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Fussball

"Jogi Löw ist für mich eine Leitfigur"

Von Interview: Adrian Bohrdt
Kogler ist seit 2008 Trainer bei Wacker Innsbruck und führte den Verein zurück in Liga eins
© Imago

Mit Aufsteiger Wacker Innsbruck führt Trainer Walter Kogler nach elf Spieltagen völlig überraschend die Bundesliga in Österreich vor den Schwergewichten Red Bull Salzburg oder Austria Wien an. Im SPOX-Interview spricht der Coach über sein Vorbild Joachim Löw, die Vorteile von jungen Spielern und den Fußball in Österreich.

SPOX: Herr Kogler, Sie sind bei Wacker eine Legende: Wie wird der Fußball in Innsbruck gelebt? Was bedeutet für Sie der FC Wacker?

Walter Kogler: Fußball hat hier in Tirol eine große Tradition. Man darf nicht vergessen, Wacker Innsbruck ist ja auch zehnfacher österreichischer Meister und einer der erfolgreichsten Vereine im Land und die Menschen hier in Tirol sind sehr begeisterungsfähig. Hier waren schon große Trainer wie Jogi Löw oder Ernst Happel erfolgreich. Von 1999 bis 2002 bin ich drei Mal Meister geworden, klar, dass ich eine besondere Beziehung zum Verein habe.

SPOX: Derzeit läuft es für Wacker richtig gut: Sie führen als Aufsteiger die Bundesliga-Tabelle an. Eine Momentaufnahme? Oder kann Wacker die aktuelle Leistung konstant bringen?

Kogler: Ich denke, der Blick auf die Tabelle zeigt, dass wir in den letzten zwei Jahren kontinuierlich eine gute Mannschaft entwickelt haben. Wir sind in der Lage, in der Bundesliga ganz vorne mitzuspielen. Die Herausforderung für uns - und das wird der nächste Schritt sein, an dem wir arbeiten - wird sein, unsere Leistungen auf hohem Niveau zu etablieren. Erfolg ist immer das Kind von regelmäßiger Arbeit.

SPOX: Mit Peter Schöttel bei Magna Wiener Neustadt, Franco Foda bei Sturm Graz oder auch Thomas Tuchel in Mainz scheinen die jungen Trainer auf dem Vormarsch zu sein. Womit erklären Sie sich das? Was macht die neue Trainergeneration aus?

Kogler: Jogi Löw ist für mich für die neue und moderne Trainergeneration eine Leitfigur. Mit ihm hat das in unseren Breiten so richtig begonnen. Von ihm habe ich schon als Spieler in Innsbruck viel lernen können. Seine hohe Lernbereitschaft, seine Offenheit gegenüber Neuem, sein absolut integrer Charakter und seine gut strukturiere Arbeit, das beeindruckt. Und die Menschlichkeit ist auch nie zu kurz gekommen.

SPOX: Besteht zu den jungen Trainerkollegen regelmäßiger Kontakt, auch grenzüberschreitend in andere Ligen?

Kogler: In Österreich findet ein ständiger Austausch statt, man trifft sich regelmäßig auf Trainerseminaren und Tagungen. Man versucht auch, zu internationalen Trainern Kontakt zu halten. Mit Löw bin ich z.B. regelmäßig in Kontakt. So versucht man sich ein Netzwerk aufzubauen.

SPOX: Wie ist der Kontakt mit Löw? Wie oft tauschen Sie sich mit ihm aus, worum geht es dabei?

Kogler: Hauptsächlich um allgemeine Entwicklungen im Fußball. Über Taktik, seine Arbeit, meine Möglichkeiten. Sich einfach abstimmen. Es ist immer sehr interessant, wenn man die Möglichkeit hat, mit Jogi zu sprechen.

SPOX: Löw hat Sie auch schon zur Nationalmannschaft eingeladen. Was haben Sie von dort mitgenommen?

Kogler: Das war 2007. Ich habe die Zeit damals genutzt, um mich weiterzubilden. Die Arbeit von Jogi hat mir gezeigt, dass der Job eines Trainers aus vielen Mosaiksteinchen besteht. Man muss Geduld haben und an der eigenen Linie und seinem Konzept festhalten. Außerdem ist es wichtig, loyal seinen Spielern und Teammitgliedern gegenüber zu sein und Realist zu bleiben.

SPOX: Neben Löw haben Sie auch unter Kurt Jara oder Otto Baric gespielt. Von wem haben Sie am meisten lernen können?

Kogler: Grundsätzlich lernt man von den guten, und da habe ich Gott sei Dank einige erlebt (lacht). Jara und Löw waren schon sehr interessant, in den neueren Entwicklung verfolge ich auch Jürgen Klopp in Dortmund oder Pep Guardiola bei Barcelona. Das sind die interessantesten Trainer.

SPOX: Vor der Saison gaben Sie als Ziel aus, "am Ende nicht zittern zu müssen." Mittelfristig wollten Sie ins internationale Geschäft. Wie lauten mittlerweile die Saisonziele?

Kogler: Wir wollen uns auf Dauer in der Spitzengruppe der Bundesliga etablieren. Die Betonung liegt dabei immer wieder auf der Dauer. Nicht kurzfristig, sondern längerfristig. Ich habe immer wieder betont, dass wir unser Saisonziel nicht an einer Platzierung festmachen. Wir wollen einen erfrischend offensiven Fußball spielen. Wir orientieren uns nicht so sehr an den Gegnern, sondern wollen immer das Spiel selbst gestalten, wollen immer aktiv sein und uns gegen jede Mannschaft die Möglichkeit erarbeiten, zu gewinnen. Wenn uns das gelingt, dann werden wir am Saisonende auch die Platzierung erringen, die uns zusteht.

SPOX: Wacker profitiert derzeit auch vom Durchhänger der großen Mannschaften wie Red Bull Salzburg oder Austria Wien. Womit erklären Sie sich deren Schwächephase? Gibt es Parallelen zu den europäischen Topligen, in denen das Phänomen auch auftritt?

Kogler: In Österreich haben bis auf Sturm Graz eigentlich alle Meisterschaftsanwärter ihre Probleme. Salzburg mit der Integration neuer Spieler, Austria Wien mit Verletzungen, Rapid konnte die Abgänge noch nicht kompensieren. Trotzdem muss man festhalten, dass unsere eigene Leistung bisher sehr ordentlich war. Parallelen zu den Topligen zu ziehen, finde ich schwierig. Die WM-Belastungen sind in Österreich bis auf wenige Ausnahmen nicht so stark. Das sind eher individuelle Probleme bei den Vereinen.

Kogler über seine Barca-Hospitation und die Zukunft des österreichischen Fußballs

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