Fussball

Robert Lewandowskis Ausnahmeform: Die Abhängigkeit des FC Bayern

Von Dennis Melzer
Robert Lewandowski führt die Torjägerliste der Bundesliga nach zwei Spieltagen mit fünf Treffern an.

Eigentlich sollte Bayerns Sportdirektor Hasan Salihamidzic den Helden von Gelsenkirchen - passend zu dessen Torausbeute an diesem Abend - in drei Worten beschreiben. Brazzo benötigte allerdings nur einen Begriff, um das Standing Robert Lewandowskis zusammenzufassen: "Unverzichtbar", lachte der Bosnier und brachte die Lewy-Dependenz des Rekordmeisters auf den Punkt.

Es war letzten Endes vornehmlich der individuellen Klasse Lewandowskis geschuldet, dass die Münchner mit drei Punkten im Gepäck gen Süden aufbrachen, das Ruhrgebiet als souveräner Sieger verließen.

Beim 3:0 aus Sicht des FCB hatte der verlässliche Knipser zunächst per Elfmeter die Führung hergestellt, um kurz nach dem Seitenwechsel via perfekt geschossenem Freistoß auf 2:0 zu erhöhen. Seine ganze Klasse ließ er vor allem in jener Situation durchblicken, die zum Endstand führte, als Lewandowski eine scharfe Hereingabe von Kingsley Coman mit einer Bewegung von Weltklasseformat verarbeitete und unhaltbar abschloss.

Hasan Salihamidzic über Robert Lewandowski: "Er ist Wahnsinn"

"Er ist Wahnsinn. Ein Stürmer, den man sich nur wünschen kann", frohlockte Salihamidzic und fasste Lewandowskis Arbeitsnachweis für die noch junge Spielzeit zusammen. "Er hat die Messlatte mit seinen fünf Toren in zwei Spielen sehr hochgelegt." Fünf Tore in zwei Spielen, eine sagenhafte Quote. Eine Bilanz, die die bereits skizzierte Abhängigkeit unverblümt aufzeigt, hat neben dem Dauertorjäger doch noch kein anderer Bayern-Spieler ein Tor beigesteuert.

"Das war natürlich ein super Start von ihm", befand auch Manuel Neuer mit Blick auf die beeindruckende Treffsicherheit. "Zwei Spiele, fünf Tore - so oft hat er gegen mich im Training nicht getroffen." Es sei ohnehin wichtiger, dass er seine "Tore in den Spielen macht."

Niko Kovac: "Er braucht Spieler, die ihn füttern"

Trainer Niko Kovac hob im Gespräch mit dem ZDF hingegen die Mannschaftsleistung hervor, machte das Kollektiv dafür verantwortlich, dass sein Star-Angreifer auf Schalke glänzte. "Er hat das sehr gut gemacht. Das geht aber nur, weil die anderen ihm helfen." Kovac schob nach: "Wichtig ist, dass wir ihn in Szene setzen. Die Qualitäten, die er besitzt, findet man nur selten. Er braucht Spieler, die ihn füttern. Das haben sie heute getan und das sollen sie auch bitte in den nächsten Wochen tun."

Selbstverständlich ist Lewandowski darauf angewiesen, von seinen Kollegen bedient zu werden. Auch, wenn es nur in Form von gezogenen Fouls geschieht, die Münchens Neuner dann in Zählbares ummünzt. Kovacs richtige Worte vermitteln allerdings auch das ganze Dilemma, das sich daraus ergibt: Wer wird gefüttert, wer springt in die Bresche, sollte Lewandowski - aus welchen Gründen auch immer - einmal nicht zur Verfügung stehen?

Es ist das Dauerthema bei den Bayern, das zwischenzeitlich kurz ruhte, weil Sandro Wagner sich für ein Jahr erbarmte, den Backup für Lewandowski zu geben. Seit der ehemalige Hoffenheimer im Winter nach China wechselte, wird medial wieder einmal in verlässlicher Regelmäßigkeit darüber diskutiert, welch verheerende Konsequenz beispielsweise eine Verletzung des 31-Jährigen zur Folge haben würde. Jann-Fiete Arp, der im Sommer als nomineller Mittelstürmer verpflichtet wurde, ist längst noch nicht so weit, einzuspringen.

Sicherlich warten auch Offensivspieler wie Serge Gnabry, Kingsley Coman, Thomas Müller oder die Neuzugänge Ivan Perisic und Philippe Coutinho mit der Eigenschaft auf, Bälle im gegnerischen Kasten unterbringen zu können. Klassische Goalgetter sind sie aber eben nicht, sondern vielmehr die von Kovac genannten Futterlieferanten.

Gerüchte um Mario Mandzukic

Dementsprechend machten in den vergangenen Wochen Gerüchte die Runde, dass die Bayern mit Mario Mandzukic einen alten Bekannten zurück an die Isar lotsen könnten. Einer, der mutmaßlich nicht den Anspruch erhebt, immer auf dem Platz stehen zu wollen, einer, der problemlos Meisterschaftsspiele gegen Mainz oder Augsburg bestreiten könnte und seinem Coach die Option eröffnen würde, Lewandowski zu schonen. Zudem ist der Kroate flexibel in der Offensive einsetzbar, nicht zwingend nur als Ersatz an vorderster Front zu betrachten.

In Gänze abgeklungen sind die Spekulationen nicht, immerhin schließt das Transferfenster erst am 2. September. Dass bis dahin noch etwas geschieht, scheint im Bereich des Möglichen. Stand jetzt gibt es aber keinen Akteur in Reihen der Bayern, der es vermag, Lewandowski positionsgetreu zu vertreten.

Doch wie bewertet der Dreierpacker die Kadersituation selbst? "Es sieht wirklich gut aus. Wir konnten heute in der zweiten Halbzeit zwei Wechsel machen. Dann kam frisches Blut rein, das hat mich sehr gefreut", erklärte Lewandowski im Anschluss an das Duell mit Schalke bei Sky. "In der ganzen Saison ist die Belastung sehr intensiv. Unser Kader ist optimal."

Robert Lewandowski: Kaum Verletzungen in fünfeinhalb Jahren

Optimal, so lange er fit ist. Klar ist, der 106-malige Nationalspieler vertraut seinem robusten, durchtrainierten Körper, der seit jeher verlässlich funktioniert hat. In den vergangenen fünfeinhalb Jahren fiel Lewandowski nie länger als zwei Wochen aus, verpasste maximal zwei Partien am Stück.

Mit diesen Erfahrungen im Hinterkopf ist man beinahe geneigt zu sagen: Der kann ohnehin immer spielen. Vielleicht genießt der ehrgeizige Topscorer auch einfach seinen Status. Ein Zustand, der an ein Königreich erinnert. Mit dem Unverzichtbaren auf dem Thron.

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