Fussball

1. FC Köln - TSG 1899 Hoffenheim 1:2: Beierlorzer nach Effzeh-Drama vor dem Aus

Von SPOX/SID
Der 1. FC Köln hat das Endspiel von Beierlorzer verloren.

Achim Beierlorzers Gesicht schien sich in Stein zu verwandeln. Der ohnehin schwer angezählte Trainer des 1. FC Köln hat durch einen späten Knockout auch sein "Endspiel" verloren und steht beim Aufsteiger vor dem Aus. Gegen die Rekordjäger von der TSG Hoffenheim unterlag der FC am Freitag trotz guter Leistung mit 1:2 (1:0), kassierte seine achte Saisonniederlage - und Beierlorzers 131. Tag im Amt dürfte einer seiner letzten gewesen sein. "Es ist zum Kotzen", rief Stadionsprecher Michael Trippel in sein Mikrofon.

"Ob ich bleiben kann, kann ich nicht beeinflussen", sagte der Noch-Trainer bei DAZN, vor allem der späte Foulelfmeter für Hoffenheim nach Videobeweis wurmte ihn. "Ob ich um meinen Job kämpfen werde? Ich weiß nicht wie das aussehen sollte, ich stelle es mir lustig vor. Diese Sache ist ab jetzt eine Entscheidung des Vereins. Ich habe das nicht mehr in der Hand", sagte Beierlorzer später etwas gereizt.

Beierlorzer steht vor der Entlassung - der Sport-Geschäftsführer ist schon weg. "Der Vorstand und Armin Veh haben einvernehmlich entschieden, seinen noch bis 30. Juni 2020 laufenden Vertrag mit sofortiger Wirkung aufzulösen", teilte der FC im Moment des Abpfiffs via Twitter mit. Die Trennung zum Saisonende war ohnehin bereits beschlossene Sache.

Frank Aehlig tritt vorerst die Veh-Nachfolge an und musste sich in neuer Rolle plötzlich zum Trainer erklären.

Fliegt Beierlorzer? Entscheidung am Wochenende

"Wir müssen die Leute nicht um den Platz laufen lassen, wir müssen sprechen und hören, was sie sagen, denken und fühlen", sagte der 51-Jährige: "Wir werden mit Spielern und dem Trainerteam selbst sprechen." Um herauszufinden, ob es mit Beierlorzer weitergehen kann. Noch am Wochenende kann die Entscheidung fallen.

Aehlig war bislang als Leiter der Lizenzspielerabteilung eher im Hintergrund aktiv gewesen, quasi mit Schlusspfiff am Freitagabend rückte er jedoch in die erste Reihe auf. Nun müssen also Aehlig, Finanzgeschäftsführer Alexander Wehrle und der Vorstand entscheiden. "Ob uns das, was wir heute gesehen haben, reicht, um in der Konstellation weiterzumachen", erklärte Aehlig: "Oder ob wir den Glauben nicht mehr haben." Beierlorzer kann nur noch abwarten.

Es sind wieder einmal turbulente Tage in Köln. Jhon Cordoba (34.) hatte mit seinem ersten Bundesliga-Tor für Köln die verdiente Führung erzielt. Joker Sargis Adamyan (48.) glich jedoch für die Gäste aus.

Jürgen Locadia sorgte in der achten Minute der Nachspielzeit mit einem Foulelfmeter nach Videobeweis für den wettbewerbsübergreifend sechsten TSG-Sieg in Serie - Klubrekord. Hoffenheim sprang damit von Rang neun vorerst auf Platz zwei der Tabelle. "Es ist ein glücklicher Sieg", sagte Adamyan bei DAZN. "Wir können mit den drei Punkten sehr gut leben."

Beierlorzer haderte derweil mit der VAR-Entscheidung: "Am Ende ist das schon etwas Bitteres, was da mit uns passiert, auch mit dem Videobeweis. Die Summe dessen, was wir da erdulden und erleiden müssen, ist schon groß."

Schon nach der Derby-Pleite in Düsseldorf am vergangenen Wochenende hatte es Spekulationen um eine sofortige Entlassung gegeben, dann wandte sich die Klubführung mit einer ungewöhnlichen Mitteilung an die Öffentlichkeit: In der Hoffnung auf die Wende gegen Hoffenheim bekam Beierlorzer eine Gnadenfrist - allerdings verbunden mit einem klaren Hinweis: "Dass es im Fußball am Ende auf Ergebnisse ankommt, ist jedem klar."

1. FC Köln bestimmt Spiel gegen Hoffenheim

Beierlorzer forderte daher einen Tunnelblick von seinen Profis. "Die letzte Woche müssen wir abschütteln", sagte er, "wir müssen uns noch mehr abschotten von all den Dingen, die rund um den Verein passieren."

Und vor 49.100 Zuschauern wirkte seine Mannschaft in den ersten Minuten nicht eingeschüchtert, der FC bestimmte das Spiel mit dem Fußball, den Beierlorzer in Köln stets etablieren wollte: Hoffenheim wurde früh angelaufen und kam nicht zur Entfaltung.

Köln kam dennoch nicht zu echten Abschlüssen, Hoffenheim indes tat selbst wenig fürs Spiel, verließ sich wohl auf die Durchlässigkeit der Kölner Defensive - und war damit zunächst auch gut unterwegs: Pavel Kaderabek (20.) und Sebastian Rudy (28.) scheiterten jeweils aussichtsreich.

Köln war bis dahin dennoch die bessere Mannschaft und vor allem kämpferisch überlegen, Cordobas Treffer war verdient: Kingsley Ehizibue und Louis Schaub setzten sich über rechts durch, der Kolumbianer traf aus zentraler Position von der Strafraumkante.

Nach der Pause war die Kölner Entschlossenheit zunächst aber wie weggeblasen. Wie zuletzt so häufig nahmen zahlreiche unnötige Fehler die Sicherheit, Adamyans Treffer ging ein eklatanter Fehlpass im Spielaufbau voraus. Die Hoffenheimer Überlegenheit ebbte nun wieder ab, von jetzt an war es ein Spiel auf Augenhöhe. Dann ereilte den 1. FC Köln der späte Knockout.

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