Fussball

Robin Kochs Weg in den Profifußball und zu Löw: Durch die Hintertür

Von Max Schrader
Robin Koch (M.) hat gegen Argentinien sein erstes Länderspiel absolviert.

Noch vor wenigen Jahren war Robin Koch lediglich Amateurkicker und Sohn eines vor allem in der Pfalz berühmten Vaters. Eine Profikarriere war ein Wunschtraum und alles andere als ein Selbstläufer. Jetzt steht der 23-Jährige in der EM-Qualifikation gegen Estland (20.45 Uhr im LIVE-TICKER) vor seinem zweiten Länderspieleinsatz.

Über Trier II und Lautern II bis in die Nationalmannschaft. Ein reichlich ungewöhnlicher Weg, denn die meisten Spieler in Joachim Löws Kader entstammen den Nachwuchsleitungszentren der Profiklubs.

Zu diesen Hochbegabten wie Kai Havertz oder Julian Brandt, die zwangsläufig im Kader der Nationalmannschaft landen müssen, gehörte Robin Koch jedoch nie. Erst vor fünf Jahre begann seine Karriere bei Eintracht Trier in der Regionalliga Südwest - und auch das nur auf Umwegen.

"Seinerzeit hatten in Trier alle nur Matti Fiedler als aufstrebendes Talent auf dem Schirm", erinnerte sich sein Entdecker Peter Rubeck, damaliger Trainer der Trierer Herren, in einem TV-Interview: "Ich habe mir dann mal die A-Jugend angeschaut. Mir war direkt klar, Robin Koch muss auch hoch in die erste Mannschaft."

Doch da gab es ein Problem: Koch, davon überzeugt, ohnehin nicht für die erste Mannschaft berücksichtigt zu werden, hatte schon Urlaub gebucht und verpasste so den Beginn der Sommervorbereitung. Kein guter Start.

Koch verpasste also die ersten Einheiten und musste sich über die Zweitvertretung der Rheinland-Pfälzer wieder in den Fokus spielen. Rubeck hatte aber ein Gespür für junge Talente. 2001 gab der Trainer einem gewissen Miroslav Klose beim FC Homburg eine Chance - und lag dabei bekanntlich ja nicht völlig daneben.

Koch: Wie der Vater so der Sohn

Geschichte ist auch im Hause Koch allgegenwärtig. Vater Harry lief 187 Mal in der Bundesliga, achtmal in der Champions League und 21 Mal im UEFA Cup für den 1. FC Kaiserslautern auf. 1998 feierte er unter Otto Rehhagel mit dem FCK die Sensationsmeisterschaft als Aufsteiger. Wie für den Vater war auch für Sohn Robin Kaiserslautern das Sprungbrett in den Profifußball.

Als Stammkraft in Trier wechselte der damals 19-Jährige nach Kaiserslautern, um in die großen Fußstapfen seines Vaters zu treten. Dort spielte er aber zunächst ebenfalls nur in der Regionalliga, unterschrieb aber in der folgenden Saison einen Profivertrag. Nach 58 Einsätzen im Amateurbereich (50 Spiele Regionalliga, 8 Spiele Rheinlandliga) durfte er dann "endlich" sein erstes Spiel in der 2. Bundesliga machen.

So langsam die Karriere begonnen hatte, so schnell startete Koch in Lautern durch. Einen künftigen Nationalspieler sah aber wohl niemand in ihm. Dafür wunderten sich nicht wenige über die 3,5 Millionen Euro, die der SC Freiburg im Sommer 2017 an den ehemaligen Bundesligisten für Koch überwies.

Christian Streich schwärmt von Kochs Variabilität

Doch Koch ließ die Zweifler in der Heimat schnell verstummen und etablierte sich als feste Größe beim SC. "Überragend, wo der überall spielt bei uns", erklärte Trainer Christian Streich: "Der spielt auf der Sechs, der spielt auf der Acht. Wenn sie mir das früher gesagt hätten, dann hätte ich die Hände über dem Kopf zusammengeschlagen."

Koch selber erklärte gegenüber SPOX und Goal: "Ich spiele am liebsten in der Innenverteidigung." Er habe aber auch "kein Problem damit, auf der Sechs zu spielen". Da er sich in Freiburg zu einem Stammspieler entwickelte, wurde er von U21-Nationaltrainer Stefan Kuntz für die EM im Sommer nominiert. Dort spielte er mit zwei Kurzeinsätzen aber nur eine Nebenrolle.

Trotzdem war das Interesse am Verteidiger im vergangenen Sommer groß. Er habe sich "bewusst" für den SC entschieden, sagte Koch. An Freiburg schätze er das Familiäre, unter Streich könne er sich "gut entwickeln".

Dass die Freiburger nun nach sieben Spieltagen auf dem sensationellen vierten Platz liegen und mit lediglich sieben Gegentoren eine der besten Defensivreihen stellen, liegt nicht zuletzt an dem variablen Rechtsfuß.

Robin Koch setzt Freiburger Tradition fort

In Freiburg führte Koch das fort, was schon sechs andere vor ihm schafften: den Sprung in die Nationalmannschaft. Seit Max Kruse 2013 als erster Spieler vom Sport-Club in der Ära Löw für das DFB-Team auflief, kommt kein anderer Bundesligist auf so viele Novizen.

"Von der Planung her war es natürlich unsere Hoffnung, dass er irgendwann in der Nationalmannschaft spielt", meinte Vater Harry gegenüber der dpa, fügte aber auch an: "Dass es jetzt so schnell ging, liegt natürlich daran, dass viele Spieler verletzt oder krank sind."

Aufgrund der Personalnot rückte Koch gleich in seinem ersten Länderspiel in die Startelf und hinterließ dort einen guten Eindruck. Koch, der Überraschungs-Nationalspieler, der noch mehr Spiele im Amateur-Bereich (58) als in der Bundesliga (57) auf dem Buckel hat.

"Mir ist es lieber, erst in der U21 beim DFB angekommen zu sein und jetzt ein A-Länderspiel zu haben, als bis zur U19 jede Altersklasse beim DFB zu durchlaufen und anschließend keine Rolle mehr zu spielen. Mit dem Debüt ist ein Traum in Erfüllung gegangen", erklärte Koch gegenüber dfb.de.

Von Löw bekam er für sein Spiel gegen Argentinien ein gutes Zeugnis ausgestellt. "Robin war sehr stabil, selbstbewusst, hat eine gute Ausstrahlung und keine Anzeichen von Nervosität gezeigt", sagte der Bundestrainer über den Debütanten. Es spricht also nichts dagegen, Koch junior beim heutigen EM-Qualifikationsspiel in Estland (20.45 Uhr im LIVE-TICKER) wieder aufzustellen.

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