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Fussball

Vom Weltfußballer zum Weltenbummler

Von Ole Frerks
Weltenbummler? Der AEK Athen war nur der zehnte von insgesamt 15 Karrierestationen Rivaldos
© getty

Denilson - Der teuerste Spieler der Welt

Denilson war gerade einmal 20 Jahre alt, als er 1998 zum bis dahin teuersten Spieler überhaupt wurde. 31,5 Millionen Euro überwies Real Betis damals für den quirligen Brasilianer, der mit seinen Dribblings und seinem Spielwitz als eines der größten Talente der Welt galt. Der Klub war damals extrem ambitioniert und wollte mit der Verpflichtung wohl auch ein Statement setzen.

Gelohnt hat sich der Transfer nicht. Schon in seiner zweiten Saison stieg Betis ab, auch danach konnte Denilson die in ihn gesteckten Erwartungen in Spanien nie erfüllen. In der Nationalmannschaft war er 2002 zwar Teil der Weltmeister-Mannschaft Brasiliens, auf Vereinsebene wurde er allerdings zum waschechten Wandervogel.

2005 beendete Sevilla das Experiment und verkaufte Denilson mit über 20 Millionen Euro Verlust an Girondins Bordeaux. Dort machte er das schnellste Tor in der Geschichte der Ligue 1 (nach elf Sekunden) und spielte eine gute Saison. Seine Gehaltsforderungen waren danach allerdings so exorbitant, dass Bordeaux sich seine Weiterbeschäftigung nicht leisten konnte.

Sechs Klubs in vier Jahren

Von da an wurde es wild. Für ein Jahr heuerte er in Saudi-Arabien bei Al-Nasr an, danach folgte ein Gastspiel in der amerikanischen Major League Soccer beim FC Dallas. Nach ein paar Monaten in Dallas absolvierte er 2008 eine komplette Saison bei Palmeiras in seiner Heimatstadt Sao Paulo.

Denilson war damals erst 31 Jahre alt, trotzdem traute man dem einstigen "Weltstar" nicht mehr allzu viel zu. Bei Palmeiras erhielt er keinen neuen Vertrag, bei den Bolton Wanderers durfte er eine Zeit lang mittrainieren, wurde aber nicht verpflichtet. Also schraubte er seine Ansprüche herunter und wechselte zu Itumbiara, um dort um die Staatsmeisterschaft des brasilianischen Bundesstaats Goias zu spielen.

Bei Itumbiara hielt es ihn abermals nur ein halbes Jahr. Seine nächste Station hieß Hai Phong Cement und war in Vietnam ansässig. Seine Leistungsdaten dort lesen sich wie folgt: 45 Minuten Spielzeit, ein Tor. Er verletzte sich und kündigte seinen Vertrag nach nur drei Wochen wieder.

Das Ende der Reise

2010 versuchte er beim griechischen FC Kavala nochmal ein Comeback und unterschrieb sogar einen Zweijahresvertrag. Schon bald erkannte der Klub allerdings, dass Denilson außer Form war und wenig dafür tun wollte, dies zu ändern. Die Folge: Nach nur drei Monaten im Verein wurde er wieder entlassen, ohne eine einzige Partie absolviert zu haben.

Was lief also schief? Zum einen war da mit Sicherheit der Titel "Teuerster Spieler der Welt", der für immer mit seinem Namen verbunden sein wird. Dadurch wurden Erwartungen aufgebaut, die er schlicht und einfach nicht erfüllen konnte.

Allerdings lag das zum Teil wiederum auch an ihm selbst. Fußballerisch beherrschte er nahezu alles, jedoch fehlte ihm grundlegendes Spielverständnis fast vollständig. Es gab wohl nur wenige Fußballer, die jemals so viel Spaß daran hatten, an der Seitenauslinie gegen zwei oder drei Gegner Dribbelarien zu zelebrieren.

Wie aus einem Videospiel

Einen simplen Pass zum besser postierten Mitspieler sah man von ihm selten bis nie, ins nichts führende Salven von Übersteigern dafür umso häufiger. Sein Verhalten auf dem Feld wirkte bisweilen, als sei er ein Videospiel-Charakter, der von einem Kleinkind gesteuert wird. Was neutrale Zuschauer zum Jubeln brachte, ließ seine Trainer regelmäßig die Köpfe schütteln.

"Er hat an den Hype geglaubt, ist davon ausgegangen, dass er zum besten Spieler der Welt werden würde. Als er realisierte, dass das nicht passieren würde, hat er das Momentum verloren", analysierte der "BBC"-Experte Tim Vickery die letztlich enttäuschende Karriere des Denilson.

In der Tat war er extrem von sich überzeugt, sagte 1996 zur Wahl seiner Trikotnummer bei der Selecao: "Ich bin doppelt so gut wie die Nummer 10." Die hörte damals übrigens auf den Namen Rivaldo.

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