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Fussball

Klopps Kampf gegen Folgeschäden

SID
Dortmund-Trainer Jürgen Klopp kämpft gegen die Enttäuschung nach der Niederlage gegen Marseille
© Getty

Borussia Dortmund wartet nach der bitteren Lehrstunde in Marseille in der Champions League weiter auf den ersten Sieg. Trainer Jürgen Klopp bereitet die Art und Weise Sorgen.

Jürgen Klopp war sichtlich erschüttert. Nach einer der bittersten Niederlagen in der Champions-League-Historie von Borussia Dortmund sprach der sonst stets gutgelaunte Trainer frustriert und leise über den schwarzen Abend an der Cote d'Azur.

"Wir müssen uns alle Schuhe anziehen, die es anzuziehen gibt, und uns der Kritik stellen, die wir in den nächsten Tagen hören und lesen werden. Wir haben es uns selbst eingebrockt", sagte der 43-Jährige nach dem 0:3 (0:1) beim französischen Vizemeister Olympique Marseille - und war wie schon zuvor seine Elf im Vergleich zur Meistersaison kaum wiederzuerkennen.

Nie hat der BVB in der Champions League höher verloren, und das in einer Partie, die er niemals hätte verlieren dürfen. Die Gründe liegen auf der Hand und bereiten Klopp offenbar einige Kopfschmerzen: die anhaltend schwache Chancenverwertung und ungewohnte Blackouts in der Defensive. "Was der BVB in dieser Saison schon verballert hat, geht nicht auf die berühmte Kuhhaut", befand "Sky"- und "Sat.1"-Experte Franz Beckenbauer und sprach von "einer der unnötigsten Niederlagen, die ich jemals gesehen habe".

Erst ein Punkt

"Haarsträubende Fehler" hatte Klopp zudem in der Defensive ausgemacht, mit denen sich die Westfalen um Kopf und Kragen spielten. Nun stehen sie schon nach zwei Gruppen-Begegnungen mit nur einem Punkt (1:1 gegen FC Arsenal) auf dem Konto unter Zugzwang.

Wende oder Anfang vom Ende der insgesamt siebten Teilnahme an der Königsklasse heißt es für die Westfalen schon in drei Wochen bei Olympiakos Piräus. "Es sind noch zwölf Punkte zu vergeben. Marseille kommt ja auch noch zu uns", ergänzte Klopp fast trotzig.

Bis dahin hoffe man, die "richtigen Schlüsse aus der Niederlage" gezogen zu haben. Allerdings weiß er auch: Erfahrung kann man nicht lernen. "Der heutigen Abend ist unter der Kategorie 'Extrem Lehrgeld bezahlt' zu verbuchen."

11:4-Eckbälle, 53 Prozent Ballbesitz, 16:8 Torschüsse, einen Latten- und einen Pfostentreffer beschreiben den Spielfilm im Stade Velodrom. Doch am Ende feierten die Gastgeber das Happy End. Den Franzosen reichte eine durchschnittliche Vorstellung, eine Portion Glück und vor allem Cleverness, um den zweiten Dreier im zweiten Gruppenspiel perfekt zu machen. "Wir haben in der Statistik überall geführt, nur nicht beim Ergebnis", sagte Klopp.

Einen Ausrutscher von Neven Subotic und eine verunglückte Kopfball-Rückgabe von Mats Hummels nutzten André Ayew (20.) und Loic Remy (62.) zur vorentscheidenden 2:0-Führung. Ein umstrittener Foulelfmeter (68.) setzte den Schlusspunkt hinter eine Partie, die alle Borussen am liebsten schnell aus ihrem Gedächtnis streichen würden.

Spieler machen sich Mut

"Es ist grotesk und unheimlich frustrierend. Wir haben so viele Torchancen und nutzen sie nicht. Das ist eine Qualität, die uns fehlt", meinte Hummels und ergänzte: "Ich nehme die Niederlage auf meine Kappe, denn das Tor fiel in einer Phase, in der wir am Drücker waren."

Das Spiel hätte man nie verlieren dürfen, "aber das interessiert keinen Menschen, wenn man am Ende eine Klatsche kriegt". Subotic gingen die Spekulationen, was gewesen wäre, wenn zum Beispiel Mario Götze aus nur fünf Metern nicht nur den Pfosten getroffen hätte, auf die Nerven. "Hätte, hätte, Fahrradkette.... Heute lief eben alles gegen uns", meinte der Innenverteidiger.

Bei aller Selbstkritik waren sich die Verlierer einig: Dieses Horror-Erlebnis wird keine mentale Folgeschäden verursachen. "Wir sind nicht willens, diese Niederlage mitzuschleppen", sagte Klopp, und Kapitän Sebastian Kehl ist überzeugt: "Wir wurden eiskalt bestraft. Aber um die Mannschaft mache ich mir keine Sorgen. Die Jungs sind gefestigt, Verzweifelung ist kein Thema. Wir gehen mit breiter Brust am Samstag ins Spiel gegen Augsburg."

Unmittelbar nach der Rückkehr aus Marseille ging es vom Flughafen direkt zum Trainingsgelände zur rund 30-minütigen Mannschaftssitzung, in der Klopp mit den BVB-Profis die Situation und die nahe Zukunft, sprich die Aufgabe gegen Augsburg, erörtert hat.

"Ich muss niemand in Sack und Asche hauen. Die Jungs können kicken, haben eine Super-Einstellung, nur die Ergebnisse derzeit nicht", sagte Klopp. "Man muss die richtigen Worte finden."

Olympique Marseille - Borussia Dortmund: Analyse

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