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Fussball

FC Bayern München und die Kadertiefe: Alles gut, obwohl nicht alles gut ist

Marcel Sabitzer konnte in Lissabon nicht überzeugen.

Nach drei Spielen ohne Startelfänderungen ließ der selbst angeschlagene Trainer Julian Nagelsmann beim 4:0-Sieg seines FC Bayern München bei Benfica Lissabon auf drei Positionen rotieren. Kingsley Coman (25) nutzte seine Chance, Benjamin Pavard (25) und Marcel Sabitzer (27) eher nicht.

Ob die Kadertiefe tatsächlich ausreicht, um die hochgesteckten Ziele zu erreichen? Sehr ausführlich wurde diese Frage im Sommer beim FC Bayern und um ihn herum diskutiert, stets ging es dabei aber nur um die Mannschaft. Und wenn mal der Trainer ausfällt?

Am Tag vor dem Champions-League-Spiel bei Benfica Lissabon hatte Julian Nagelsmann noch seine routinemäßige Pressekonferenz abgehalten, ehe ihn ein grippaler Infekt erwischte und an sein Bett im Hotel band. Natürlich hatte er für diesen Fall aber vorgesorgt und gleich zwei Assistenten für die Trainerkadertiefe von seinem Ex-Klub RB Leipzig nach München mitgenommen: Dino Toppmöller und Xaver Zembrod.

Auf dem Spielberichtsbogen fungierte Toppmöller als offizieller Trainer. Vielleicht, weil er wegen seiner einstigen Tätigkeit als Spielertrainer des luxemburgischen Erstligisten FC RM Hamm Benfica ein bisschen Benfica-Erfahrung vorzuweisen hat. Toppmöller präsentierte sich jedenfalls als tadelloser Ergänzungstrainer und coachte seine Mannschaft - zugegebenermaßen mit Funkhilfen seines Chefs - zu einem 4:0-Sieg gegen Benfica.

Damit gewann der FC Bayern auch sein drittes Champions-League-Spiel der Saison und rangiert verlustpunktfrei bereits fünf Zähler vor Verfolger Benfica. Die Ausbeute von neun Punkten und 12:0-Toren nach drei Spieltagen ist sogar die beste der Klubgeschichte. Beachtliche Zahlen, die von einer womöglich noch beachtlicheren Erkenntnis untermalt werden: Erreicht wurde dieser Sieg nämlich trotz Ausfällen von Schlüsselspielern. Mit der im Sommer für so viele Bedenken sorgenden Kadertiefe sollte also eigentlich alles gut sein, aber ganz so einfach ist das auch wieder nicht.

Julian Nagelsmann rotiert gegen Benfica dreimal

In seinen ersten Wochen als Bayern-Trainer verzichtete Nagelsmann bekanntermaßen auf ausgiebige Rotationen. "Erstmal muss das Gesamtkonstrukt stabil sein, dann können wir eine größere Belastungssteuerung vornehmen", betonte er gerne. Zuletzt bot er sogar dreimal in Folge die gleiche Startelf auf, das Gesamtkonstrukt stabilisierte sich dabei beachtlich, Ergänzungsspieler bekamen wenige Chancen. Die vorläufige Krönung war die 5:1-Gala am Sonntag bei Bayer Leverkusen.

Nun aber wurde Nagelsmann nicht nur zu einer Rotation auf der Trainerbank gezwungen, sondern auch in der Startelf. Mit Alphonso Davies (verletzt) und Leon Goretzka (krank) fehlten gegen Benfica zwei unumstrittene Stammspieler. Ersetzt wurden sie durch Benjamin Pavard und Marcel Sabitzer, der gegen Ende der sommerlichen Kadertiefen-Diskussion wohl auf ausdrücklichen Wunsch Nagelsmanns aus Leipzig verpflichtet wurde.

Nach einigen Einwechslungen stand Sabitzer gegen Benfica nun erstmals in der Startelf. Erstmals seit dem Supercup bei Borussia Dortmund (3:1) Mitte August begann auch Kingsley Coman, der sich zuletzt einer Herz-OP hatte unterziehen müssen. Seine Hereinnahme für Serge Gnabry war Nagelsmanns dritter Startelfwechsel.

Kingsley Coman feiert ein starkes Startelf-Comeback

Zunächst zum Positiven: Coman präsentierte sich sofort in erstaunlicher Topform, dribbelte teilweise wie zu besten Zeiten.

"Das hat sich schon angedeutet im Training. Da hat er tolle Leistungen gezeigt", lobte Toppmöller. "Es ist für jeden Verteidiger der Welt schwer, dieses Tempo und diese Haken zu verteidigen." Obwohl Coman an keinem der vier Treffer von Leroy Sane, Robert Lewandowski und dem Eigentorschützen Everton direkt beteiligt war, wurde er sogar zum offiziellen Spieler des Spiels ernannt.

Nun dürfte mit den derzeit so überragenden Sane, Gnabry und Müller ein spannender Kampf um die Plätze hinter Lewandowski aufflammen. Comans Auftritt im Estadio da Luz, in dem er den FC Bayern vor 14 Monaten zum Champions-League-Titel geköpfelt hatte, war jedenfalls eine bedingungslose Empfehlung für einen Stammplatz. Bei den anderen beiden Reinrotierten Pavard und Sabitzer sah das dagegen anders aus.

Pavard und Sabitzer überzeugten gegen Benfica nicht

Pavard ließ als rechter Außenbahnspieler die zwingende Dynamik von Davies vermissen, setzte offensiv deutlich weniger Akzente. Unabhängig von dieser Leistung könnte Pavard demnächst aber große Chancen auf einen Stammplatz haben, sofern Lucas Hernandez nächste Woche tatsächlich ins Gefängnis muss. Sein einziger ernsthafter Widersacher wäre dann Josip Stanisic, der mit soliden Leistungen überzeugte und jüngst sogar für die kroatische Nationalmannschaft debütierte.

Sabitzer fehlte gegen Benfica im Zentrum unterdessen die Bindung zum Spiel, mitunter wirkte er verloren. Belege: Er hatte nur fast halb so viele Ballkontakte wie der etwas tiefer agierende Joshua Kimmich und bestritt exakt halb so viele Zweikämpfe, von denen er übrigens alle verlor. Obwohl Toppmöller eine generelle Zufriedenheit mit Sabitzers Leistung äußerte, sagte er auch: "Er kann dem Spiel mit Sicherheit noch mehr seinen Stempel aufdrücken." Bei seinem Startelfdebüt bestätigte sich der Eindruck von den bisherigen Kurzeinsätzen: Um wirklich eine Verstärkung zu werden, muss sich Sabitzer deutlich steigern.

So zeigte dieses Spiel gegen Benfica zweierlei: Einerseits, dass aktuelle Reservisten wie Pavard oder Sabitzer leistungsmäßig abfallen. Und andererseits, dass das beim Selbstverständnis des FC Bayern und der Topform einiger Stammspieler wie Manuel Neuer, Dayot Upamecano, Joshua Kimmich oder Leroy Sane ziemlich egal zu sein scheint. Den in der Champions League bisher gegentorlosen Tabellenführer der portugiesischen Liga Benfica schlägt man halt auch so 4:0.

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