Fussball

FC Bayern müht sich zu spätem Sieg beim VfL Bochum: Nur noch mit Ironie zu ertragen

Von Dennis Melzer
Der FC Bayern hat in Bochum nur mit großer Mühe gewonnen.

Der FC Bayern zeigt beim 2:1-Sieg in der zweiten Runde des DFB-Pokals beim Zweitligisten VfL Bochum über weite Strecken eine erschreckende Leistung. Im Anschluss gab Sportdirektor Hasan Salihamidzic den Ironiker.

Von 90 Minuten unerschütterlichem Kampf gezeichnet, sanken sie kollektiv auf den Boden, die Beinahe-Pokalhelden des VfL Bochum. Der in der Liga strauchelnde Traditionsklub aus dem Ruhrpott hatte dem großen FC Bayern alles abverlangt, verlor am Ende aber mit 1:2. Weil die Kräfte, die sich beim Außenseiter in einer Pokalpartie traditionell doppelt und dreifach freisetzen, in den Schlussminuten schwanden.

Während die Blau-Weißen darniederlagen, machte sich das Gros der Bayern-Spieler auf in Richtung eigene Fans. Vermutlich ein Stück weit, um Abbitte zu leisten. Für das, was die treuen Schlachtenbummler zuvor über sich ergehen lassen mussten. 80 Minuten zeigte der deutsche Rekordmeister eine bisweilen erschreckende Leistung, präsentierte sich offensiv harmlos und - vor allem im ersten Durchgang - hinten anfällig.

Im Mittelfeld, das von Thiago, Corentin Tolisso und dem Bochumer Lokalmatador Leon Goretzka besetzt wurde, reihte sich Fehlpass an Fehlpass, war mitnichten die erwartete Dominanz zu finden. Kurz gesagt: Eine Vorstellung zum Vergessen, bei der man mit dem vielzitierten "blauen Auge" davongekommen war.

Salihamidzic: "Ohne Ironie geht es heute nicht"

So empfand es offenbar auch Sportdirektor Hasan Salihamidzic, der nach der Partie einen skurrilen Auftritt in der Mixed-Zone hinlegte. "Top-Abend. Top. Wir haben die Mannschaft hergespielt. Das war gut", sagte der Bosnier den einigermaßen irritierten Reportern, um dann aufzuklären: "Ohne Ironie geht es heute nicht. Das heute Abend kann man nicht analysieren. Werden wir auch nicht."

"Brazzo", der bislang in seiner Tätigkeit als Bayern-Funktionär nicht unbedingt als Sarkasmus-Aficionado aufgefallen war, legte nach: "Wir haben ein Riesen-Spiel gemacht." Zehn Minuten seien gut gewesen, damit müsse es aber auch erledigt sein. "Ich bin einfach nur da (in der Mixed Zone, Anm. d. Red), um da zu sein. Weil das ein Spiel war, welches wir schnell abhaken müssen."

Ehe Salihamidzic keinerlei Interesse daran zeigte, das zuvor Gesehene irgendwie aufzuarbeiten, hatten sich die anderen Protagonisten an einer Erklärung versucht. Kapitän Manuel Neuer fand beispielsweise deutliche Worte.

"In der ersten Halbzeit war es richtig traurig und enttäuschend, wie wir aufgetreten sind", haderte der Torhüter und schob nach: "Wichtig ist, dass jeder bei sich selbst anfängt. Wir brauchen nicht über einzelne Spieler reden, das System oder den Trainer. Wir brauchen auch keine Ausreden beim Platz, dem Flutlicht, dem Wind, der Sonne oder sowas zu suchen." Zudem müsse sich jeder selbst hinterfragen, ob er in den Spiegel schauen könne.

Kovac: "Das hat ganz klar mit der Einstellung zu tun"

Auch Trainer Niko Kovac zeigte sich enorm angefressen, machte die schwache Leistung im Gespräch mit Sport1 vor allem an der fehlenden Einstellung seiner Schützlinge fest: "Das mit den Fehlpässen ist mir ein Rätsel. Dass wir so viele Fehlpässe spielen, hat ganz klar mit der Einstellung zu tun. Ich muss mal in die Statistik schauen, ich weiß gar nicht, wie viele Bälle wir dem Gegner in die Füße gespielt haben."

Wirft der Kroate tatsächlich einen Blick in die Zahlen, wird er mit Schrecken feststellen, dass satte 95 Fehlpässe produziert wurden. Der Höchstwert in der laufenden Saison (gemeinsam mit der Fehlpass-Anzahl im Bundesliga-Spiel beim SC Paderborn, Anm. d. Red.).

Seine taktische Marschroute verteidigte Kovac indes: "Man muss sauber Fußball spielen, das hat nichts mit Taktik zu tun. Es waren zu viele Spieler, die Fehlpässe gespielt haben. So kommst du in keinen Spielfluss, so kannst du den Gegner nicht unter Druck setzen."

Müller: "Wir müssen zusammenstehen"

Goretzka, der wie seine Mittelfeld-Kollegen kaum etwas zustande brachte und bei der Rückkehr in die Heimatstadt nach 57 Minuten für Philippe Coutinho Platz machen musste, pflichtete seinem Coach bei: "Das war ein schlapper Auftritt von uns. Wir haben einfach unfassbar viele Fehler gemacht im Passspiel. Einen Pass an den Mann zu bringen, liegt eher am Spieler als am Trainer. Wir brauchen wieder Spaß am Spiel."

Dass dieser in naher Zukunft zurückkommt, glaubt zumindest Siegtorschütze Thomas Müller. "Über unsere Leistung haben wir schon viele Worte verloren", sagte der 31-Jährige bei Sport1. "Es bringt jetzt nichts, wenn ich das öffentlich sage. Wir müssen zusammenstehen. Ich bin auch ein äußert optimistischer Typ. Wir haben die letzten drei Spiele gewonnen, und jetzt geht's weiter."

Etwas anders sah das Kapitän Manuel Neuer, der sehr deutlich wurde, als es um die gezeigte Leistung ging. "Schreib einfach FC Bayern drüber. Dann ein leeres Blatt, das beschreibt unsere Leistung am besten", schlug der 33-Jährige einem Journalisten vor.

Weiter geht es am Wochenende in Frankfurt, wo der FCB auf die heimstarke Eintracht trifft. "Gott sei Dank", wie Salihamidzic feststellte. Kovac erwartet in Hessen "ein heißes Spiel". Dort wolle man sich einer Mannschaft stellen, "die von der ersten Minute an Gas geben wird. Wir müssen reagieren und nicht agieren".

Sprich: Seinen Fans ein komplett anderes Gesicht als in Bochum zeigen. Für ebenjene hielt Kovac übrigens noch einen subtilen Seitenhieb bereit, indem er mit Blick auf das kommende Duell mit den Adlerträgern von deren Anhängern schwärmte. Das seien nämlich "die besten Fans der Liga." Völlig unironisch.

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