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Fussball

Auswärtsspiel - die SPOX-Kolumne: Mesut Özil bei Fenerbahce - endlich lacht nicht mehr nur seine Wachsfigur

Von Fatih Demireli
Mesut Özil bei Fenerbahce: Das Lächeln ist zurück

In der Karriere von Mesut Özil schien es einige Jahre lang nur eine Richtung zu geben. Doch nach einigem Anlauf wendet sich nun das Blatt bei Fenerbahce. Aus dem glücklosen Ex-Nationalspieler ist eine Frohnatur geworden, die nun auch endlich wieder über Fußball sprechen darf.

Mesut Özil ist halt Mesut Özil. Auch wenn ihm etwas brutal Spaß macht, ist er zumindest bei öffentlichen Auftritten kein Strahlemann. Er muss nicht am meisten auffallen, wenn mindestens noch eine andere Person in der Umgebung ist. Lächeln? Ja, wenn es sein muss. Etwas sagen? Wenn sonst keiner was sagt: okay.

Da kam er nun also in einen Saal des Can-Bartu-Trainingsgeländes von Fenerbahce in Istanbul. Oben Fenerbahce-Trikot, unten Ich-Geh-Mal-Schnell-Brötchen-Holen-Trainingshose. Persönlicher Fist Bump für jeden und dann stand da plötzlich der andere Mesut Özil in der Ecke.

Einer, der etwas mehr Lächeln auf den Lippen hatte als Mesut mit der Trainingshose. Langsamen Schrittes näherte der sich seinem Double und als die Kameras klickten, setzte auch er das charmanteste Lächeln auf, das er hat. Profi eben. Und wie es sich gehört, gab es auch noch einen kleinen Witz. "Jetzt ist auch der zweite Mesut in Istanbul." Gelächter.

Der zweite Mesut ist eine Wachsfigur aus dem Hause Madame Tussauds. Die Berliner Filiale war mal so nett, den Wachs-Özil für eine kurze Zeit in die Istanbuler Filiale zu schicken, damit der Weltmeister von 2014 auch dort bewundert werden kann. Im Fenerbahce-Trikot, nicht im Leibchen der deutschen Nationalmannschaft, das der Wachs-Özil in Berlin trägt. Die Überstellung hat durchaus etwas Symbolisches.

"Ich habe die Figur vor langer, langer Zeit in Deutschland gesehen", sagte Özil und schien dabei auf eine kleine seelische Zeitreise zu gehen. Zurück in das Jahr 2013, als in Deutschland eine Umfrage gestartet wurde, welche Figur im Wachskabinett fehlen würde und welcher Promi unbedingt verewigt werden sollte. Die Aussteller gaben damals bekannt: "Eine überwältigende Mehrheit unserer Besucher hat sich Mesut Özil als Figur gewünscht. Er ist mit 24 Jahren der jüngste Sportler im Madame Tussauds Berlin."

Er stand da Seite an Seite mit Sebastian Vettel, Franz Beckenbauer, Oliver Kahn und Jürgen Klinsmann. Ein Jahr später wurde Özil mit Deutschland in Rio Weltmeister - weitere vier Jahre später zersplitterte die Ehe Volk-Volksheld.

Özil bei Fenerbahce: 649 Minuten, ein Assist

Seither hat Özil viel erlebt. Mehr außerhalb des Platzes als auf dem Platz. Man sprach nicht mehr über sein überragendes Talent, sondern wie er es nicht mehr zeigen konnte. Özil war nicht mehr Spielmacher, sondern Hauptprotagonist einer gesellschaftlichen Debatte. Özil war nicht mehr die Nummer 10, sondern Spielball verschiedener Ideologien. Bei Arsenal verließ ihn das Fußballglück, das er bei der Nationalmannschaft schon längst verloren hatte.

Der Wechsel zu Fenerbahce sollte der Start in ein neues Leben sein. Es war sein Lieblingsklub seit Kindheit, der Özil unbedingt haben wollte, um die eigenen Probleme zu lösen. Seit 2014 hat der Klub die Meisterschaft nicht gewinnen können. Der Empfang Anfang des Jahres 2021 war pompös und löste eine brutale Euphorie bei Fenerbahce aus. Entgegen diversen Medienberichten, die von einer "Rückkehr" Özils in die "Heimat" schrieben, war es für den 32 Jahre alten Fußballer Neuland.

Özil lebte nie in der Türkei, es war keine Rückkehr. Er kennt die Sprache und viele Menschen und dennoch musste er sich integrieren in seine neue Welt. Dass er schon seit längerer Zeit keine kontinuierliche Wettkampfpraxis hatte, fiel auf. Die Beine machten nicht das, was der Kopf wollte. Als sich Özil dann schwerer verletzte, war der Fehlstart perfekt. In 649 Minuten Süper Lig gelang ihm ein einziger Assist.

Doch wer Özil seit Beginn der Vorbereitung auf seine erste komplette Saison bei Fenerbahce erlebt, merkt nichts von schwierigen Jahren, Monaten und Wochen. Man könnte fast sagen, dass Özil als Frohnatur durchgeht. Beobachter erleben einen gut aufgelegten Özil im Trainingslager, der viel kommuniziert und inmitten des Geschehens ist.

Özil bestätigt das: "Wir sind alle glücklich und zufrieden, alle haben ein Lächeln im Gesicht. Ich will Meister werden und als Fußballer alles dafür tun, unser Ziel zu erreichen." Die Betonung auf seinen Job bleibt nicht verborgen, denn zu oft wurde über etwas anderes gesprochen, wenn es um Özil geht.

Özil: Seine Leistungsdaten nach Verein

VereinSpieleToreVorlagen
FC Schalke 04 (2006 - 2008)3915
SV Werder Bremen (2008 - 2010)1081654
Real Madrid (2010 - 2013)1592780
FC Arsenal (2013 - 2021)2544477
Fenerbahce Istanbul (seit 2021)11-1

Özil: Feners neuer Trainer stellt für ihn wohl System um

Nun spricht man wieder über sein Können. Und er spricht über Fußball. Über das System des neuen Trainers Vitor Pereira, der wohl auf eine Dreierkette umstellt, um auch Özil mehr zur Geltung kommen zu lassen. "Er will, dass wir offensiv spielen. Das gefällt mir. Er ist ein kluger Trainer, der weiß, was er will", sagt Özil. Für Pereira, der 2017 für ein halbes Jahr in Deutschland bei 1860 München in der Zweiten Liga arbeitete und den Klub statt "to the top" in die Regionalliga führte, ist es eine Rückkehr zu Fenerbahce.

Der Portugiese war schon in der Saison 2015/16 im Amt, musste aber gehen, als er trotz Stars wie Robin van Persie, Nani und Co. nicht Meister wurde. Den Vorwurf, dass er damals mit großen Namen nicht umgehen kann, will Özil nicht stehen lassen: "Der Trainer weiß, wie er mit den Spielern umgehen muss." Vor allem mit Özil, der in den Trainingsformen im Mittelpunkt steht und in der neuen Saison nun endlich der Dreh- und Angelpunkt Fenerbahces werden soll.

Das erste halbe Jahr lief nicht gut - doch das hatte Gründe: "Als ich zu Fenerbahce kam, fehlte mir etwas die Konzentration. Ich wusste lange nicht, ob der Transfer klappt. Dann wurde ich positiv auf Corona getestet und dann war ich lange verletzt. Es ist wichtig, dass du als Fußballer bereit bist. Ich bin bereit, fit und gesund", sagt Özil.

Als kleine Erinnerung an frühere Zeiten bekommt Özil in der neuen Saison seine Nummer 10 zurück. Da sie bei seiner Ankunft in Istanbul belegt war, wich er auf die 67 aus. Das Kennzeichen der Geburtsstadt seiner Eltern. Was sich Özil für die neue Saison wünscht, wurde er neulich gefragt. Er sagte: "Vertrauen."

Zahlt er es am Ende der Saison zurück, besucht ihn vielleicht auch der andere Mesut aus Berlin wieder.

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