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Fussball

Manchester United nach dem Remis bei Atletico Madrid: Zurück in der Ära Solskjaer

Von Stefan Rommel
Bei Manchester United geht es unter Trainer Ralf Rangnick nur schleppend voran.

Manchester United erreicht im Achtelfinal-Hinspiel der Champions League bei Atletico Madrid ein vernünftiges Resultat, das auf das Erreichen der nächsten Runde hoffen lässt. Die gezeigten Leistungen sollten aber Grund zur Sorge geben, eine echte Entwicklung ist nur schwer zu erkennen.

Vielleicht ist Ralf Rangnicks größte Leistung bis jetzt, die Ruhe behalten zu haben. Der Job als Trainer von Manchester United kann erbarmungslos sein, die Fallgruben lauern überall. Man muss das aushalten können, wenn die Medien murren und die vielen Ehemaligen eine Lösung nach der anderen präsentieren. Ganz ohne Druck und Verantwortung formuliert natürlich, vom TV-Studio aus oder in einer der vielen Kolumnen. Und es hilft ganz bestimmt auch nicht, wenn es immer wieder Gerüchte gibt um vermeintliche Dissonanzen mit den Spielern.

Manchester United ist immer noch einer der größten Klubs der Welt, jeder falsche Halbsatz kann da schon ein mittelschweres Erdbeben auslösen. Also hielt Rangnick bisher die Füße still und die Schlagzeilen so klein wie möglich. Die Ergebnisse passen ja, seit Rangnick die Mannschaft Anfang Dezember übernommen hat. Von Platz sieben ging es in der Liga hoch auf Platz vier und damit auf den Rang, der den Zutritt ins gelobte Land - die Königsklasse - erlaubt.

Allerdings, und das ist die schlechte Nachricht, hatte United bisher fast ausnahmslos Gegner aus den Niederungen oder dem Mittelfeld der Tabelle. Die großen Teams warten im März, ManCity, Tottenham, Liverpool und dazwischen Atletico. Dass die nicht im Handstreich oder allein dank der individuellen Qualität der Mannschaft zu schlagen sind, hat das erste Aufeinandertreffen am Mittwochabend im Wanda Metropolitano gezeigt.

Ein Warnschuss für Manchester United

Zwar hat ManUnited auch dort ein brauchbares Resultat erzielt, nach dem 1:1 geht es im Rückspiel im Old Trafford in ein paar Wochen quasi wieder bei Null los. Aber die Art und Weise, wie sich Manchester gegen einen in der Liga wankenden Gegner die gute Ausgangsposition quasi ergaunerte, sollte angesichts der kommenden Aufgaben und der vielen Baustellen im Spiel ein Warnschuss sein.

"Nach der Leistung in der ersten Halbzeit konnte es nur besser werden. Was wir in der ersten Halbzeit gespielt haben, kann ich immer noch nicht glauben. Wir haben ohne Überzeugung und ohne Aggressivität gespielt. In der zweiten Hälfte haben wir es besser gemacht", sagte Rangnick.

Die erste Halbzeit gegen Atletico dürfte in der Tat die schlechteste unter dem Trainer Rangnick gewesen sein. United brachte keinen Schuss auf das gegnerische Tor zustande, hatte in Atletis Strafraum nicht mal eine Ballberührung. Der xG-Wert lag hauchzart über Null, blieb aber kaum messbar. Dass Atletico in Jan Oblak einen ganz vernünftigen Torhüter aufs Feld beordert hatte, fiel niemandem auf: Oblak musste nicht einen Ball abwehren.

United spielte nicht wie ein Klub, der schon gefühlte 1000 Nächte im Europapokal erlebt hat - sondern wie einer dieser Underdogs, der ganz froh ist, auch mal ein Achtelfinale spielen zu dürfen und sich irgendwie vernünftig aus der Affäre ziehen will. Die ersten 45 Minuten war es ein ziemlich schockierender Auftritt und United konnte froh sein, mit einem knappen 0:1 davon gekommen zu sein.

Wie die letzten Auftritte unter Solskjaer

Man fühlte sich erinnert an die Auftritte der Mannschaft unter Ole Gunnar Solskjaer, diese blutleeren Vorstellungen einer Ansammlung an Stars und Sternchen, die sich offenbar erst ein paar Minuten davor zufällig getroffen hatten und nun ein wenig Fußball spielen wollten. Jedenfalls hatte Uniteds Spiel so viele handwerkliche Fehler in allen Spielphasen, dass Rangnick an der Seitenlinie eigentlich beinahe hätte durchdrehen müssen.

"Wir waren nicht gut am Ball, haben in unserer eigenen Hälfte immer nur von Spieler zu Spieler gepasst und die Räume weiter vorne völlig außer Acht gelassen", so Rangnick.

Das führte unter anderem zu solchen krummen Konstellationen, dass United zwar vier oder sogar fünf Spieler für die erste Aufbaulinie abstellte, um die beiden Pressingspitzen Atleticos zu überspielen - nur um dahinter dann im Übergangsdrittel keine Verbindungen mehr zu haben, weil schlicht die Spieler fehlten und ganz vorne drin Cristiano Ronaldo alleine gegen zwei oder drei Verteidiger Mädchen für alles spielen sollte. Als Anspielstation, für den Tiefenlauf und als Schütze. Was natürlich überhaupt nicht gelang, Ronaldo hatte in der ersten Halbzeit ganze 14 Ballkontakte.

Rangnick: "...kann ich immer noch nicht glauben"

Der Superstar war wie isoliert vom Rest der Mannschaft, der sich in den anderen Bereichen des Spielfeldes und in allen Spielphasen auch deutlich unterlegen zeigte. United hatte mit der pendelnden Viererkette des Gegners massive Probleme, Atletico konnte die Angriffe der Gäste immer wieder auf die Außen drängen und dort in Überzahl mit der dann zur Fünferkette mutierten Abwehr festnageln.

Und sobald die Mannschaft aggressiver ins Angriffspressing aufrückte und United schon an dessen eigener Strafraumgrenze stellte, hatten selbst erfahrene Spieler wie Raphael Varane oder Harry Maguire massive Probleme, sich aus diesen Drucksituationen zu befreien.

In der zweiten Hälfte wurde es besser. United hatte dann nicht mehr nur unnützen Ballbesitz in der eigenen Hälfte, sondern verlagerte das Spiel weiter in Madrids Hälfte - ohne dabei aber gefährlich zu werden.

Ein Punktsieg - mehr nicht

Aus dem freien Spiel und gegen einen geordneten Gegner blieb das Spiel aber einfallslos und langsam, die entscheidenden Figuren wie Ronaldo, Bruno Fernandes oder Jadon Sancho kamen in unpassenden Spielsituationen und Positionen an den Ball, es entwickelte sich keinerlei Dynamik und United hätte wohl noch fünf Stunden so weiterspielen können, hätte sie Atletico mit dem einzigen echten Fehler nicht zu einer Umschaltaktion eingeladen - die die Gäste dann aber gnadenlos sauber und kalt ausspielten.

So konnte Manchester United mit einem sehr vernünftigen Ergebnis davon kommen, das noch besser gewesen wäre, würde die Auswärtstorregelung noch gelten. Die Red Devils gehen als Punktsieger aus dem ersten Spiel, weil sie mit minimaler Leistung fast das maximale Ergebnis erzielen konnten.

Aber das sollte den Blick nicht trüben: Die gezeigten Leistungen der Mannschaft mögen in der Liga reichen, um zwischenzeitlich etwas nach oben zu klettern - in der Königsklasse ist das noch zu dürftig, um in ein Viertelfinale einzuziehen.

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