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Borussia Dortmund - FC Bayern München 0:1: Bayern dank Kimmich vor erneuter Meisterschaft

Von Martin Volkmar, Sascha Staat
Roman Bürki wurde bei Kimmichs Lupfer überrumpelt.

Der FC Bayern hat einen Riesenschritt zur 30. Meisterschaft gemacht. Die Münchner gewannen das Spitzenspiel vor leeren Rängen bei Borussia Dortmund dank eines Treffers von Joshua Kimmich mit 1:0 (1:0) und bauten ihren Vorsprung auf den Verfolger nach dem 28. Spieltag auf sieben Punkte aus.

Bei nur noch sechs Bundesliga-Spieltagen spricht fast alles für den ersten Titelgewinn unter Trainer Hansi Flick und die insgesamt achte Meisterschaft in Folge für den FCB. "Wir müssen realistisch sein. Wenn nichts passiert, wird Bayern Meister", sagte Emre Can nach der Partie. Und Sky-Experte Lothar Matthäus erklärte: "Die Meisterschaft ist für mich entschieden. Die Bayern können den Champagner kalt stellen, das lassen sie sich nicht mehr nehmen."

Das erwartete Offensivspektakel der beiden besten Angriffsreihen (Bayern 80 Tore, BVB 74) blieb allerdings aus, weil beide Abwehrreihen einen starken Auftritt hinlegten. Matchwinner beim insgesamt 48. Bayern-Sieg im 102. Bundesligaspiel gegen den BVB war Joshua Kimmich (43.) mit einem herrlichen Lupfer aus 18 Metern über den verdutzten BVB-Keeper Roman Bürki hinweg.

"Das war schon relativ spontan. Wir wurden aber vorher darauf hingewiesen, dass Bürki immer relativ hoch steht", meinte der Nationalspieler. Entsprechend deutlich hallte sein lautstarker Jubel nach dem Abpfiff von den menschenleeren Tribünen des SignalIduna Parks zurück auf den Platz.

"Ja! Komm jetzt! Ja! Jaaaaa!", schrie Bayerns Bester und meinte hinterher lächelnd: "Ich muss sagen, ich persönlich habe mich schon sehr gefreut. Als ich mich so umgeguckt habe, war mir nicht sofort klar, ob jeder wusste, wie wichtig die drei Punkte waren. Jetzt haben wir ein gutes Polster. Für Dortmund wird es schwierig, da dranzubleiben."

Borussia Dortmund gegen Bayern München: Die Reaktionen

Hansi Flick: "Das Hier und jetzt ist für mich wichtig und entscheidend. Wir wollten heute gewinnen, weil wir einen großen Schritt nach vorne machen wollten, das haben wir getan. Von daher war ich auch mit der Leistung sehr, sehr zufrieden. Wir waren konzentriert, mutig und hellwach."

Manuel Neuer: "Es war natürlich ein ganz wichtiges Spiel für uns. Wenn man auswärts in Dortmund spielt, ist man immer bis in die Haarspitzen motiviert und ich glaube, das hat man uns auch angemerkt."

Zur Meisterschaft: "Es liegt an uns. Das war ein ganz wichtiges Zeichen und ein ganz wichtiger Sieg."

Lucien Favre: "Ich finde, wir haben sehr gut angefangen. In der ersten Halbzeit haben wir dann teilweise zu tief gespielt, aber die zweite Halbzeit war gut. Es hat der vorletzte oder letzte Pass gefehlt. Aber es hätte auch Unentschieden ausgehen können."

Zur Meisterschaft: "Es wird natürlich sehr, scher schwer. Sieben Punkte in sechs Spielen aufzuholen, ist brutal schwer."

Mats Hummels: "Ich denke, damit sind alle anderen Mannschaften außer Bayern raus. Wir können nichts anderes mehr machen, als unsere Spiele zu gewinnen und müssen gleichzeitig auf drei Ausrutscher der Bayern hoffen. Sollte sich noch irgendeine Chance ergeben, wollen wir da sein, aber da wir nichts mehr bewerkstelligen können, müssen wir nur auf uns schauen. Aber ich fand es kein schlechtes Spiel von uns, es hat einfach ein kleiner Ticken gefehlt. Das muss man zugeben, aber das Ganze auch nicht zu schlecht reden."

Borussia Dortmund gegen Bayern München: Die Analyse

Favre wählte die mutige Variante und setzte bei seinem 3-4-3-System wie beim 2:0 in Wolfsburg im zentralen Mittelfeld neben Thomas Delaney zum dritten Mal in Folge auf Mo Dahoud, die defensiv stärkeren Can und Axel Witsel blieben zunächst auf der Bank. Dagegen spielte der zuletzt angeschlagene Hummels von Beginn an. Bei Bayern ersetzte Serge Gnabry gegenüber dem 5:2 gegen Frankfurt Ivan Perisic in der Startelf.

Schon nach 29 Sekunden hatten die Gastgeber die Chance zur Führung, als Erling Haaland Neuer nach einem misslungenen Abwehrversuch tunnelte, Jerome Boateng aber klären konnte.

Danach dominierten jedoch die Münchner dank guten Pressings und aufmerksamer Zweikampfführung mehr und mehr die Partie. Zunächst klärte Lukas Piszczek Gnabrys Schuss von der Linie (19.), dann scheiterte Kingsley Coman an Bürki (24.). Ansonsten standen die Dortmunder, die sich teilweise tief fallen ließen, hinten jedoch stabil.

Als daher die wenigen Zuschauer im Stadion und die Millionen Fans weltweit vor den Fernsehern mit einem 0:0 zur Pause rechneten, überlistete Kimmich den zu weit vor dem Tor stehenden Bürki mit einem herrlichen Lupfer aus 18 Metern zur Bayern-Führung."Den muss er natürlich zur Seite abwehren", meinte Lothar Matthäus in der Pause.

Favres Offensivwechsel bleiben ohne Wirkung

Mit Can und Jadon Sancho kamen nach dem Wechsel zwei frische Kräfte, Thomas Delaney und der blass gebliebene Julian Brandt mussten raus. Den Borussen war das Bemühen anzusehen, mehr Druck nach vorne machen, doch die Bayern kontrollierten weiter das Geschehen und hatten auch die besseren Chancen. Bürki verhinderte bei einem Distanzschuss von Leon Goretzka das 0:2 (54.).

Immerhin konnte sich der BVB, dem ja selbst ein Unentschieden kaum weitergeholfen hätte, immer öfter in der Münchner Hälfte festsetzen. Doch der letzte Pass und der Zug zum Tor fehlte gegen die sehr gut organisierte Gästedefensive. Favre setzte alles auf eine Karte und brachte zunächst Giovanni Reyna für den angeschlagenen Haaland und dann auch noch Mario Götze, der den Verein am Saisonende verlassen wird. Kurz darauf scheiterte Dahoud von der Strafraumgrenze mit der besten Chance an Neuer (81.), auf der Gegenseite traf Robert Lewandowski nur den Pfosten (83.).

So blieb es am Ende beim insgesamt verdienten Münchner Sieg.

Borussia Dortmund gegen Bayern München: Die Aufstellungen

Borussia Dortmund: Bürki - Piszczek (80. Götze), Hummels, Akanji - Hakimi, Delaney (46. Can), Dahoud (85. Witsel), Guerreiro - Brandt (46. Sancho), Hazard - Haaland (72. Reyna). - Trainer: Favre

Bayern München: Neuer - Pavard, Boateng (85. Hernandez), Alaba, Davies - Kimmich, Goretzka - Gnabry (87. Martinez), Müller, Coman (73. Perisic) - Lewandowski. - Trainer: Flick

Die Daten des Spiels Borussia Dortmund gegen FC Bayern München

  • Tor: 0:1 Kimmich (43.)
  • Bayerns Torhüter Manuel Neuer bestritt sein 400. Bundesligaspiel. Er ist der 68. Spieler, der diese Marke durchbricht.
  • Borussia Dortmund verlor sechs der vergangenen sieben Bundesliga-Duelle mit den FC Bayern (ein Sieg) und kassierte in diesen sieben Partien 25 Gegentore.
  • Der FC Bayern baute seine Siegesserie auf neun Pflichtspiele in Serie aus. Mit 16 Siegen aus den ersten 18 Spielen war in der Liga nur Pep Guardiola besser als Flick (15 Siege).
  • Mit 32 Punkten sind die Münchner das beste Auswärtsteam dieser Saison und trafen als einziges Team in allen Gastspielen.
  • Thomas Müller feierte seinen 250. Bundesligasieg und ist nun der Bayern-Profi mit den zweitmeisten Bundesligasiegen nach Oliver Kahn (260 Siege), den Müller schon in der kommenden Saison überholen kann.

Der Spieler des Spiels: Joshua Kimmich (Bayern München)

Verbuchte die meisten Ballaktionen aufseiten der Gäste (104) und trieb das Spiel der Münchner immer wieder an. Traf kurz vor der Pause mit einem Lupfer der Kategorie "Geniestreich" zum Dreier. Spulte zudem mit 13,7 Kilometern die größte Laufleistung aller Spieler in der bisherigen Saison ab.

Der Flop des Spiels: Julian Brandt (Borussia Dortmund)

Enttäuschende Vorstellung des zuletzt so starken Nationalspielers. Nicht zielstrebig, nicht präzise und oft mit den Abspielen im falschen Moment. Wurde bereits zur Pause gegen Sancho ausgewechselt.

Der Schiedsrichter: Tobias Stieler

Der FIFA-Referee aus Hamburg hatte sein insgesamt viertes Spiel zwischen dem BVB und Bayern weitgehend im Griff und verschaffte sich immer dann mit Karten Respekt, wenn die insgesamt faire Begegnung etwas zu hart wurde.

Kleinlichere Schiedsrichter hätten möglicherweise nach Hummels' Schubser gegen Davies Elfmeter gepfiffen, allerdings fiel der Kanadier zu leicht (39.). Von daher die richtige Entscheidung. Kniffliger war es in zwei anderen Situationen: Stieler hätte durchaus Strafstoß geben können, als Haaland den am Boden liegenden Boateng am Arm traf (58.), der nicht angewinkelt war, allerdings bekam der Unparteiische auch keinen Hinweis vom Video-Schiedsrichter in Köln. Gleiches galt in der Nachspielzeit beim Rempler von Akanji gegen Lewandowski.

 

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