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Fussball

Die Machtdemonstration des FC Barcelona im Clasico: Ein Tag für die Geschichtsbücher?

Von Fatih Demireli

Real Madrid dachte, dass man diesen FC Barcelona auf Jahre los ist. Zu abgeschlagen schien Barca zu sein. Doch dann kam der Clasico im Bernabeu - und nun träumen die Katalanen nach dem furiosen 4:0 wieder von glorreichen Zeiten. Selbst Xavi gibt kurzzeitig seine Demut auf.

Der 20. März 2022 geht als ganz besonderer Comeback-Tag in die Geschichte des Sports ein.

In den Abendstunden feierte die Scuderia Ferrari, die in den letzten Jahren zur Lachnummer der Formel 1 verkam, zum Saisonauftakt in Bahrain einen Doppelsieg mit Charles Leclerc und Carlos Sainz. "Ferrari ist zurück", frohlockte Sainz daraufhin.

Nur Stunden später verkündete dann Gerard Pique bei Twitter seinerseits: "Wir sind zurück!" Mit 4:0 gewann der FC Barcelona den Clasico bei Real Madrid.

Tabellarisch hat der Sieg maximal die Chancen auf die Champions-League-Plätze erhöht. Viel wichtiger war er aber für das Selbstwertgefühl.

Clasico: Wie damals, als Real-Fans Ronaldinho applaudierten

Die katalanische Seele war in den letzten Jahren verletzt. Neben den fünf - teils schweren - Clasico-Niederlagen in Folge gab es viele Nackenschläge. Das 2:8 gegen den FC Bayern 2020, das desaströse Vorrunden-Aus in der Champions League 2021, der finanzielle Kollaps, der Messi-Abschied - nur um einige wenige dieser Schläge zu benennen.

Real Madrid dachte, dass man diesen FC Barcelona auf Jahre los ist. Dass man den ewigen Erzrivalen so schnell nicht mehr auf Augenhöhe sehen wird. Real schien alles richtig zu machen, sich von seinem alles überstrahlenden Weltstar Cristiano Ronaldo zu emanzipieren und mit derselben Wucht, die es damals mit Ronaldo gab, auf Titeljagd zu gehen. Man schien Barcelona zu enteilen, auf Jahre eine Hegemonie aufzubauen, unter der die Katalanen noch viele Jahre leiden sollten.

Denkste.

Das 4:0 des FC Barcelona im Estadio Bernabeu war eine pure Machtdemonstration wie in besten Zeiten des Klubs. Man erinnerte sich an die denkwürdigen Clasico-Duelle, als Real-Fans Ronaldinho und Co. applaudierten, weil sie Fußball zauberten.

Barca: Sergio Busquets erkennt Entwicklung unter Xavi

Ganz so spektakulär ist es noch nicht, was der FC Barcelona spielt, aber es reicht für ein 4:0 beim Tabellenführer Real Madrid - und die Hoffnung auf eine neue, glorreiche Ära. Eine, die den Namen von Xavi Hernandez tragen soll und wohl auch wird.

Sergio Busquets, der die glorreichen Zeiten genauso erleben durfte wie den Absturz in den letzten Jahren, spürt den Aufwärtstrend, der mit der Ankunft seines ehemaligen Teamkollegen eingesetzt hat: "Wir haben schon im letzten Clasico (2:3 im Januar, Anm. d. Red.) gemerkt, dass wir wieder an Real Madrid rankommen", sagte der Mittelfeldspieler nach dem Spiel: "Seitdem sind zwei Monate vergangen und man hat es heute gesehen: Wir entwickeln uns unter Xavi weiter."

185 Tage ist es her, als Xavi als Trainer in Barcelona anheuerte. Bei seiner Vorstellung sagte der 42-Jährige: "Der Druck ist bestialisch. Das ist der schwierigste Moment der Klubgeschichte." Nur um danach zum Angriffsmodus zu wechseln: "Wir sind der beste Klub der Welt und wir werden bei unserer Arbeit höchste Anforderungen stellen. Barca darf sich nicht erlauben, Unentschieden zu spielen oder zu verlieren. Es geht darum, alle Spiele zu gewinnen. Visca el Barca i visca Catalunya!"

Barca unter Xavi: Die neuen Spieler funktionieren

11.500 Fans, die bei der Vorstellung Xavis zugegen war, jubelten, als hätte Barca gerade das Siegtor in einem Champions-League-Finale erzielt. Dass dies tatsächlich bald wieder der Fall sein könnte, glaubt man beim FC Barcelona immer mehr. Der Sieg in Madrid hat zusätzlich einige Zweifler am neuen Weg erlöst und sie mitgerissen.

Erfreulich für Xavi und die Barca-Verantwortlichen ist es vor allem, dass mit Pierre-Emerick Aubameyang (zwei Tore, ein Assist) und Ferran Torres (ein Tor, ein Assist) zwei Winter-Neuzugänge auftrumpften. Sie sollten die Klub-DNA auf dem Platz präsentieren - und bisher funktionieren sie vorzüglich.

Und eigentlich darf man auch Ousmane Dembele, der zwei Vorlagen lieferte, als Neuzugang werten. Trotz Vertragschaos setzte Xavi auf den Franzosen und holt das Optimale aus ihm heraus. Nun heißt es, dass sich Dembele ganz persönlich einen Verbleib in Barcelona vorstellen könnte.

Clasico-Sieg über Real: Xavi legt seine Demut ab

Der neue Weg überzeugt selbst Problemkinder. Es macht wieder Spaß, für den FC Barcelona zu spielen. Und weniger Spaß, gegen den FC Barcelona zu spielen. Selbst Xavi, der in den letzten Wochen des Besserwerdens immer wieder versuchte, seine angeborene Demut auf alle ausstrahlen zu lassen, konnte seine Begeisterung nicht verbergen.

"Ich bin glücklich und zufrieden für alle bei Barcelona. Das kann die Dynamik der Gegenwart und der Zukunft verändern", sagte der Trainer und fügte an: "Vielleicht kann man sagen, dass wir wieder da sind. Das ist ein Tag zum Genießen und Feiern. In der jüngsten Vergangenheit hatten wir nicht viel Grund zur Freude. Das war ein Paukenschlag."

Mit einem Sieg gewinnt man kein Titel. Aber Siege dieser Art beschleunigen eine Entwicklung. Sie erhöhen das Vertrauen in die eigene Stärke. Sie erhöhen den Glauben, dass man zumindest dazu in der Lage ist, so viele Siege zu feiern, dass man Titel holen kann. Und sie heilen Wunden, die sich nach vielen Schlägen aufgetan haben.

Und vielleicht blicken Ferrari und der FC Barcelona eines Tages wirklich zurück an diesen 20. März 2022 und sagen: Hier hatte alles seinen Anfang.

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