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Fussball

Hertha BSC - Union Berlin 1:4: Die Eisernen demütigen die Alte Dame

Von SID
Ein Fan reisst nach dem 1:4 von Hertha BSC gegen Union Berlin am Trikot von Lucas Tousart. Die Herthaspieler legten ihre Trikots auf die Laufbahn vor der Fankurve.

Union Berlin hat mit dem "Derby-Triple" seine Vormachtstellung in der Hauptstadt eindrucksvoll unterstrichen und Rivale Hertha BSC ein Stück näher Richtung Abstieg geschossen. Die Eisernen gewannen das einseitige Stadtderby im ausverkauften Berliner Olympiastadion vor 74.667 Zuschauern nach einer reifen Leistung mit 4:1 (1:0) und verkürzten den Abstand auf die Europacupplätze.

Vor den brennenden Fackeln im Gästeblock tanzten die Unioner wie kleine Kinder und feierten mit den Fans ausgelassen das "Derby-Triple", als die Herthaner 150 Meter entfernt zum zweiten Mal an diesem Abend gedemütigt wurden. Die aufgebrachten Ultras in der Ostkurve forderten von den Verlierern, dass sie ihre Trikots ausziehen und niederlegen. Die klare Symbolik dahinter: Ihr seid das blau-weiße Trikot nicht wert!

"Nach dem Spiel ist klar, dass die Fans sauer sind, deswegen habe ich es gemacht", sagte Linksverteidiger Maximilian Mittelstädt bei Sky: "Ob es jetzt etwas mit Demütigung zu tun hat oder nicht - ich wollte einfach einen Konflikt vermeiden." Geschäftsführer Fredi Bobic gab zu: "Ich hätte es nicht gemacht. Das hat nichts mit Konfrontation zu tun. Ich verstehe natürlich den Unmut, dass man das dritte Derby in Folge verliert. Das macht uns alle keinen Spaß. Aber wir sind auch Sportler."

Unions dritten Stadtderby-Sieg in dieser Saison nach dem Hinspiel (2:0) und dem Pokal-Achtelfinale (3:2) besorgten Genki Haraguchi (31.), Grischa Prömel (53.), Sheraldo Becker (74.) und Sven Michel (85.) mit ihren Toren. "Stadtmeister, Stadtmeister, Berlins Nummer eins!", sangen die rund 12.000 Union-Fans schon vor dem Abpfiff. "Auch wenn wir schon zweimal gewonnen hatten, wollten wir unbedingt wieder gewinnen, allein schon wegen unserer Fans", sagte Union-Kapitän Christopher Trimmel.

Die Herthaner, die die zweite Niederlage im dritten Spiel unter Trainer Felix Magath kassierten, konnten durch ein Eigentor von Timo Baumgartl (49.) zwischenzeitlich zwar ausgleichen, waren aber über weite Strecken deutlich unterlegen. Der überragende Torhüter Marcel Lotka verhinderte vor allem in der ersten Halbzeit eine noch höhere Niederlage.

"Hertha wird nicht absteigen"

"Es war einfach zu wenig, ganz klar", sagte Lotka: "Jetzt heißt es, die notwendigen Punkte zu holen. Hertha wird nicht absteigen." Doch für den Klassenerhalt dürfe so eine Leistung wie gegen Union "nicht nochmal passieren", forderte der Deutsch-Pole.

Das Olympiastadion war erstmals seit dem 19. Januar 2020, als Hertha mit 0:4 gegen Bayern München verlor, wieder komplett gefüllt. Darauf hatte sich auch Magath mächtig gefreut: "Endlich mal wieder volle Hütte, endlich mal wieder richtige Fußball-Atmosphäre."

Nachdem seine Spieler von den Fans gedrängt worden waren, ihre Trikots ausziziehen, sagte Magath bei Sky: "Das die Fans bitter enttäuscht sind, verstehe ich. Ein Derby in dieser Höhe zu verlieren, enttäuscht alle. Es wird der Situation nicht gerecht: Es ist nicht so, dass die Spieler es nicht wollen. Sie haben gegen eine bessere Mannschaft gespielt und nicht so viel Gegenspiel bekommen, dass es ein offenes Spiel wurde."

Der Hertha-Trainer vertraute im Spiel des Jahres ausgerechnet einem Debütanten: U19-Spieler Julian Eitschberger sollte als Linksverteidiger "Energie und Vorwärtsdrang" einbringen doch dieser Magath-Plan ging nicht auf. Eitschberger, zur Halbzeit ausgewechselt, hatte große Probleme. Doch damit war er bei Hertha nicht allein.

Die Unioner erwischten den eindeutig besseren Start. Sie waren giftiger, laufstärker, passsicherer - und torgefährlicher. Becker (3.), Baumgartl (4.), Prömel (13.) und Taiwo Awoniyi (17.) besaßen schnell große Chancen zur Führung. Doch Hertha-Torhüter Lotka, der erneut den verletzten Alexander Schwolow vertrat, reagierte jeweils herausragend. Das Adrenalin schoss ihm aber etwas zu stark durch den Körper, nach einem Schubser gegen Prömel kassierte Lotka die Gelbe Karte.

Hertha BSC: Jovetic verletzt sich früh

Für Herthas Torjäger Stevan Jovetic war das Spiel nach nur 20 Minuten und acht Ballkontakten wegen einer Verletzung beendet. Weil sich der Mann aus Montenegro bei seiner Auswechslung für Ishak Belfodil zu viel Zeit ließ, holte er sich auch noch eine Verwarnung ab.

Hertha schien der Heimvorteil zu lähmen. Die Mannschaft wurde von den Gästen zunächst in der eigenen Hälfte eingeschnürt, Offensivaktionen gab es in der ersten Halbzeit bis auf den Volleyschuss von Myziane Maolida (38.) kaum. Einzig Lotka, der auch eine Doppelchance von Christopher Trimmel und Becker (29.) zunichte machte, erreichte Normalform. Beim Kopfball von Haraguchi nach einer Becker-Flanke war aber auch der Deutsch-Pole geschlagen.

Der Start in die zweite Hälfte war ereignisreich: Zuerst lenkte Baumgartl bei einem Klärungsversuch den Ball ins eigene Tor, und nur vier Minuten später sorgte Prömel nach einer Flanke von Niko Gießelmann für die erneute Union-Führung. Danach zogen sich die Gäste etwas zurück, um über die schnellen Becker und Awoniyi Konter zu fahren. Diese Taktik ging beim 3:1 durch Becker voll auf. Hertha hatte im Ballbesitz nur wenig Ideen.

Hertha BSC - Union Berlin: Die Aufstellungen

Hertha BSC: Lotka - Pekarik, Boyata, Kempf, Eitschberger (46. Dardai) - Gechter - Darida (46. Mittelstädt), Tousart, Ascacibar (75. Ekkelenkamp) - Jovetic (21. Belfodil), Maolida (74. Serdar). - Trainer: Magath

Union Berlin: Rönnow - Baumgartl, Knoche, Heintz (72. Ryerson) - Trimmel, Khedira, Gießelmann (72. Oczipka) - Haraguchi (61. Schäfer), Prömel - Becker (82. Michel), Awoniyi (82. Voglsammer). - Trainer: Fischer

Tore: 0:1 Haraguchi (31.), 1:1 Baumgartl (49., Eigentor), 1:2 Prömel (53.), 1:3 Becker (74.), 1:4 Michel (85.)

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