Grindel soll es machen

SID
Reinhard Grindel könnte Wolfgang Niersbach beerben
© getty

Der "Boss auf Zeit" verzichtet, ein Quereinsteiger soll den DFB aus der tiefsten Krise der Verbandsgeschichte führen: Nach dem Willen der mächtigen Landesverbände soll DFB-Schatzmeister Reinhard Grindel Nachfolger des zurückgetretenen Präsidenten Wolfgang Niersbach werden. Dies bestätigte der derzeitige Interimspräsident Rainer Koch, der zugunsten Grindels auf eine eigene Kandidatur verzichtet.

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"Im gemeinsamen Haus des DFB sind Profis und Amateure miteinander fest vereint. Reinhard Grindel kennt alle im DFB anstehenden großen Aufgaben und Projekte. Er sollte daher allen gut vermittelbar sein", sagte Koch.

Zuvor hatten sich die Landesfürsten in Hannover laut Koch "in großer Geschlossenheit, das heißt einstimmig" auf Grindel festgelegt.

Ligapräsident Reinhard Rauball, der die DFB-Geschäfte zusammen mit Koch infolge der Turbulenzen durch die WM-Affäre interimsweise führt, hatte zuvor in der FAZ allerdings vor einem Alleingang der Amateure gewarnt. "Die weitere Marschroute, was die Strategie, die Inhalte, die Termine und auch die Personen betrifft, sollte erst in der Präsidiumssitzung des DFB am kommenden Freitag besprochen, beschlossen und dann veröffentlicht werden", sagte Rauball.

Kein Alleingang der Amateure

Die Befürchtungen Rauballs versuchte Koch zu zerstreuen. Die Amateure würden ja "keinen Alleingang" vollziehen und "nur einen Vorschlag" unterbreiten, erklärte Koch: "Wir wenden uns an die Vertreter der Liga. Die Profis dürfen auch einen Vorschlag machen, den wir uns genauso anhören. Fakt ist, dass die Stimmenmehrheit nie missbraucht werden darf."

Dennoch ist Grindels Aufstieg ins höchste Amt des größten Sportfachverbandes der Welt anscheinend nur noch Formsache. Die Amateure besitzen zwei Drittel der Stimmen - eine einfache Mehrheit genügt bei einem Außerordentlichen Bundestag bereits zur Kür eines neuen Präsidenten. Der Bundestag soll laut Koch "baldmöglichst" stattfinden.

Grindel, CDU-Bundestagsabgeordneter und stellvertretender Vorsitzender des Sportausschusses, ist erst seit 2013 Schatzmeister und hielt sich in den vergangenen Wochen auffallend zurück. Er bestätigte wie Koch nur, dass er von den Vorgängen rund um die Vergabe der WM 2006 in Deutschland erst kurz vor der ersten Spiegel-Veröffentlichung erfahren habe.

Kritik aus der Politik

Ob er die von vielen Seiten geforderte "lückenlose Aufklärung" des WM-Skandals mit all seinen Randerscheinungen vorantreiben wird, wird zumindest angezweifelt. "Noch ist gar nichts aufgeklärt und schon beginnt das Postengeschachere beim DFB", kritisierte Grünen-Sportpolitiker Özcan Mutlu in der Rheinischen Post die Suche nach dem Niersbach-Nachfolger: "Die alten Funktionärszirkel müssen zerschlagen werden. Es bedarf dringend einer Neuaufstellung des DFB mit transparenten Strukturen."

Grindels Doppelfunktion - DFB-Mann hier, Politiker dort - hatte in der Opposition ohnehin schon für großen Unmut gesorgt. "Das ist höchst problematisch", sagte Mutlu dem SID. Im Sportausschuss habe der 54-Jährige "wenig Erhellendes" zur Aufklärung des WM-Skandals gesagt und eher "Nebelkerzen gezündet."

Zudem stellt sich ohnehin die Frage, wie Grindel den Spagat zwischen DFB-Zentrale in Frankfurt/Main und Bundestag in Berlin meistern würde. Angeblich hatte es eine Vereinbarung zwischen Schatzmeister Grindel mit Niersbach und DFB-Generalsekretär Helmut Sandrock gegeben, die besagt, "dass er zukünftig parteipolitisch umstrittene Themenfelder nicht in den Mittelpunkt seiner politischen Arbeit stellen wird, sondern sich vielmehr sportpolitischen Fragestellungen zuwenden wird". Das birgt Brisanz!

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