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Fussball

Die wundersame Geschichte hinter Nottingham Forests Königsklassen-Triumph vor 40 Jahren

Larry Lloyd feiert den Gewinn des Europapokals der Landesmeister 1979 im Münchner Olympiastadion.
© imago

Taylors Auge für verborgene Talente

Da war etwa Tony Woodcock. Ein Mittelfeldspieler aus der eigenen Jugend, der sich zunächst nicht durchsetzen konnte und verliehen wurde und wieder verliehen wurde. Mal nach Lincoln, mal nach Doncaster. Taylor sah in ihm einen Stürmer, empfahl ihn Clough und Clough hörte auf Taylor. Bald war Woodcock Stamm- und Nationalspieler.

Auch Linksaußen John Robertson war schon länger im Klub, jedoch nicht etabliert, übergewichtig und überhaupt: ein Verkaufskandidat. Taylor aber sah etwas in Robertson. Er setzte ihn auf Diät, arbeitete individuell mit ihm und bald war auch Robertson Nationalspieler. Neben ihm stürmte Garry Birtles, den Taylor beim Amateurverein Long Eaton United entdeckt hatte und für 2000 Pfund verpflichten ließ. Hauptberuflich verlegte Birtles damals Teppiche.

Im Mittelfeld spielte John McGovern, der schon bei Hartlepool unter Clough und Taylor gearbeitete hatte und später Teil der Derby-Meistermannschaft von 1972 war. Bei Coventry City fand Taylor Larry Lloyd und bei Birmingham City Kenny Burns. Beide kamen von Abstiegskandidaten, beide waren zum Zeitpunkt ihres Wechsels Mitte bis Ende 20. Lange verkannte Talente, die in Nottingham Stammspieler wurden und bald das beste Innenverteidigerduo Englands bildeten.

Hinter ihnen stand Peter Shilton. Taylor, der ehemalige Keeper, war immer schon begeistert von Shilton. Als es die Möglichkeit gab, ihn zu verpflichten, sagte er Clough nur: "Er gewinnt dir Spiele." Clough hörte auf Taylor und holte Shilton und Shilton gewann Spiele.

Cloughs Selbstvertrauen mündete gerne in Selbstverliebtheit

Taylor liebte es, Spieler zu entdecken, zu durchleuchten, zu empfehlen. Aber er hasste es, vor einer Mannschaft zu sprechen und Verantwortung zu übernehmen. Taylor war keiner für das große Ganze, doch dafür gab es ja Clough. Das wussten alle und das wusste vor allem Clough selbst. "Ich würde nicht sagen, dass ich der beste Trainer bin", erklärte er mal. "Aber ich bin in den Top-1."

Clough predigte Ballbesitz, er liebte das saubere Passspiel und die totale Kontrolle. Das 4-4-2 war sein System, niemals richtete er es an einem Gegner aus. Clough galt als genialer Motivator. Clough kommandierte seine Mannschaft und seine Mannschaft kommandierte ihre Gegner. "Clough sorgte dafür, dass wir uns unschlagbar fühlten", sagte Lloyd. "Jedes Mal, wenn wir auf den Platz liefen, glaubten wir, dass wir gewinnen würden." Meistens taten sie das auch.

Widerreden von Spielern waren unter Clough nicht gestattet, berüchtigt war er für seine Sturheit. Für sein Selbstvertrauen, das gerne in Selbstverliebtheit mündete. "Hat ein Spieler eine andere Meinung, diskutiere ich 20 Minuten lang mit ihm", erklärte Clough. "Dann beschließen wir gemeinsam, dass ich recht habe."

Clough gewann Wortduelle wie seine Mannschaft Fußballspiele

So berüchtigt Clough für seine Ansprachen an seine Mannschaft war, so berüchtigt war er auch für seine Interviews und TV-Auftritte. Mit Charme und Schlagfertigkeit gewann Clough vor der Kamera Wortduelle genau wie seine Mannschaft auf dem Platz Fußballspiele: spielend einfach.

Clough nahm es mit allem und jedem auf: Fans, gegnerischen Spielern, gegnerischen Trainern, Verbänden oder was auch immer ihm nicht passte oder sich ihm entgegenstellte. Niemand polarisierte wie Clough, das Großmaul. Mit seiner Art entnervte er Menschen, sogar den legendäre Boxer Muhammad Ali, der ihm im Fernsehen eine Videobotschaft sendete. "Ich habe bis nach Indonesien gehört, dass der Kerl zu viel redet", sagte Ali: "Clough, ich habe genug!" Doch Clough entgegnete nur: "Ich will mit ihm kämpfen!"

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