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Fussball

Eintracht-Legende Uwe Bein vor Showdown in Barcelona: "Wir haben damals Rosen verteilt"

Von Benjamin Heinrich
Uwe Bein (r.) 1986 mit dem 1. FC Köln im UEFA-Cup-Finalhinspiel bei Real Madrid.

Am Donnerstagabend (21 Uhr) kommt es zum Showdown zwischen dem FC Barcelona und Eintracht Frankfurt. SPOX und GOAL haben vor der Partie mit Eintracht-Legende Uwe Bein über magische Europapokalabende und seine Erwartungen an das Rückspiel seines Herzensvereins gesprochen, bei dem er selbst wider Erwarten, aber dennoch ehrenhaft fehlen wird.

31 Europapokalspiele hat Uwe Bein zu Spielerzeiten für Eintracht Frankfurt und den 1. FC Köln absolviert, dabei zwölf Tore erzielt und vier vorbereitet. Der Mann für den "tödlichen Pass" war einst 1986 sogar ganz nah am Titel dran. Wäre da nicht sein Trainer Georg Keßler gewesen.

"Mit dem FC hatten wir uns damals für das UEFA-Cup-Finale qualifiziert. Im Hinspiel haben wir aber leider mit 1:5 im Santiago Bernabeu verloren. Was im Nachhinein nicht hätte seinen müssen. Aber unser Trainer hatte damals die Idee, in der letzten Viertelstunde noch zwei Auswechslungen zu tätigen. Das ist schlichtweg in die Hose gegangen. Wir haben die komplette Ordnung verloren und beim Stand von 1:3 noch zwei Gegentore kassiert. Völlig unnötig", blickt der heute 61-Jährige im Gespräch mit SPOX und GOAL zurück.

Das Rückspiel war eine entsprechende Mammutaufgabe. Auch aufgrund der äußeren Umstände: "Wir durften das Spiel wegen einer Platzsperre leider nicht in Köln austragen vor 50.000 Zuschauern, sondern mussten in Berlin spielen." Besondere Umstände, besondere Maßnahmen: "Wir sind dann einen Tag vor dem Spiel in die Stadt und haben Rosen verteilt, um Zuschauer anzulocken." Gereicht hat es am Ende dann aber nicht: "Wir haben das Spiel zwar dominiert und 2:0 gewonnen, aber nach dem Hinspiel-Ergebnis hat Real dann den Titel geholt. Ein tolles Erlebnis war es trotzdem."

Ein Erlebnis der anderen Art war für Bein allerdings die Auswärtsreise mit Eintracht Frankfurt im November 1992 nach Istanbul zu Galatasaray (0:0 im Frankfurt, 0:1 in Istanbul): "Da waren wir im Nachhinein froh, dass wir verloren haben. Das war ein echter Hexenkessel. Als Spieler hatten wir dort schon ein bisschen Angst. Nicht während des Spiels, aber danach. Wir wurden auch durch einen Tunnel zum Nebenausgang und zum Bus geleitet. Das war schon nicht ohne."

Eintracht Frankfurt: Uwe Bein in Barcelona nicht dabei

Ähnlich wie die Kulisse am Donnerstagabend in Barcelona (ab 21 Uhr im LIVETICKER) vor wohl ausverkauftem Haus. "Seit der Auslosung ist dieses Spiel in den Köpfen der Spieler, aber auch in den Köpfen der Fans. Ich gehe mal davon aus, dass 20.000 Eintracht-Fans dort sein werden", mutmaßt der Weltmeister von 1990.

Werbung in der Innenstadt muss der Frankfurter Traditionsverein dort anders als Bein 1986 keine machen. "Die können vielleicht ein paar Freikarten verteilen. Das würde sicher gut ankommen", schmunzelt er. Das Gastkontingent beträgt im Camp Nou nur rund 5.000 Tickets. Alle anderen Fans mussten oder müssen sich anderweitig noch Eintrittskarten besorgen.

Ein Ticket ist immerhin frei geworden, denn Bein, der 182 Pflichtspiele (46 Tore, 63 Vorlagen) für die Hessen absolvierte, reist trotz seiner Rolle als Markenbotschafter der SGE nicht mit nach Katalonien: "Ich bin leider nicht dabei, sondern derzeit im Bayerischen Wald in einem netten Hotel. Dort habe ich im Dezember zugesagt, dass ich hier in den Osterferien mit den Gästen Fußball spiele. Wer mich kennt, weiß, dass ich sowas dann nicht absage. Ich werde das Spiel im Fernsehen verfolgen und habe mit Axel Hellmann (Vorstandssprecher von Eintracht Frankfurt, Anm. d. Red.) vereinbart, dass ich dann im Halbfinale mitfahre." Ein Mann, ein Wort.

Doch dafür muss die Eintracht in Barcelona gewinnen. "Ich hoffe, dass die Jungs das Selbstvertrauen aus dem Hinspiel mitnehmen und für die totale Überraschung sorgen! Jeder neutrale Zuschauer rechnet mit einem Weiterkommen des FC Barcelona. Der Druck liegt ganz klar bei ihnen. Wir müssen die minimale Chance, die wir haben, nutzen. Ich traue den Jungs zu, dass sie das schaffen", ist Bein optimistisch.

Eintracht Frankfurt: "Spiel wird im Mittelfeld entschieden"

Denn schon das Hinspiel habe gezeigt, dass die Frankfurter auf der großen Bühne mithalten können: "Das war ein top Spiel unserer Mannschaft. Kurz nach dem 1:0 haben wir die Chance auf das 2:0, als Lindström mit links schießt. Wenn er den Ball Kamada überlässt, kann der mit dem Ball ins Tor laufen. Fällt da das 2:0, dann hätten wir Barcelona meiner Meinung nach abgeschossen. Die Kulisse war einfach da und Barcelona hat viel zu phlegmatisch gespielt. Ihnen hat es nicht so gepasst, wie wir gepresst haben und in die Zweikämpfe gegangen sind."

Tugenden, die auch im Rückspiel entscheidend sein werden: "Im Mittelfeld entscheidet sich das Spiel. Da muss man die Jungs in den Griff bekommen. Räume eng machen und unser Spiel ist dann das schnelle Umschalten. Ich sehe uns da nicht chancenlos." Selbst einen möglicher Ausfall von Mittelfeldmotor Djibril Sow (Kniezerrung) sieht Bein nicht als spielentscheidend: "Dann spielt Sebastian Rode. Er hat genug internationale Erfahrung und er wird die Mannschaft dann führen. Da bin ich mir sicher."

Gelingt der Eintracht in Barcelona aber nicht die große Sensation, bleibt ihr nur noch die Bundesliga. Bein fordert: "Auf der muss dann wieder der Fokus liegen. Der Rückstand auf Platz sieben beträgt fünf Punkte. Das klare Ziel müsste dann sein: Die letzten fünf Spiele alle gewinnen, was möglich ist, um auch nächstes Jahr wieder europäisch zu spielen."

Aber die Klub-Ikone schränkt ein: "Daran denken wir jetzt noch nicht. Ich gehe von einem guten Ergebnis aus!"

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