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Fussball

Fußball-Kolumne: Warum Bayern ein monatelanger Transferpoker um Lewandowski droht

Obwohl der Vertrag von Robert Lewandowski bei Bayern München noch ein Jahr läuft, könnte es schon in diesem Sommer zum Abschied kommen. Einerseits ist ein Topklub konkret interessiert, andererseits soll der Topstürmer sowohl von den Bossen als auch von Trainer Julian Nagelsmann genervt sein. Die Fußball-Kolumne.

Die Stimmung war bestens im Restaurant Rocco Riviera unweit des Münchner Odeonsplatzes, in dem der FC Bayern in der Nacht zum vergangenen Sonntag ausgelassen und lange den Gewinn der zehnten Meisterschaft in Folge feierte.

Nur bei einem, der eigentlich zu den Hauptverantwortlichen des Dauererfolgs gehört, hielt sich die Begeisterung in Grenzen. Gerade mal 62 Minuten verweilte Robert Lewandowski auf der Party, dann machte er sich mit seinem Anhang schon wieder aus dem Staub.

Kürzer war der Pole für seinen Klub in dieser Saison nur einmal im Einsatz gewesen, als Spieler beim 4:1 Anfang April in Freiburg. Damals allerdings war der Mittelstürmer, der 34 von bisher 43 Pflichtspielen komplett auf dem Platz stand, wegen einer Rippenverletzung angeschlagen.

Lewandowski: Abschiedswunsch konkreter als viele denken

"Hat er genug von Bayern? Lewandowskis rätselhafter Meisterfeier-Auftritt", titelte die Bild-Zeitung danach. Tatsächlich halten sich die Abwanderungsgerüchte seit Wochen hartnäckig und sind nach Informationen von SPOX und GOAL deutlich konkreter, als es der Klub gerne hätte.

Trainer Julian Nagelsmann bekräftigte am Freitag auf der Pressekonferenz vor dem Spiel in Mainz noch einmal: "Ich habe das bestimmt schon 50-mal gesagt, dass ich mir natürlich wünsche, dass er bleibt, daran hat sich diese Woche nichts geändert."

Schon vergangenen Sonntag hatte nach Bayern-Boss Oliver Kahn auch Hasan Salihamidzic den Torjäger für unverkäuflich erklärt. "Lewy genießt die größte Wertschätzung, die es überhaupt geben kann", sagte der Sportvorstand bei Sky90.

Doch Lewandowski sieht das offenbar anders. Ihm haben in den vergangenen Monaten sowohl die fehlende persönliche Ansprache im Klub als auch die bis jetzt ausgebliebenen Gespräche über eine vorzeitige Verlängerung des Vertrags gestört. Und angeblich irritieren ihn auch die Lobeshymnen der Verantwortlichen für andere Topstürmer, allen voran Erling Haaland.

Lewandowski: Verhältnis zu Nagelsmann angeblich belastet

Darüber hinaus berichteten gleich mehrere Quellen über ein belastetes Verhältnis zu Nagelsmann, auch wenn dieser davon nichts wissen will. Demnach seien Lewandowski und andere Routiniers unzufrieden mit der mangelnden direkten Kommunikation des Trainers und vor allem mit den Trainingsinhalten sowie der Taktik.

"Sie empfinden das Training als nervig und zu komplex", berichtet ein Insider. Zudem störe sich vor allem Lewandowski an Nagelsmanns Systemwechsel weg vom seit Louis van Gaal gepflegten 4-2-3-1-System, weil er dadurch zu wenig Vorlagen bekomme und viel seltener zum Torabschluss komme.

Lewy: 48 Pflichtspieltreffer, aber auch Probleme

Zwar hat der 33-Jährige in dieser Saison bereits 48 Pflichtspieltreffer erzielt und damit genauso viele wie in der letzten Spielzeit, als er mit 41 Bundesligatreffern Gerd Müllers Uraltrekord verbesserte. Doch gerade gegen tief stehende, gut organisierte Gegner wie zuletzt Villarreal kam Lewandowski kaum zu echten Chancen, was ein Grund für das frühe Ausscheiden im Champions-League-Viertelfinale war.

Aus all diesen Gründen sind die Wechselgedanken des bislang sechsfachen, bald siebenfachen Liga-Torschützenkönigs alles andere als Spekulation. Zumal offenbar tatsächlich konkretes Interesse des FC Barcelona besteht.

Lewandowski: Berater Zahavi soll Freigabe gefordert haben

Daher soll Lewandowskis Berater Pini Zahavi beim ersten Gespräch mit Kahn und Salihamidzic am Donnerstag im Restaurant von Mannschaftskoch Alfons Schuhbeck in der Münchner Innenstadt die Freigabe für seinen Klienten gefordert haben, falls die Bayern kein lukratives Angebot zur Verlängerung auf den Tisch legen.

Doch beim Rekordmeister sieht man beinahe demonstrativ keinen Grund zur Eile. "Er hat Vertrag bis 2023, wir haben alle Zeit der Welt, zu reden", meinte Salihamidzic. Und das erklärten die Vorstände auch Zahavi, weshalb ein Abschied schon in diesem Sommer ausgeschlossen sei.

Im Zweifel will man eher das Risiko in Kauf nehmen, dass Lewandowski nächstes Jahr wie schon zuvor Leistungsträger wie David Alaba, Jerome Boateng oder Niklas Süle ablösefrei geht.

FC Bayern: Rund 150 Millionen Euro fehlen

Denn die rund 150 Millionen Euro Umsatzeinbußen durch die Corona-Pandemie erschweren die finanziellen Möglichkeiten der Bayern erheblich, daher möchte man dem im August 34-jährigen Lewandowski nur ungern einen Vertrag über zwei Spielzeiten geben und vor allem nicht die vereinsinterne Gehaltsobergrenze von 25 Millionen Euro pro Jahr überschreiten.

Weil der Torgarant aber nach übereinstimmenden Berichten schon jetzt zwischen 23 und 25 Millionen Euro verdienen soll, scheint kaum Luft nach oben möglich. Eher wäre mit Blick auf die angespannte Kassenlage und das Alter wohl eine Gehaltsreduzierung sinnvoll, was wiederum Lewandowski und sein mit allen Wassern gewaschener Berater nur schwerlich akzeptieren dürften.

Lewandowski: Nur drei Stars verdienen mehr Gehalt

Dafür spricht, dass laut einem Forbes-Ranking vom vergangenen September schon jetzt weltweit nur drei Spieler signifikant mehr Gehalt verdienen als Lewandowski (wobei die Diskrepanz gewaltig ist): Cristiano Ronaldo (66 Millionen Euro geschätzt) sowie Neymar und Lionel Messi (beide 71 Millionen Euro).

Auf der anderen Seite ist der Marktwert Lewandowskis in den vergangenen Monaten deutlich gefallen. Laut transfermarkt von 90 Millionen Euro im April 2018 auf aktuell nur noch 50 Millionen, während die Wirtschaftsprüfungsfirma KPMG ihn immerhin bei rund 66 Millionen taxiert, aber ebenfalls mit fallender Tendenz.

Da bei dieser Berechnung auch Alter und Aussichten der Profis bewertet werden, sind mittlerweile sieben Bayern-Teamkollegen bei transfermarkt und sechs bei KPMG mit höheren Marktwerten versehen als der Pole. "Sein Alter von 33 Jahren drückt den Marktpreis, weil die Nachfrage bei einem Fußball-Profi, der in die Jahre kommt, immer schwindet. Seine Perspektive ist begrenzt", urteilte Sport1.

Lewandowski: Warum Bayern Probleme drohen

Gleichwohl könnte das Gefühl der vermeintlichen Sicherheit der FCB-Führung trügen, dass Lewandowski in jedem Fall bis 2023 weiter fleißig Tore und Titel garantiert. Zwar wird in dem Zusammenhang immer wieder auf das tadellose Verhalten und die starken Leistungen des Angreifers in seiner letzten Saison bei Borussia Dortmund 2013/14 verwiesen, als der BVB einen vorzeitigen Wechsel nach München blockiert hatte und lieber auf Treffer statt auf die vermeintlich hohe Ablöse setzte.

Denn damals war Lewandowski noch kein Weltstar und wurde auch noch nicht von "Piranha" Zahavi (Uli Hoeneß) vertreten, zum anderen habe der Spieler großes Vertrauen in die Professionalität der Ansprechpartner in Dortmund gehabt, allen voran Hans-Joachim Watzke. Ähnlich sei es beim im letzten Sommer ausgeschiedenen langjährigen Bayern-Boss Karl-Heinz Rummenigge gewesen, dessen klare Absagen er bei früheren Angeboten von Real Madrid und Manchester United Lewandowski letztlich immer akzeptiert habe.

Angeblich genervt von Nagelsmann, Kahn und Salihamidzic

Nun aber sei der Topstar sowohl von Nagelsmann als auch von den Bossen Kahn und Salihamidzic genervt, denen Insider ein fehlendes Konzept bei der Kaderplanung im allgemeinen und den aktuell auslaufenden Verträgen im speziellen vorwerfen. Daher stünden die Zeichen auf eine Verlängerung mit Serge Gnabry und eben Lewandowski aktuell eher schlecht.

Zwar kann der Verein gerade beim alternden Lewy nicht alles mitmachen. Andererseits aber hat er seit seiner zweiten Saison im Dress der Roten (2015/16) immer mindestens 40 Pflichtspieltore pro Jahr erzielt, in den vergangenen drei Jahren sogar deutlich mehr. Dies ist bei den gehandelten potenziellen Nachfolgern wie Sebastien Haller, Darwin Nunez oder Patrik Schick alles andere als garantiert, ganz abgesehen von der zu stemmenden Ablöse von 25 Millionen Euro aufwärts.

Daher hätten sich die Münchner Verantwortlichen nach Ansicht der Kritiker schon längst Gedanken über kreative Offerten für ihren besten Stürmer machen müssen, beispielsweise Gehaltserhöhungen oder eine längere Laufzeit an Erfolgsparameter wie Prämienzahlungen für Titel, Einsätze oder Tore zu knüpfen (die dann im Umkehrschluss auch für die nötigen Einnahmen zur Finanzierung des Gesamtpakets sorgen würden). Stattdessen aber sollen die Bayern nur eine weitere Zusammenarbeit zu den bisherigen Konditionen geboten haben.

Lewandowski: ManUnited und PSG keine Option

Aus diesen Gründen halten es viele enge Beobachter für immer wahrscheinlicher, dass sich die Wege von Lewandowski und Bayern nach acht Jahren trennen können. Wobei tatsächlich nur Barcelona für Lewandowski in Frage kommt, da ManUnited und PSG für ihn keine echten Optionen und andere Klubs wie Real, ManCty oder Chelsea nicht interessiert sind.

Laut übereinstimmenden Informationen liegt die Münchner Schmerzgrenze bei einer Ablöse von mindestens 40 Millionen Euro, Barca soll bereit sein, bis zu 35 Millionen Euro zu zahlen. Da die mit über einer Milliarde Euro verschuldeten Katalanen für die Finanzierung aber zunächst den Kader ausdünnen und weitere Sponsoren finden müssen, spielen sie auf Zeit. Es könnte also ein monatelanger Transferpoker bis zum September drohen.

FC Bayern München: Die letzten Spiele der Saison des FCB

DatumUhrzeitWettebwerbGegner
30. April15.30 UhrBundesligaFSV Mainz 05 (A)
8. Mai17.30 UhrBundesligaVfB Stuttgart (H)
14. Mai15.30 UhrBundesligaVfL Wolfsburg (A)
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