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Fussball

"Es gibt keine Geheimnisse mehr"

David Wagners Vertrag bei Borussia Dortmund wurde im November bis 2018 verlängert
© imago

David Wagner ist seit Juli 2011 Cheftrainer der U 23 von Borussia Dortmund. Die zweite Mannschaft des BVB kämpft derzeit in der 3. Liga um den Klassenerhalt. Im Interview spricht Wagner über die Abschaffung der Reserveteams, das rauchende Laufwunder Jürgen Klopp und erklärt die Problematik, Spieler an die Profis abstellen zu müssen.

SPOX: Herr Wagner, kürzlich wurde nach einem Antrag von Bayer Leverkusen entschieden, dass die Profi-Vereine ab der kommenden Saison nicht mehr zwingend ein U-23-Team stellen müssen, weil die Ausbildungsschwerpunkte der Klubs mittlerweile sehr unterschiedlich sind. Wie stehen Sie dazu?

David Wagner: Gegen Freiwilligkeit habe ich prinzipiell nichts einzuwenden. Mich interessiert es auch weniger, wie die anderen Vereine mit ihren zweiten Mannschaften umgehen. Meine persönliche Meinung ist, dass eine U 23 wahnsinnige Vorteile mit sich bringt. Stellt man eine ambitionierte zweite Mannschaft, hilft das der Weiterentwicklung der Spieler enorm - gerade in der 3. Liga, die für uns eine ganz tolle Plattform ist.

SPOX: Es stellen jedoch nur Dortmund und Stuttgart Reserveteams in der 3. Liga.

Wagner: Wenn man nur die zweiten Mannschaften beziehungsweise die Nachwuchsförderung betrachtet, war in meinen Augen die Regionalligareform mit nun fünf Ligen ein großer Fehler. Darunter hat das Niveau im Vergleich zu jener Zeit, in der es in drei Ligen deutlich weniger Mannschaften gab, gelitten. Für die Zweitvertretungen ist es in der Regel nun schwerer geworden, sich auf einem relativ hohen Niveau messen zu können. Der Schritt von der A-Jugend-Bundesliga in die Regionalliga scheint kleiner geworden zu sein, das Anforderungsprofil sollte sich jedoch eher steigern.

SPOX: Gesteigert hat sich dagegen Ihr Werdegang als Trainer. Sie haben 2007 zunächst den DFB-Fußballlehrerlehrgang absolviert und nebenher das 1. Staatsexamen zum höheren Lehramt in Biologie und Sport gemacht. Daraufhin sind Sie als U-19-Trainer in Hoffenheim eingestiegen. Wie wichtig waren für Sie Einblicke in die Sportmedizin oder auch in die Psychologie, die Sie während Ihres Studiums gewonnen haben?

Wagner: Sehr wichtig. Ich habe dabei einen wissenschaftlich geprägten Zugang bekommen. Ich war als Spieler auch eher jemand, der manche Dinge hinterfragt hat, aber aus der damaligen Spielersicht heraus nicht sofort auf die Lösung gekommen ist. Das war für mich deshalb hochspannend, es haben sich viele Fragezeichen bei mir gelöst. Davon profitiere ich insofern, da ich mich nun mit meinen Mitarbeitern wie Athletiktrainern oder Physiotherapeuten auf einer anderen Ebene unterhalten kann.

SPOX: Wie entscheidend ist gerade bei jungen Spielern der Faktor Psychologie, um sie besser zu coachen?

Wagner: Ich finde, das ist altersunabhängig und kommt mehr auf den jeweiligen Typen an. Es gibt Spieler, die bereits in jungen Jahren total entspannt sind und mit dem psychologischen Faktor besser umgehen oder auch teils unterbewusst entgegensteuern. Andere müssen eher begleitet werden. Wir haben hier in Dortmund das Glück, dass wir Fachkräfte der Sportpsychologie mit dabei haben. Da ist es dann für einen Spieler durchaus interessant, sich auch einmal mit einem Fachmann unterhalten zu können.

SPOX: Wie sieht das Jobprofil des Sportpsychologen denn genau aus?

Wagner: Er arbeitet nicht an der Mannschaft an sich. Es geht vielmehr um individuelle Betreuung, um Austausch. Der Psychologe kann dem Einzelnen seine Wahrnehmung der Trainingseinheiten oder Spiele schildern, um das Ganze auch einmal aus einer anderen Perspektive heraus zu verdeutlichen. Das hilft dem Spieler wiederum bei der eigenen Reflexion.

SPOX: Bei Ihrem Einstieg ins Trainergeschäft hat es gut gepasst, dass der Job in Hoffenheim direkt auf Ihren Fußballlehrer folgte. Hatten Sie den Job dort schon länger in Aussicht?

Wagner: Nein, das war totaler Zufall. Damals war Hoffenheim durch Ralf Rangnick und Bernhard Peters ein bisschen intellektuell angehaucht, würde ich sagen. Ein Ex-Profi, der ein wissenschaftlich-pädagogisches Studium abgeschlossen hat und Fußballlehrer ist, war genau die Zielgruppe der TSG. Dazu wohnte ich nicht weit entfernt. Das Gesamtpaket hat für den Verein also gepasst, so dass mir diese Position angeboten wurde.

SPOX: Sie kamen ein Jahr nach Rangnick in den Kraichgau und sagten, dank ihm hätten Sie gelernt, strukturell und konzeptionell zu denken.

Wagner: In Hoffenheim lag damals einiges brach. Es gab kein Nachwuchsförderkonzept, keine konkrete Spielphilosophie und es war nicht kategorisiert, was den Jungs in den jeweiligen Jugendmannschaften angeeignet werden soll. Ich war dann insbesondere für den U 19- und U 17-Leistungsbereich verantwortlich und sollte eine Spielphilosophie ausarbeiten, konkretisieren und zu Papier zu bringen. Bernhard Peters hat mich damals begleitet und so wurde mir strategisches und konzeptionelles Denken näher gebracht. Die Spielidee, die wir dann definiert haben, schlug bis ganz nach oben durch. Peters war damals so etwas wie der Offensivtrainer der Profimannschaft und es bestand für mich im ersten Jahr die Möglichkeit, häufig bei den Trainingseinheiten der 1. Mannschaft dabei zu sein und detaillierte Einblicke zu bekommen. Das alles half mir in dieser Hinsicht sehr.

Seite 1: Wagner über die Abschaffung der U 23 und seinen Einstieg in Hoffenheim

Seite 2: Wagner über das Abstellen von Spielern und Laufwunder Klopp

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