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Fussball

Alternative Liste der Champions League - 6. Spieltag: Endlich! United im Punto-Clio-Cup

Von David Kreisl
Kann sein Glück kaum fassen: Harry Maguire

Wenn wir mal groß sind, wollen wir Interviews geben wie Marco Reus. Oder Niklas Süle. Bis es soweit ist, gibt's Methadon für TuT-Fans, ein schreiendes Streifenhörnchen und eine gewisse Unwucht bei United. Spätestens ab der zweiten Halbzeit mit offener Hose unterwegs: Die Alternative Liste des 6. Spieltags.

1. Die richtige Stelle: "Er ist wie ein Gemälde, wie Munchs 'Der Schrei', denn er verursacht Angst bei den Verteidigern", sagte der anscheinend leicht zu verängstigende Spielerberater Mino Raiola Anfang der Woche über seinen Schützling Erling Haaland. Ohne den verletzten Norweger kam der BVB gegen Zenit dagegen wie die Mona Lisa daher: immer noch arschteuer, aber irgendwie enttäuschend unspektakulär. Der zähe Kick erinnerte Frank Buschmann an die (wohl unterhaltsamere) Geschichte seines morgendlichen Kampfs gegen Kaffee aus der Tüte: "Hab heute Morgen die Packung nich aufgekricht. Aber irgendwann findeste die richtige Stelle, dann geht's." Den Gruppensieg gab's am Ende doch noch - dank der Tütenöffner Axel Witsel sowie Lukasz Piszczek, der alle neun Jahre und 54 Spiele ein Champions-League-Tor macht. Was immerhin besser ist als der jetzt jüngste Spieler der Königsklasse aller Zeiten Youssoufa Moukoko, der auch im vierten Pflichtspiel (!) ohne Scorerpunkt (!!!) ist. Schwach.

2. Interview I: Sky: "Und dann machen ein bisschen despektierlich gesagt die alten Säcke Piszczek und Witsel die Tore, müssen Sie da auch drüber schmunzeln?"

Marco Reus: "

 

 

... nö?"

3. Da sind nicht mehr alle am Leben: Wie wir die neue Alternative Liste ohne den Input des schier endlosen, offen dahinsprudelnden Bewusstseinsstroms des Fritz von Thurn und Taxis stemmen sollen, war durchaus eine Frage, die uns lange beschäftigt hat. Gott sei Dank ist Jörg Dahlmann, dieser sprachliche Robustling, dieser ... Mensch, schnell in TuTs Fußstapfen getreten - und macht dabei einen brrriiima Job! Und weil das nächste Mal Königsklasse doch noch eine ganze Zeit weg ist, gibt's hier für die tristen Lockdown-Weihnachtstage ein paar Dahlmann'sche Sprachkreationen vom Mittwoch. Zum Mitnehmen und immer wieder aufsagen.

  • "Strichmännchen, Ottifanten und Ähnliches." (Jörg Dahlmann hat wieder ein Tattoo entdeckt; vgl. Alternative Liste, Spieltag 3, Punkt 5)
  • "Im zweiten Durchgang wird die Hose geöffnet!" (Jörg Dahlmann erwartet Ajax in der zweiten Halbzeit besser)
  • "Der hat Aua an einer Stelle wo ich Aua ungerne habe." (Jemand hat eine Blessur im Klötenbereich)

4. Mit der Wucht der Welpen: Manchester United: Vorne schießwütig wie eine texanische Bürgerwehr, hinten die Aggressivität und Koordination eines frischen Labrador-Wurfs. Das Ergebnis dieser dezenten Unwucht? Europa League. Weil's auch im Endspiel um die K.o.-Phase gegen Leipzig schon nach nicht einmal einer Viertelstunde 0:2 stand und Justin Kluivert beim dritten Bullen-Tor ein paar Meter vor Uniteds Tor statt zu seinem feinen Lupfer ebenso zu einem Wendemanöver mit LKW samt Anhänger hätte ansetzen können, ohne einen Menschen zu touchieren. Referee Antonio Mateu Lahoz wollte es dann am Ende noch mal ein bisschen spannend machen; ja, der Antonio Mateu Lahoz, der am vergangenen Spieltag bereits Sergej Milinkovic-Savic' Wassersprungeinlage gegen den BVB als Strafstoß ahndete. In Leipzig sah der Spanier auch in Mason Greenwoods, nun gut, sagen wir: Umfallen einen pfeifwürdigen Vorfall. Änderte aber nix mehr. 3:2, Leipzig weiter, United im Fiat-Punto-Clio-Cup, Nagelsmann im schneidigen Leder-Look - alles, wie's sein soll.

5. Sehenden Auges: Was ist schlimmer, als Cristiano Ronaldos eingesprungener Torjubel samt urweltlichem Brunftschrei? Cristiano Ronaldos eingesprungener Torjubel samt urweltlichem Brunftschrei in einem leeren Stadion direkt neben den Mikrofonen am Spielfeldrand. Weil wir uns das am Dienstag gleich zweimal anhören mussten, sprechen wir hiermit eine offizielle AL-Rüge in Richtung FC Barcelona aus, der auch sonst mal wieder eher scheiße war. Das Einzige, was das große Duell CR7 gegen Messimessimessi lieferte, war die Erkenntnis, dass der eine gerade gerne Fußball spielt - und der andere eben nicht. Wir würden den Katalanen auch gerne attestieren, aktuell einfach ein bisschen underzuarchieven, aber wessen Kader zur Halbzeit lediglich Martin Braithwaite nach oben spült, um das sinkende Boot noch zu retten, der soll vielleicht einfach untergehen. Barca musste auf jeden Fall 0:3 verlieren, um die Tabellenführung noch herzugeben und tat das dann auch recht souverän. Ach ja, liebe Schalker, Weston McKennie hat gegen Barcelona ein Seitfallziehertor gemacht. Der war mal bei euch, haha!

6. Wer hat das Hörnchen ins Stadion gelassen?: Wolltet ihr auch schon immer mal wissen, wie sich die russische Version von "Zicke zacke zicke zacke hoi hoi hoi" klänge, falls sie von einem einpeitschenden Chipmunk vorgeplärrt werden würde? Wir auch! Bitteschön.

7. Schon okay: Wir würden Lügen, wenn wir behaupteten, uns nicht ein bisschen Manchester United gegen Real Madrid im Europa-League-Viertelfinale gewünscht zu haben. Dass Gladbach am Ende zusammen mit den Königlichen in die K.o.-Runde gestolpert ist, nehmen wir aber natürlich gerne mit. Es war von den Fohlen zugegeben gewagt, im wichtigsten Spiel des Jahres die verheerendste Leistung abzurufen, auf der anderen Seite aber auch taktisch genial von Zizou, Gladbach aufs eigene Niveau runterzuziehen und sie da zu bekämpfen. So blieb das Borussen-Highlight die nach aktuellen Corona-Regeln högschd illegale Runde um ein iPad, auf dem die Mannschaft die letzten Minuten des zum eigenen Weiterkommen essenziellen Nullnulls zwischen Inter (als Letzte raus) und Schachtjor (in die Europa League) verfolgte. Als Gladbachs Mann des Abends erwies sich im Übrigen Romelu Lukaku, der bei einem Kopfball von Alexis Sanchez in der Schlussphase dermaßen phänomenal im Weg stand, dass dieser den sicheren Weg ins Tor nicht fand.

8. Das wird man ja wohl noch sagen dürfen: Nachdem am Dienstag eine Meldung die Runde machte, in China sei ein Fußballspiel abgesagt worden, weil einige Spielerinnen mit gefärbten Haaren zur Partie erschienen waren und nicht mehr rechtzeitig zurückgefärbt werden konnten, hatten wir uns eigentlich ganz fest vorgenommen, einen blöden Gag zu machen, dass man das eher bei einem albernen Kick wie Dynamo Kiew gegen Ferencvaros hätte machen sollen (was auch nicht geschadet hätte). Hat ja niemand ahnen können, dass wir bei Paris gegen Basaksehir selbst einen Spielabbruch bekommen würden. Was sich da im Prinzenpark abspielte, brauchen wir hier nicht nochmal breittreten, zumal es auch nicht lustig ist - und einen besseren Witz als Recep Tayyip Erdogan zu dem Thema (der laut eigenen Aussagen gegen Diskriminierung in allen Lebensbereichen ist) kriegen wir eh nicht hin. Deshalb gibt's von unserer Seite nur einen kleinen Gedanken: Bevor man WeNn iCh iN aFrIkA aLs WeIsSeR bEzEicHnEt wErDe fInDe iCh dAs NiChT rAsSiStIsCh!!! in die Tastatur brüllt, darf man gerne mal kurz abwarten (oder, wenn man die UEFA ist, ganz, ganz lang warten) und sich überlegen, dass auch Aussagen, die nicht bösartig gemeint sind, offensichtlicherweise verletzend sein können. Und man gewisse Dinge deshalb anders ausdrücken darf. Aber hey, nur ein Gedanke, unsere Stärke sind Witze über Pimmel und Fußball.

9. Überleitung - aaaww yeah: Was für ein geiles Penistor von Basaksehir!

10. Interview II: Niklas Süle: "Ach wissen Sie, wenn ich scheiße spiele, habe ich nicht viel Lust auf Interviews und wenn ich gut spiele, habe ich genauso wenig Lust auf Interviews."

Sky: "Dafür machen Sie's aber ganz gut."

11. Besinnliche Gedanken zum Abschluss: War schon viel Gutes dabei, könnte man über diese Gruppenphase sagen, war aber auch ordentlich viel Nichtsogutes dabei. Wir haben ein exhibitionistisch veranlagtes Hermelin entdeckt, sind mit Lucien Favre aus Interviews gestürmt und haben zweimal Stade Rennes gegen FK Krasnodar überstanden. Und natürlich haben wir seit Wochen einen Ohrwurm. Die Alternative Liste sperrt den Laden für dieses - ganz generell gesprochen - herausragend beschissene Jahr zu und peilt (lebkucheninduziert diverse Kilo schwerer) ein Comeback im Februar an. Ausnahmsweise mal ein ganz unsarkastisches Danke fürs Einschalten. Bleibt gesund, Bussi aufs Bauchi und seid mal wieder netter zueinander. Ihr Penner.

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