Kommentar: Neue Transferpolitik? BVB wäre ein schlechtes Vorbild für Bayern

Von Sebastian Mittag
Bayern-Trainer Julian Nagelsmann und Sportvorstand Hasan Salihamidzic: Gibt es bald keine teuren Stars mehr für den Kader?
© getty

Der FC Bayern München plant offenbar einen Paradigmenwechsel bei der Transferpolitik, um auf die Herausforderungen der Corona-Pandemie zu reagieren. Dem Konkurrenten aus Dortmund sollte man dabei aber lieber nicht nacheifern. Ein Kommentar.

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Ändert der FC Bayern seine Transferpolitik fundamental? Der kicker berichtete letzte Woche, die Bayern-Führung wolle den Klub Richtung Verkäufer- bzw. Ausbildungsverein entwickeln.

Man plane demnach, bevorzugt junge Profis im Alter zwischen 20 und 22 Jahren zu verpflichten, um sie zwei, drei oder vier Jahre später gewinnbringend mittels hoher Ausstiegsklauseln an zahlungskräftige Käufer weiterzugeben.

Danach gefragt, erklärte Trainer Julian Nagelsmann die Pläne genauer - und bestätigte damit indirekt, dass man an der Säbener Straße tatsächlich in diese Richtung denkt: "Vielleicht holt man einen 21-, 22-Jährigen, den man mit 25 noch mal verkaufen kann, um Geld zu generieren, statt bei einem 27-Jährigen mitzubieten."

Man darf aber nicht vergessen: Die erfolgreichste Zeit der Bayern brach an, als die Bayern den Grundsatz etablierten, der FC Bayern sei eben KEIN Verkäuferverein. 2008 hatte man ein Weltrekord-Angebot von Real Madrid für Franck Ribery ausgeschlagen - und damit den Kurs zum Käuferverein eingeschlagen.

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FC Bayern: Erfolgreiche Transferpolitik sieht anders aus

Natürlich herrschen aktuell vor allem wegen der Corona-Pandemie ganz andere Bedingungen und Zwänge. Es ist sicher gut, junge Spieler mit großem Potential zu kaufen.

Aber im Bestfall realisiert sich dieses und der Spieler wird zur Säule einer neuen Ära in München. Und eben nicht zwingend mit Gewinn weiterverkauft. Andernfalls wird der Spieler von Beginn an zur reinen Wertanlage. Klar, so ist das Business. Bisher aber eben nicht so ausgeprägt beim Rekordmeister! Was Superstars wie Ribery und Arjen Robben schätzten, war genau das Gegenteil: die vielzitierte Bayern-Familie. Genau dieses Gefühl hat Niklas Süle nach eigenem Bekunden ja gerade vermisst.

Süle ist ein gutes Beispiel dafür, wie die Bayern ihre Strategie tatsächlich anpassen sollten: Die Entscheidung, dass man nicht mehr mit ihm plant, hätte mindestens ein Jahr früher fallen müssen, um noch eine Ablösesumme zu generieren. Beispiel Jerome Boateng: Aus wirtschaftlicher Sicht hätte er zwingend nach Paris verkauft werden müssen als PSG 40 Millionen bot.

Welche hohen Gehaltsvorstellungen David Alaba für die Zukunft hat, wäre wahrscheinlich auch ein Jahr vorher schon absehbar gewesen. Für diese Leistungsträger hätte man mit etwas Weitsicht noch gutes Geld bekommen können. Auch wenn sie alle eben nicht ursprünglich mit dem primären Plan gekommen waren, mit einem Weiterverkauf irgendwann einen satten Gewinn zu machen.

So wie es in Dortmund seit Jahren praktiziert wird.

Bayerns Transferpolitik: Nicht am BVB orientieren!

Das Dortmunder Modell wäre aber ein schlechtes Vorbild für die Bayern. Natürlich: Bei zahlreichen Spielern kauften Zorc, Watzke und Co. günstig und verkauften sehr teuer. Die wirtschaftliche Bilanz ist beeindruckend. Die sportliche leider nicht. Denn Titel gab es nicht viele, seit der BVB so agiert. Nach dem Abschied von Jürgen Klopp schaffte man zwei Pokalsiege, international spielt Dortmund seitdem aber eher eine Nebenrolle. Das wäre nicht genug für die Bayern.

Auch psychologisch ist die BVB-Verkäuferverein-Strategie schwierig. Hat ein Spieler erstmal seine erste gute Saison gespielt, wird nur noch spekuliert. Ein möglicher Mega-Transfer wird das alles bestimmendes Thema. Das sportliche Geschehen in der öffentlichen Wahrnehmung: oft Nebensache. Wie hoch ist die Ausstiegsklausel von Spieler X? Zahlt ein Verein vielleicht schon vorher 100 Millionen? Wenn nicht: Welcher Scheich-Klub kann sich im Sommer die festgeschriebene Ablöse leisten? Oder wird es doch Real Madrid? Wer wird nach dem Zahltag dann der neue Wunderjunge?

Man lebt gewissermaßen immer ein Stück in der Zukunft, ist mit dem Kopf schon in der nächsten Transferperiode. Die Entscheidungen werden immer in den Chefetagen der anderen Klubs getroffen. Bei den Käufervereinen eben. Und nicht durch die eigenen Bosse. "Mia san mia" geht anders.

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