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Fussball

"Spieler lassen sich heimlich operieren"

"Nichts ist unmöglich": Daniel Engelbrecht ist der lebende Beweis
© imago

SPOX: Es war erst unklar, ob Sie je wieder Fußball spielen können. Haben Sie sich schon einen Plan B zurechtgelegt oder stand das nie zur Debatte?

Engelbrecht: Nein, ich habe all meine Kraft in Plan A gesteckt. An etwas anderes habe ich keinen Gedanken verschwendet.

SPOX: Hatten Sie in der Zeit ein Vorbild oder einen Nahestehenden, der Sie motiviert hat, am Ball zu bleiben?

Engelbrecht: Ein Vorbild hatte ich nicht wirklich, weil ich niemanden kenne, der das erlebt hat, was ich durchgemacht habe. Aber meine Freunde und meine Familie haben mich natürlich unterstützt, mich zu den OPs begleitet und mir Mut gemacht. Es gab ja Zeiten, in denen ich psychische Probleme hatte. Meine Freunde haben mich nachts abgeholt und mir Mut zugesprochen. Das hat mir schon sehr geholfen.

SPOX: Sie selbst sind jedoch für manchen Jugendlichen sicherlich ein Idol. Wie gehen Sie damit um?

Engelbrecht: Es gab schon Kontakt mit tausenden Leuten. Nachdem die Geschichte publik wurde und durch Deutschland, Europa und die ganze Welt ging, bekam ich Nachrichten aus sämtlichen Ländern. Viele mit dem gleichen Schicksal haben versucht, mit mir Kontakt aufzunehmen. Es gab wirklich tausend Menschen, die sich an mich gewendet haben und denen ich auch helfen konnte. Ich weiß, dass ich durch meinen öffentlichen Umgang mit der Geschichte zwar meiner Fußball-Karriere geschadet habe, aber auch sehr vielen Menschen geholfen habe und immer noch helfe. Daher bereue ich nichts.

SPOX: Inwiefern haben Sie Ihrer Karriere geschadet?

Engelbrecht: Ich merke sehr oft, dass meine Herzprobleme bei verschiedenen Vereinen eine wichtige Rolle spielen. Sie haben Angst, dass mir wieder etwas passiert, weil einfach eine hohe Belastung auf mich zukommt. Die überlegen dreimal, ob sie mich verpflichten. Es haben sich auch andere Spieler bei mir gemeldet, die sich auch operieren lassen. Aber davon weiß eben niemand und es passiert mehr oder weniger heimlich. Deswegen wird da nichts infrage gestellt.

SPOX: Aus Ihrer Sicht hört sich das alles ja ziemlich positiv an. Aber ein gewisses Risiko bleibt trotzdem bestehen. Zum Beispiel kehrten im Trainingslager in Südtirol im vergangenen Jahr die Herzprobleme wieder verstärkt zurück. Haben Sie manchmal Angst, dass Sie wieder zusammenbrechen?

Engelbrecht: Nein. In Südtirol hatte ich nur Schwierigkeiten, weil ich mein Medikament auf eigene Faust abgesetzt hatte. Und das war bei 40 Grad in den Bergen nicht so toll. Aber das hat sich ja ziemlich schnell wieder eingependelt, nachdem ich die Dosis wieder hochgeschraubt habe. Das muss ich mir also selbst ankreiden.

SPOX: Sie haben angesprochen, Spielerkollegen zu kennen, die mit ihrer Geschichte nicht an die Öffentlichkeit gegangen sind. Sie aber haben den Schritt gewagt. Können Sie sich vorstellen, nach Ihrer Karriere in dieser Richtung zu arbeiten?

Engelbrecht: Ich bin jetzt schon Pate beim Bundesverband für herzkranke Kinder. Nach meiner Karriere werde ich auf jeden Fall Menschen helfen, die mit ihrem Herzen Probleme haben. Das werde ich auch bis an mein Lebensende tun. Nicht nur Sportlern, sondern allen Menschen, die die Lust am Leben verlieren. Eben, weil ich weiß, wie schlimm es ist und es an manchen Tagen aussieht, wenn man nicht so charakterstark ist.

SPOX: Stichwort "charakterstark": Ein Tattoo auf Ihrer Brust sagt: "Du weißt erst, wie stark du bist, wenn kämpfen deine letzte Chance ist". Wie stark sind Sie?

Engelbrecht: Diese Geschichte hat mich noch mal umso mehr gestärkt. Diese Erfahrung, bei der ich mit einem Bein schon auf der anderen Seite stand, hat mir auch gezeigt, was man schaffen kann, wenn man will. Der Glauben und der Ehrgeiz haben mich zurück auf den Platz gebracht. Den Spruch habe ich mal aufgeschnappt und seitdem nicht mehr aus dem Gedächtnis gebracht. Das ist einfach mein Spruch, der passt genau zu meinem Leben.

Daniel Engelbrecht im Steckbrief

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