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Fussball

BVB-Thesen zur Pleite gegen RB Leipzig: Malen hilft Borussia Dortmund nicht weiter

Von Stefan Rommel
Donyell Malen (r.) bleibt bei Borussia Dortmund weiter ohne Bundesligator

Marco Reus kritisiert die Dortmunder Grundordnung, Marco Rose findet die völlig okay - aber beide argumentieren an den eigentlichen Problemen vorbei. Donyell Malen lässt die nächste große Chance liegen und Leipzigs Nkunku wird bald nicht mehr Leipzigs Nkunku sein. Drei Thesen zum Spitzenspiel zwischen Leipzig und Dortmund.

BVB und die Systemdebatte: Nicht einer Meinung - und am Ziel vorbei

So fahrig Borussia Dortmund große Teile der Partie in Leipzig bestritt, so klar und auf den Punkt waren die Aussagen der Protagonisten danach. Die Niederlage wollte niemand beschönigen, die Herleitung des 1:2 förderte aber unterschiedliche Auffassungen zu Tage. "Die Fünferkette ist nichts für uns, das muss man klar so sagen", befand Kapitän Marco Reus.

"Wir haben heute danach aufgestellt, wie wir unsere Jungs am besten in ihre Positionen bringen. Die Grundordnung ist immer das eine, die Bewegung in der Grundordnung ist das andere. Das haben wir in der ersten Halbzeit nicht so gut umgesetzt. Es ist keine Frage des Systems. Die Diskussion erübrigt sich", sagte derweil Reus' Trainer Marco Rose.

Und irgendwie haben beide Recht und ganz sicher werden Reus' sehr offene Worte intern noch für Diskussionsbedarf sorgen. An den beiden eigentlichen Problemen gegen Leipzig und deren Spielweise ging die Debatte aber ein wenig vorbei.

Dortmund hatte keinerlei Tiefe in seinem Offensivspiel, ohne Erling Haaland ist die Mannschaft in diesem speziellen Punkt eine völlig andere. In den meisten Spielen fällt das nur kaum ins Gewicht, weil der BVB selbst hoch ins Feld schieben kann, viel Ballbesitz hat und in der Regel auf tiefstehende Gegner trifft, die wenig Platz hinter der letzten Verteidigungslinie haben.

Leipzig dagegen ist in diesen Zonen verwundbar - wenn man denn Spieler hat, die Bälle behaupten und ablegen können für eine nachrückende Welle oder mit Dampf selbst in die Tiefe starten. Donyell Malen, Marco Reus oder Julian Brandt waren diese Spieler aber nicht. Und Dortmunds Ansatz, über (viel) Ballbesitz kontrolliert von hinten raus zu spielen, spielt einer Mannschaft wie Leipzig total in die Karten.

Jeder einzelne Ballkontakt - zumal tief in der eigenen Hälfte - ist automatisch auch eine Einladung an eine herausragende Pressingmannschaft wie RB. Vielleicht wäre etwas einfacherer Fußball, das Spiel auf zweite Bälle auszulegen und damit weniger Stationen im Spielaufbau zu schaffen, eine bessere Idee gewesen.

Donyell Malen hilft dem BVB derzeit kaum weiter

Die Verletzung von Erling Haaland rückt automatisch auch wieder die Kaderplanung des BVB in den Fokus - weil es schlicht keinen Ersatz für den Torjäger gibt. Steffen Tigges wäre noch am ehesten ein Spielertyp wie Haaland, ist aber in der Bundesliga noch keine dauerhafte Alternative.

Youssoufa Moukoko mag ein überragendes Talent sein, der Spieler ist aber immer noch erst 16 Jahre alt, war zuletzt verletzt und hat kaum Spielpraxis. In Leipzig standen am Ende noch zwei vergleichbare Spieler auf dem Platz, die jenes Schicksal teilen: Ansgar Knauff und Reinier. Am Ende brachte Trainer Rose den Innenverteidiger Dan-Axel Zagadou als Rammbock im Angriff.

Alle Maßnahmen fruchteten nicht, weil die erste und vermeintliche Königslösung nicht funktionierte: Donyell Malens Job ist es, um Haaland herum für Betrieb zu sorgen. Ohne den Fixpunkt aber tut sich Malen noch schwere als ohnehin schon in seinen ersten Monaten in Dortmund.

Nach einer zerfledderten Vorbereitung in einem neuen Klub, nach einer Verletzung, zuletzt einer Magen-Darm-Erkrankung und inmitten einer Mannschaft, die sich wegen der Verletzten nicht einspielen oder einen Stamm herauskristallisieren kann, geht Malen derzeit ziemlich unter. Ein großes, emotional aufgeladenes Spiel wie gegen Leipzig wäre die perfekte Bühne gewesen für ein erstes großes Ausrufezeichen des Niederländers in Schwarz-Gelb, vielleicht sogar für das erste Bundesligator.

Aber Malen enttäuschte und bleibt bisher kaum mehr als ein großes Versprechen. Während Jadon Sancho bei seinem neuen Klub in Manchester darbt, kommt Malen als dessen "Nachfolger" in Dortmund nicht ins Rollen.

Christopher Nkunku wird bald nicht mehr für Leipzig spielen

Manchmal nahm es Christopher Nkunku gleich mit vier, fünf Dortmundern auf. Die Dribblings des Franzosen waren mal wieder atemberaubend, sein Zug zum Tor, die einzigartige Kreativität. In der ersten Halbzeit zog der 23-Jährige mal von links nach rechts am Strafraum vorbei, ließ zahlreiche Dortmunder stehen, scheiterte dann aber mit seinem Schuss.

In der zweiten Hälfte streute Nkunku binnen drei Sekunden zweimal den Zidane-Trick ein - nicht zur Show, sondern weil es die einzige Möglichkeit war, sich gleich wieder einiger Abwehrspieler zu entledigen. Der anschließende Schuss landete am Pfosten.

Am Ende hatte Nkunku zahlreiche erfolgreiche Dribblings und so viele Schüsse auf das gegnerische Tor wie die gesamte Mannschaft des Gegners - dazu noch ein Tor und eine Torvorlage. Man könnte also ohne zu übertreiben behaupten: Nkunku war der Unterschiedspieler an diesem Abend. Und weil das mittlerweile zur Gewohnheit wird und Nkunku nun nach 17 Pflichtspielen bei bei 18 Scorerpunkten (elf Tore, sieben Assists) steht, dürften längst größere und spektakulärere Klubs als Leipzig hinter Nkunku her sein.

RB Leipzig und seine Fans sollten sich in jedem einzelnen Spiel am derzeit vielleicht aufregendsten Spieler der Liga erfreuen, das Nkunku noch für die Sachsen absolviert. Denn: Lange wird er nämlich nicht mehr zu halten sein, wenn er nur annähernd so weitermacht wie bisher.

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