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Fussball

"Sicherlich zu früh im Champions-League-Finale"

Von Für SPOX in Dortmund: Jochen Tittmar
Jürgen Klopp ist zuversichtlich für einen Einsatz Mario Götzes im CL-Finale gegen die Bayern
© getty

Jürgen Klopp eröffnete den Open Media Day bei Borussia Dortmund. Der BVB-Trainer resümierte die märchenhafte CL-Saison, sprach über die gewachsene Rivalität mit den Bayern, die Fitness von Mario Götze und beantwortete die abwegigsten (Karaoke-)Fragen. SPOX fasst seine wichtigsten Aussagen zusammen.

Jürgen Klopp...

...auf die Frage, ob die bisherige CL-Saison des BVB einem Fußballmärchen gleicht:

Es fühlt sich zumindest so an. Wir stecken mittendrin. Alles im Leben, was man nicht für möglich hält, wovon man nicht zu träumen wagt, was nicht zu erwarten ist, muss, wenn es dann tatsächlich eintritt, ein Märchen sein. Diese Mannschaft ist vor zwei Jahren eigentlich zu früh Meister, ein Jahr später eigentlich zu früh Doublesieger geworden und wir stehen jetzt sicherlich auch zu früh im Champions-League-Finale.

Es hat uns aber jeweils nicht davon abgehalten, es trotzdem mit aller Leidenschaft anzugehen und zu versuchen, diese Titel zu gewinnen. Es ist und bleibt aber außergewöhnlich und eine Überraschung. Jetzt stehen Dortmund und Bayern im Finale und man hat schon fast vergessen, welche außergewöhnliche Mannschaften man hinter sich gelassen hat auf dem Weg dorthin.

...über die Entwicklung seit seinem Amtsantritt 2008:

Naiv wie wir waren sind mein Trainerteam und ich hier angekommen und dachten, wir könnten mit der großen Tasche einkaufen gehen. Dann haben wir von unserem Budget gehört, wovon bereits einige Millionen ausgegeben waren für Spieler, die wir nicht kannten. Wir haben versucht, mit dem Restgeld etwas auf die Beine zu stellen. Wir haben vor allem versucht, die Anzahl der Gegentore zu minimieren. Das haben wir recht schnell gut hinbekommen, so dass wir am Ende der Saison 59 Punkte gesammelt haben. Das würde heute für einen Platz in der Champions League reichen, damals sind wir nicht einmal in die Europa League eingezogen. Wir waren damals nicht unzufrieden, aber auch nicht wahnsinnig zufrieden. Daraufhin haben wir weitere Veränderungen am Kader vorgenommen.

Der Verein hatte nicht besonders viel Geld, dafür aber eine große Tradition und eine dementsprechend große Erwartungshaltung. Das bedeutet, man muss entweder einen Kredit aufnehmen - dazu war niemand bereit - oder man setzt auf ganz junge Spieler. Es ist ja so, dass wir jeden Geburtstag der Spieler verdammen, weil das den Schnitt versaut (lacht). Die haben alle mit 19 Jahren angefangen, Bundesliga zu spielen und sind jetzt 24. Es ist ein großes Glück, erleben zu dürfen, wie die Jungs erfahrener und erwachsen werden. Sie sind nie satt, immer bereit sich so einzubringen, dass auch Wunder möglich sind. Dieser Weg ist unglaublich schnell beschritten worden und es hat hier keiner das Gefühl, er ist mit dem Finaleinzug schon zu Ende.

...auf die Frage, inwiefern die Wucht des Ereignisses CL-Finale den Klub und die Mannschaft verändern könnte:

Das kann ich nicht richtig einschätzen. Wir alle sind bereits bekannter geworden, der Verein ist in aller Munde - und das in einem sehr positiven Licht. Das ist eine absolut perfekte Situation. Ansonsten bleibt es am Ende aber ein Fußballspiel. Wie überall im Leben wissen wir nicht, wie es ausgehen wird. Um aber etwas erreichen zu können, muss man bereit sein, sich ganz weit aus dem Fenster zu lehnen, ganz groß zu träumen und zu denken - auch auf die Gefahr hin, dass man dann härter aufschlägt, wenn es nicht gelingen sollte. Wir wollen, dass dieser großartige Verein diesen fantastischen Pokal ins Borusseum stellen kann und wir alle eine weitere außergewöhnliche Geschichte erzählen können. Wir sind bereit, alles dafür zu versuchen.

...über die Zuversicht bei Bayern München:

Es ist ganz klar, dass Bayern München total selbstbewusst ist und sie sich sicher sind, dass sie uns schlagen werden. Wir denken nicht, dass wir das Spiel einfach so gewinnen. Wir denken nur, dass wir die Chance dazu haben. Das muss in unserer Situation reichen. Das Fußballspiel, das mich am meisten geprägt hat, war das WM-Finale von 1954. Dieses Spiel zeigt, dass im Fußball immer alles möglich ist. Ich glaube nicht, dass Sepp Herberger damals vor der Partie gesagt hat, er sei sich ganz sicher, dass das Spiel gewonnen wird. Er hatte nur das Gefühl, sie können es gewinnen, wenn ein paar Dinge zusammenkommen.

...auf die Frage, ob die Bundesliga nun die stärkste Liga Europas ist:

Das glaube ich nicht und ist mir auch nicht wichtig. Durch zwei deutsche Mannschaften im CL-Finale hat sich im deutschen Fußball aber nichts verändert oder das sagt nicht Neues über den deutschen Fußball aus. Die Bayern waren zuletzt oft im Finale und auch im Halbfinale. Sie sind wahrscheinlich derzeit das beste Team der Welt. Die einzige Überraschung ist, dass wir jetzt eben auch im Finale stehen. Wenn wir das Endspiel gewinnen sollten, sind wir aber nicht das beste Team der Welt. Wir hätten dann aber das beste Team der Welt geschlagen.

Seite 2: Die gewachsene Rivalität mit den Bayern, Götze und das Finale 1997

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