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Fussball

FC Bayern - Hasan Salihamidzic über Jugoslawien-Flucht: "Jeden Tag geheult"

Von Philipp Schmidt / Tim Ursinus
Hasan Salihamidzic hat stark unter seiner Flucht aus dem damaligen Jugoslawien nach Deutschland gelitten.

Bayern Münchens Sportdirektor Hasan Salihamidzic hat stark unter seiner Flucht aus dem damaligen Jugoslawien nach Deutschland gelitten. Die Trennung von seiner Familie habe ihn stark belastet, sagte er im Interview mit dem DFL Magazin.

"Während der ersten drei Monate habe ich jeden Tag geheult. Papa, Mama und meine Schwester waren das Wichtigste für mich", erklärte der langjährige Profi. Sein Vater habe ihn "unbedingt in Sicherheit" bringen wollen, weshalb er 1992 von seiner Familie nach Hamburg geschickt wurde, wo seine Karriere als Fußballer ihren Lauf nahm.

Als Salihamidzic im Sommer 1992 im Alter von 15 Jahren ins ferne Deutschland zog, sei die Kriegsfront "ganz in der Nähe unserer Stadt Jablanica in Bosnien" verlaufen. Wie der 44-Jährige bereits in der Amazon-Doku "FC Bayern - Behind the Legend" verraten hatte, schlief er während des Kriegs teilweise sogar mit einer Kalaschnikow unter dem Kissen.

"Es waren furchtbare Zeiten. Jablanica wurde bombardiert", ergänzte Salihamidzic: "Ein Blindgänger schlug genau bei uns im Flur ein. Gott sei Dank haben bei uns alle überlebt."

Sein Vater, damals noch Polizeibeamter, hätte "große Angst" gehabt, "dass die Verteidigungslinie zusammenbrechen könnte." Es habe "ethnische Säuberungen" gegeben, "bei denen auch männliche Jugendliche erschossen wurden. Er kam eines Tages zu mir und sagte: 'Hier ist eine Kalaschnikow, hier ist eine Pistole. Sobald die Front zusammenbricht, schnappst du dir Mama und deine Schwester und fährst mit dem Auto dorthin."

Salihamidzic wurde zum HSV-Probetraining eingeladen

"Ich hatte vor meiner Abreise die wichtigsten Sätze und Ausdrücke in ein kleines Buch geschrieben. Einer davon war: 'Ich möchte eine Limonade', blickte Salihamidzic außerdem auf seine ersten Erfahrungen in Deutschland. Der FCB-Sportvorstand ist davon überzeugt, dass Fußball bei der Integration in einem fremden Land enorm helfen kann. "Im Fußball zählt, was du kannst. Nicht, wer du bist. Und Fußball macht es einem auch relativ leicht, Anschluss zu finden."

Über mehrere Ecken wurde Salihamidzic schließlich zu einem Probetraining beim Hamburger SV eingeladen. In einem Bus durchfuhr er mehrere Checkpoints Richtung Norddeutschland. "Später, an der Grenze zu Slowenien, wurden wir angehalten. Ich war der einzige Passagier mit jugoslawischem Pass im Bus und musste aussteigen."

Salihamidzic wurde an der Grenze ausgelacht

Dort hatten ihm die kroatischen Polizisten in die Mangel genommen und bekamen nur die Antwort, dass "Brazzo" in Hamburg Fußball-Profi werden wolle. "Die haben sich kaputtgelacht und mich schließlich gehen lassen. Ich kam mit umgerechnet 800 D-Mark in der Hosentasche in Deutschland an. Das Geld hatte ich mir vom Kellnern zusammengespart. Mit diesem Job hatte ich in den Wochen zuvor meine Familie unterstützt."

Angekommen im sicheren Deutschland sei er zu Beginn mit dem anderen Lebensstandard überfordert gewesen: "Die Familie, bei der ich wohnte, hatte Fruchtjoghurts im Kühlschrank, so etwas hatte ich zu Hause nie gesehen. Manchmal aß ich fünf Stück am Tag, man musste alles vor mir wegschließen."

Außerdem habe er nicht gewusst, "dass es sehr teuer war, mit meiner Familie zu telefonieren. Irgendwann hat der Vater der Familie dann ein Telefon gekauft, das man absperren konnte."

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