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Fussball

Sergio Ramos und Real Madrid: Machtkampf, Teil drei

Verlässt Sergio Ramos Real Madrid nach 16 Jahren?

Real Madrid ohne Sergio Ramos? Kaum vorstellbar, mittlerweile aber nicht mehr unwahrscheinlich, weil sich der langjährige Kapitän der Königlichen und sein Bruder-Berater alles andere als zimperlich bei Vertragsgesprächen zeigen - nicht zum ersten Mal.

Rene Ramos twittert eigentlich nur dann, wenn sein kleiner Bruder Sergio wieder einmal ein großartiges Spiel gemacht oder seinen persönlichen Trophäenraum mit einer weiteren Auszeichnung verziert hat. Manchmal teilt er aber auch nur Tweets von spanischen Journalisten, die ihm nahestehen. Vielsagende Tweets.

Zum Beispiel einen Tweet von Alfredo Duro zu Beginn des Jahres. Duro, ein bekennender Real-Fan unter den nicht immer so neutralen Fußballreportern in Spanien, schrieb, dass ihm jemand dringend erklären müsse, wie und warum Real Madrids Kapitän neuerdings in einer "absurden Auflistung" von Fußballern auftauche, die "gratis" bei jedem Klub unterschreiben können.

Rene versah den Post mit einem "Retweet", ganz nach dem Motto: Seht her, Real hat es immer noch nicht geschafft, meinem Bruder eine Vertragsverlängerung schmackhaft zu machen. Jener "Retweet" schlug hohe Wellen, ging tatsächlich aber nur als Auftakt einer medialen Kampagne pro Ramos durch.

Duro taucht nämlich regelmäßig als Experte bei der nächtlichen Fußballshow El Chiringuito de Jugones auf, um in exzentrischer Manier (zur Not auch brüllend) vor einem Millionenpublikum kundzutun, wie sehr es Ramos doch an Wertschätzung seitens Reals mangele.

So passt es ins Bild, dass mit Josep Pedrerol der Moderator der Sendung keine 72 Stunden nach dem Twitter-Wirbel um Rene ein angebliches Gespräch zwischen Sergio und dem Real-Präsidenten Florentino Perez enthüllte - samt einer Drohung seitens des Spielers, im Sommer ablösefrei zu Paris Saint-Germain zu wechseln.

Mit Messi zu PSG: Nicht das erste Ramos-Druckmittel

"Ich lehne dein Angebot ab - und werde mir von jetzt an welche von anderen Klubs anhören", soll der spanische Nationalspieler zu seinem Vorgesetzten gesagt haben. "Jemand von PSG", wird Ramos von Pedrerol weiter zitiert, "hat mir versprochen, ein großartiges Team aufzubauen" - gemeinsam mit Lionel Messi.

Ob diese Worte tatsächlich so fielen, darf freilich bezweifelt werden. Es war aber offensichtlich im Interesse von Rene, die Abschiedsgerüchte mithilfe seiner Journalisten-Freunde zu befeuern. Um dem Ganzen noch die Krone aufzusetzen, berichtete El Chiringuito nur einen Tag nach den aufkeimenden PSG-Gerüchten auch vom angeblichen Interesse des FC Liverpool.

Jenem Klub also, dem Ramos im Champions-League-Finale von 2018 in einem Zweikampf mit Mohamed Salah so unglaublich wehgetan hat, weil er den gefürchteten Ägypter per Judo-Tackling aus dem Spiel genommen hatte.

Der 43-Jährige Rene, der den neun Jahre jüngeren Sergio seit dessen Anfängen beim FC Sevilla berät, versteht es aber eben nun einmal, die Medien zu einem Druckmittel zu machen, um das Beste für seinen Bruder zu erreichen.

Im Sommer 2015 gelang das, als er erstmals einen öffentlichen Machtkampf anzettelte und Sergio wochenlang bei Manchester United ins Gespräch brachte, was wiederum Perez dazu bewog, das Gehalt des Spielers deutlich anzuheben. Im Sommer 2019 gelang das nicht, als er Perez mit einem astronomischen Angebot aus China unter Druck setzte, schließlich aber merkte, dass Sergio in der Öffentlichkeit plötzlich als Raffzahn verpönt wurde.

Der Spieler berief damals sogar von sich aus eine Pressekonferenz ein, um sein Image zu retten. "Ich würde hier auch ohne Bezahlung spielen", versicherte er.

Sergio Ramos hat eine hervorragende Verhandlungsposition

Jene Worte kommen heute nicht mehr als einer leeren Floskel gleich. Mit einem kolportierten Netto-Jahresgehalt von etwas mehr als zwölf Millionen Euro ist Ramos, seit 2005 im Verein, der Bestverdiener im königlichen Starensemble. Scheinbar ist ihm das aber, selbst in Zeiten von Corona, nicht genug.

Real soll Ramos die Möglichkeit eröffnet haben, um ein Jahr zu den gleichen Konditionen oder um zwei Jahre zu etwas geringeren Konditionen zu verlängern. Gewiss kein schlechtes Angebot für einen Spieler, der im März seinen 35. Geburtstag feiert.

Ungeachtet seines fortgeschrittenen Fußballer-Alters ist Ramos aber eben der wichtigste Spieler der aktuellen Real-Mannschaft. Gerade seine Führungsqualitäten machen ihn unverzichtbarer denn je, andere Routiniers wie Luka Modric oder Karim Benzema sind eher stille Leader.

Insofern verfügt er über eine hervorragende Verhandlungsposition, die nun noch besser wird, weil er Real seit dem 1. Januar nicht mehr um Gesprächserlaubnis bitten muss, wenn andere Vereine ihn kontaktieren.

Sergio Ramos bei Real Madrid in Zahlen

Pflichtspiele666
Tore100
Vorlagen40
Gelbe Karten215
Platzverweise26
Titel22

Real Madrid und Sergio Ramos: Die Fronten sind verhärtet

Zinedine Zidane, der Trainer der Madrilenen, hofft auf ein "Happy End" der Ramos-Telenovela. "Sergio ist sehr wichtig für uns. Es wäre gut, wenn dieses Thema bald vom Tisch wäre und er verlängert", sagt der Franzose, der sogar selbst noch mit Ramos im Estadio Santiago Bernabeu spielte. "Wir alle wollen, dass Sergio seine Karriere hier beendet."

Stand jetzt sieht es nicht danach aus. Ältere Spieler bekommen bei Real schon seit Jahren keine Gehaltserhöhungen mehr. Cristiano Ronaldo und Pepe wechselten im Übrigen aus ähnlichen Gründen. Und nach all den Machtkämpfen in den vergangenen Jahren scheinen die Fronten zwischen Perez und Ramos schlichtweg zu verhärtet.

Auch deshalb überrascht es nicht, dass sich der spanische Meister immer mehr mit einer Verpflichtung von David Alaba beschäftigt. Gut möglich, dass die Ära Ramos bei Real nach 16 Jahren endet.

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