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Fussball

Reda Khadra: Wie ein ehemaliges BVB-Talent bei den Blackburn Rovers durchstartet

Von Stefan Rommel / Fatih Demireli
Reda Khadra spielt und trifft derzeit für die Blackburn Rovers in der Championship

Reda Khadra holte mit der U19 von Borussia Dortmund die Meisterschaft und wechselte dann von der U23 direkt in die Premier League. Über Umwege hat der Stürmer nun beim Zweitligisten Blackburn Rovers sein Glück gefunden. Ein enger Vertrauter erklärt bei SPOX und GOAL, wie Khadra tickt.

Wie weit sich der englische Klub-Fußball von dem in Deutschland entfernt hat, lässt sich immer noch am besten an den Ablösesummen dokumentieren, die auf der Insel bezahlt werden. Und dabei muss man sich nicht zwingend die Beträge für die wenigen Weltstars vor Augen führen, es reicht schon ein Blick auf einen der handelsüblichen Transfers.

Adam Armstrong etwa hatte sich in der letzten Saison mit 28 Toren in 40 Spielen in der Championship für die Premier League empfohlen. Ein toller Wert war das und Armstrong war mit 24 Jahren im sogenannten besten Fußballeralter. Aber fast 18 Millionen Euro für einen Spieler, der davor kaum mehr als ein gutes Dutzend Partien in der höchsten Spielklasse absolviert hatte, in der Premier League gewogen und für zu leicht befunden wurde und deshalb hinabgeschickt wurde in die Niederungen der zweiten und dritten Liga?

Was in der Bundesliga absolut undenkbar wäre, erschien dem FC Southampton ein ganz gutes Geschäft. Seitdem kickt Armstrong für die Saints - sofern er denn kickt, zuletzt war das nur noch sporadisch der Fall.

Was das alles mit den Blackburn Rovers und einem deutschen Nachwuchsspieler zu tun hat? Vielleicht ist diese Herleitung schlüssig: Nach dem Abgang ihres besten Angreifers hatten die Rovers noch Platz in der Sturmreihe und auch das nötige Kleingeld, um sich noch den einen oder anderen Spieler auf den Hof zu stellen.

Reda Khadra und der Schritt zurück

Fündig wurden sie unter anderem bei Brighton & Hove Albion. Dort kam Reda Khadra kaum zum Zug, nach dem Wechsel von Borussia Dortmunds U23 direkt hinein in die Premier League stockte die Karriere des gebürtigen Berliners ein wenig, das darf man wohl so sagen nach nur vier Minuten Einsatzzeit in einer kompletten Saison bei den Profis. Khadra entschloss sich also zum kleinen Schritt zurück, ließ sich zu den Rovers in die Championship ausleihen - und darf sich jetzt schon bestätigt fühlen.

In Blackburn startet Khadras England-Abenteuer derzeit so langsam durch, nach einem holprigen Start schwimmt sich der 20-Jährige immer besser frei. Neun Torbeteiligungen in 24 Spielen (5 Tore und 4 Vorlagen) sind zwar noch ausbaufähig, aber schon ein guter Anfang in einer Liga, in der es körperlich richtig zur Sache geht.

Am Samstag erzielte Khadra, der bei Brighton & Hove Albion noch bis 2023 unter Vertrag steht, beim 1:0-Sieg gegen die Queens Park Rangers das einzige Tor. In der 77. Minute versenkte er einen direkten Freistoß und verhalf den Rovers damit auf Rang vier.

Sein ehemaliger BVB-Trainer ist überzeugt, dass der englische Fußball mit seinen Eigenartigen und der Dynamik für Khadras Entwicklung ganz gut passen könnte.

"Ich glaube, dass er für diesen Entwicklungsschritt einen richtig guten Klub gefunden hat, weil gerade in England Physis und Direktheit der Schlüssel sind. Dort wird er eine Stabilität bekommen, wird defensiv klarer werden, damit er nicht ständig hinterherrennen muss. Ich kann mir sehr gut vorstellen, dass er sich da durchsetzen wird", sagt Benjamin Hoffmann im Gespräch mit SPOX und GOAL.

Hoffmann: Khadra "einer dieser Straßenkicker"

Hoffmann holte als Trainer der U19 des BVB vor zweieinhalb Jahren die Deutsche Meisterschaft, Khadra war damals ein wichtiger Teil der Mannschaft. "Reda hat zwei Waffen, die jedem auffallen: Er ist sehr dribbelstark und pfeilschnell. Er ist der typische Außenstürmer, den alle immer gesucht haben. Heute fragt man sich: 'Wo sind die ganzen Dribbler hin? Wir wollen ja nicht nur Passkönige haben.' Und Reda ist eben ein Dribbler, einer dieser Straßenkicker, die das Eins-gegen-Eins suchen und die ins Risiko gehen", beschreibt Hoffmann seinen ehemaligen Spieler.

Er erkannte beim Angreifer auch eine persönliche Entwicklung: "Reda ist sehr fleißig. Vielleicht nicht immer abseits des Platzes, in der Schule beispielsweise. Aber für mich war er vorrangig Spieler und nicht Schüler", sagt Hoffmann. "Und als Spieler hat er Kritik gerne angenommen und versucht, Verbesserungsvorschläge umzusetzen. Es hat mir aber imponiert, dass er seinen eigenen Kopf hat - auch wenn wir deshalb öfter mal aneinandergeraten sind. Manchmal hat er sich schwergetan, taktische Dinge umzusetzen, besonders wenn es ums Defensivspiel ging, weil er seine Rolle in diesem Konstrukt nicht erkannt hat."

Nicht die einzigen Schwächen, die Hoffmann bei Khadra erkannte: "Sein Abschluss war zu meiner Zeit noch sehr verbesserungswürdig. Reda musste sich regelmäßig von mir anhören, dass er der einzige Außenstürmer bei uns ist, der nur ein Tor geschossen hat. Ich habe ihn scherzhaft ein bisschen damit aufgezogen. In diesem Punkt brauchte er einfach noch Zeit und Reife."

Khadra noch in der Dortmunder WhatsApp-Gruppe

Seine Ausbeute beweist, dass Khadra in dieser Disziplin nach wie vor Luft nach oben hat. Aber die Entwicklung, die er seit seiner Ankunft bei den Rovers genommen hat, macht Mut, dass er auch an seiner Torgefahr noch arbeiten kann.

Verbessert er sich in dieser Hinsicht und arbeitet weiter mit Hochdruck an sich, steht einer großen Karriere nichts im Wege. "Ich wünsche ihm, dass er seinen Weg dort als Profi geht", sagt sein ehemaliger Übungsleiter Hoffmann: "Er hat die Fähigkeiten dazu, sich der Körperlichkeit und der Geschwindigkeit in England anzunehmen. Nach oben gibt es keine Grenzen."

Die alten Kollegen würden sich auf jeden Fall freuen, wenn Khadra den eingeschlagenen Weg weiter so nehmen würde. Aus den Augen hat man sich zumindest noch nicht verloren. "Er ist noch in unserer WhatsApp-Gruppe der Meistermannschaft", erzählt Hoffmann: "Da wird dann aber eher mal 'Frohe Weihnachten' gewünscht oder zum Jahrestag der Meisterschaft was reingeschrieben. Komischerweise war das nicht der Fall, als Reda sein Brighton-Debüt gegeben hat. Aber das werden die Jungs vielleicht persönlich gemacht haben."

Und wer weiß, vielleicht braucht Southampton ja bald einen Ersatz für Adam Armstrong. Geld haben sie ja genug.

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