiegskampf schon Routine in Fürth. Dementsprechend forsch geht man die Sache an. Kleine: "Unsere Chancen sind weiterhin sehr gut, wir liegen nur drei Punkte hinter dem Relegationsplatz." Und der sollte es am Ende schon sein, denn nach Jahren des knappen Scheiterns ist die Sehnsucht nach der Bundesliga größer denn je.

Bei Nicht-Aufstieg: Sollte sich diese Sehnsucht nicht erfüllen, droht den Franken kein großer Umbruch. "Alle Leistungsträger und auch die jungen Talente haben langfristige Verträge, wir bleiben also zusammen", ist sich der Kapitän sicher. Gute Voraussetzungen, denn laut Kleine herrscht "im Team ein guter Zusammenhalt, wir sind eine verschworene Gemeinschaft."

SPOX-Prognose: Wie in jedem Jahr stehen die Kleeblätter sehr gut da. Diese Saison klappt es erstmals mit Platz drei. Ob der den Aufstieg bedeutet, steht freilich in den Sternen.

 

Energie Cottbus (45 Punkte, 53:37 Tore)

Restprogramm: Cottbus hat wohl das schwierigste Schlussprogramm: Sie treffen noch auf Bochum (A), Duisburg (H), Aue (A) und Augsburg (H).

Stärken: Die Lausitzer haben die meisten Treffer der Berlin-Verfolger erzielt, sie verfügen ohne Zweifel über die größte Offensivpower: Nils Petersen (20 Tore) ist der treffsicherste Stürmer, Uwe Hünemeier (9) der torgefährlichste Abwehrspieler der Liga. Kapitän Marc-Andre Kruska bestätigt bei SPOX: "Unsere Stärken sind zweifellos das Spiel nach vorn und der ausgeprägte Teamgeist."

Schwächen: Die Abwehrleistung lässt bisweilen doch stark zu wünschen übrig: 37 Gegentore sind unteres Liga-Mittelfeld - alles andere als aufstiegstauglich.

Philosophie: Der Cottbus-Fußball aus Ede-Geyer-Zeiten ist längst Geschichte, heute lässt Trainer Claus-Dieter Wollitz (45) offensiv spielen. Er setzt auf junge deutsche Spieler, die sich bei ihren alten Vereinen (Kruska, Hünemeier, Markus Brzenska beim BVB) nicht durchsetzen konnten. So lockte man noch Thorsten Kirschbaum und Daniel Adlung in die Lausitz.

Selbstprognose: Kruska gibt sich in Sachen Aufstieg zurückhaltend: "Unsere Chancen sind gering. Aber genau das könnte unser Vorteil sein, zumindest im Kampf um Relegationsplatz drei. Alles andere ist derzeit sicher unrealistisch." Cottbus gibt sich geduldig und hofft für die nächste Saison auf die Entwicklungsfähigkeit der Mannschaft - der sofortige Aufstieg wäre nur ein Bonbon.

Bei Nicht-Aufstieg: Die Mannschaft ist homogen und gefestigt: Sogar Top-Torjäger Petersen hat seinen Vertrag bis 2014 verlängert, lediglich Freistoß-Experte Jiayi Shao könnte von Bord gehen. Klappt es diese Saison noch nicht, wird Cottbus aber im nächsten Jahr auch wieder im Aufstiegsrennen mitmischen. "Nicht aufzusteigen wäre für uns kein Rückschlag, sondern Normalität. Die Bundesliga war bei uns nie Saisonziel, höchstens ein Traum", so Kruska.

SPOX-Prognose: Die Defensivschwächen werden den dritten Platz nicht möglich machen.

Die 2. Liga im Überblick

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