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Fussball

Kommentar zum FC Bayern: Wie der Streber, der Zweien hasst

Von Kerry Hau
Julian Nagelsmann ist mit dem FC Bayern auf Meisterschaftskurs.

Erst die klaren September-Siege in Leipzig (4:1) und Barcelona (3:0), jetzt die Fünf-Tore-Gala gegen Leverkusen: Die Wucht und die Leichtigkeit, die der FC Bayern auch in großen Spielen an den Tag legt, sucht ihresgleichen. Nicht nur die nationale Konkurrenz wird sich in dieser Saison schwer tun, Julian Nagelsmanns Mentalitätsmonster zu stoppen. Ein Kommentar.

Als Atletico Madrids Trainer Diego Simeone neulich in einem Interview mit der argentinischen Zeitung Ole die Favoriten auf den Gewinn der Champions League benannte, vergaß er zunächst den FC Bayern. Von seinem Gesprächspartner an den deutschen Rekordmeister erinnert, bat "El Cholo" um Entschuldigung.

"Eine Respektlosigkeit meinerseits", sagte er. Schließlich erinnere das flexible System von Julian Nagelsmann zum Teil an das von Marcelo Bielsa praktizierte, auf extrem hohes Pressing ausgelegte 3-3-3-1. "Alle ihre Spieler gelangen nach vorne, alle ihre Spieler schießen Tore", schwärmte Simeone.

Das bekam Bayer Leverkusen am Sonntag auf brutale Art und Weise zu spüren. Die Münchner ließen das Bundesliga-Topspiel lächerlich locker erscheinen, erzielten in einer Halbzeit fünf Treffer, vier davon innerhalb von sieben Minuten. Das war dem Verein zuvor noch bei keinem Liga-Auswärtsspiel gelungen.

Der FC Bayern war in Leverkusen noch gnädig

Eine Machtdemonstration, die nicht bloß darauf zurückzuführen war, dass der im defensiven Mittelfeld ersatzgeschwächte Gegner mit einer aus Kerem Demirbay und Nadiem Amiri bestehenden Not-Doppelsechs antrat, die sich auch aufgrund der fehlenden Unterstützung der Offensivspieler heillos überfordert zeigte und viele Räume anbot.

Sondern weil die Bayern nach jedem Tor schon das nächste im Blick hatten. Voller Gier und Leidenschaft. Angetrieben von Trainer Nagelsmann, der an der Seitenlinie umhersprang und seine Spieler mit unüberhörbaren Anweisungen fütterte. Und dem nimmersatten "Co-Spielertrainer" Thomas Müller, der bis zu seiner Auswechslung in der 64. Minute ein Pressingkommando nach dem nächsten gab. Wie der Streber, für den die Note 2 einem Weltuntergang gleichkommt.

Die Leverkusener konnten sich glücklich schätzen, dass die Gäste nach der Halbzeitpause Gnade walten ließen, indem sie mit Blick auf das Champions-League-Spiel bei Benfica durchwechselten und einige Gänge herunterschalteten.

So winkt nicht nur der zehnte Meistertitel in Folge

Ein Nachmittag, der keine allzu gute Werbung für den Wettbewerb Bundesliga war, auch wenn sich die Tabelle nach acht Spieltagen noch halbwegs spannend liest. Doch die Bayern spielen weiterhin in ihrer eigenen Liga. Die unerwartete 1:2-Niederlage gegen Eintracht Frankfurt beziehungsweise Kevin Trapp und Filip Kostic vor zwei Wochen war nicht mehr als ein Ausrutscher. Mit der Wucht und der Leichtigkeit, aber auch den vielen Optionen, die Nagelsmann von der Bank hat, wäre alles andere als der zehnte Meistertitel in Folge eine große Überraschung.

Allerdings wird sich in dieser Saison auch die internationale Konkurrenz schwertun, Nagelsmanns Mannschaft aufzuhalten. Bleiben alle Spieler in der entscheidenen Phase im Frühjahr bei Kräften und agieren anders als gegen Frankfurt weiterhin so zielstrebig und eiskalt vor dem gegnerischen Tor, kann es das Mentalitätsmonster aus München auch problemlos mit dem Starensemble von PSG sowie den starken Engländern Chelsea, Liverpool und Manchester City aufnehmen. Simeone entschuldigte sich nicht grundlos, als er bei seiner Favoriten-Aufzählung die Bayern vergaß.

Bundesliga: Die Tabelle nach dem 8. Spieltag

PlatzTeamSp.ToreDiffPkt.
1.Bayern München829:82119
2.Borussia Dortmund822:14818
3.Bayer Leverkusen821:12916
4.SC Freiburg812:6616
5.1. FC Union Berlin812:9315
6.VfL Wolfsburg89:10-113
7.1. FC Köln813:14-112
8.RB Leipzig816:8811
9.TSG Hoffenheim817:11611
10.Borussia M'gladbach810:11-111
11.1. FSV Mainz 0588:8010
12.VfB Stuttgart813:14-19
13.Hertha BSC810:21-119
14.Eintracht Frankfurt89:12-38
15.VfL Bochum85:16-117
16.FC Augsburg84:14-106
17.Arminia Bielefeld84:11-75
18.SpVgg Greuther Fürth85:20-151
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