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Fussball

VfL Bochum drohen harte Konsequenzen nach Becherwurf-Skandal - Gittelmann erleidet Schädelprellung

Von Fatih Demireli
In Bochum ist es zu einem Bierbecher-Skandal gekommen.

Der Becherwurf-Skandal im abgebrochenen Bundesliga-Spiel des VfL Bochum gegen Borussia Mönchengladbach (0:2) sorgt weiter für Schlagzeilen. Jetzt hat sich auch Linienrichter Christian Gittelmann zu Wort gemeldet, der nach dem Vorfall ins Krankenhaus eingeliefert worden war.

"Es wurde eine Schädelprellung und ein Schleudertrauma diagnostiziert", berichtete er am Samstag in einem Interview auf der DFB-Webseite. Mittlerweile konnte er das Krankenhaus aber wieder verlassen.

Der Schiedsrichter-Assistent Gittelmann war an der Seitenlinie aus einer der vorderen Reihen von einem Bierbecher am Kopf getroffen worden, das Spiel wurde von Schiedsrichter Benjamin Cortus nach knapp 70 Minuten zunächst unterbrochen und dann abgebrochen.

"Aus der Nahdistanz ist das pure Absicht", sagte zuvor der Bochumer Vorstandsvorsitzende Hans-Peter Villis in der Bild: "Hier gibt es ein paar Fans, die ihre Hände und ihr Gehirn nicht im Griff haben. Aber das sind einzelne. Das ist nicht das Verhalten des VfL. Das sind einzelne Idioten, die das Image des Vereins nach unten ziehen."

Villis setzt auf einen Selbstreinigungsprozess in der Fanszene: "Ich hoffe, dass unsere Anhänger den Werfer anschwärzen. Wir werden denjenigen sicher finden. Mit solchen Fans wollen wir nichts zu tun haben. Sowas habe ich in 55 Jahren beim VfL Bochum nicht erlebt. Ich bin stinksauer."

Er könne die Entscheidung, die Partie abzubrechen, absolut nachvollziehen: "Vielleicht haben wir sowas ja gebraucht, damit sich etwas ändert."

Alle Reaktionen zum Becherwurf-Skandal

Villis: "Wie doof kann man sein?"

Beim VfL ist das Problem nicht neu. "Ein paar Leute machen uns alles kaputt, was wir uns seit Jahren hier aufbauen. Das ist hart, das ist entsetzlich", schimpfte der 64-jährige Villis.

"Man muss sich mal den Zusammenhang vor Augen führen: In der Ukraine ist Krieg, wir machen ein Sondertrikot, alles, um unseren Beitrag zu leisten bei diesem fürchterlichen Geschehen. Und da sitzen Leute und schmeißen absichtlich mit einem Bierbecher. Wie doof kann man sein?"

DFB-Kontrollausschuss nimmt Ermittlungen auf

Derweil muss sich der VfL Bochum auf schwerwiegende Konsequenzen einstellen. Der DFB-Kontrollausschuss wird am Montag die Ermittlungen aufnehmen. "Es werden sich zwei Verfahren entwickeln", sagte Stephan Oberholz, Vorsitzender des Sportgerichts, dem SID, "einmal das Spielwertungsverfahren und dann ein Strafverfahren gegen den Klub, dessen Anhänger sich entsprechend verhalten haben."

Man werde zunächst die Berichte des Sicherheitsbeobachters vor Ort und des Schiedsrichters abwarten und die Stellungnahmen der Vereine anfordern, erläuterte Oberholz. Borussia Mönchengladbach, das zu diesem Zeitpunkt 2:0 führte, wird die Punkte aller Voraussicht nach am Grünen Tisch erhalten.

Mögliche Strafe: wieder ein Geisterspiel, das eigentlich der Corona-Vergangenheit angehören sollte. Vor elf Jahren, als ebenfalls ein Bierbecher einen Linienrichter traf, wurde der FC St. Pauli eben dazu verurteilt. Im Nachhinein wurde die Strafe auf ein Spiel in einem mindestens 50 Kilometer entfernten Stadion abgemildert. Der Klub bezifferte den Einnahmeverlust auf mehr als 400.000 Euro.

VfL Bochum will Becherwerfer bestrafen

Der VfL ist dabei, den Becherwerfer zu identifizieren. "Im Mittelpunkt steht nun die Täterermittlung, die Auswertung der Bilder läuft noch", hieß es in einer Stellungnahme des Klubs: "Der VfL hofft auf eine schnelle Aufklärung und wird die Polizei bei ihren Ermittlungen tatkräftig unterstützen. Wer sachdienliche Hinweise zur Identifizierung beitragen kann, wendet sich bitte an die Polizeidienststelle Bochum."

Der VfL drohte dem "Fan" mit weitreichenden Konsequenzen, sollte er ausgemacht werden können: "Zum Beispiel Stadionverbot, Vereinsausschluss oder Einzug der Dauerkarte". Man behalte sich auch "Schadenersatzansprüche vor. Denn wir gehen davon aus, dass der VfL verbandsseitig bestraft wird."

Gittelmann fordert harte Sanktionen

Mittlerweile ist Schiedsrichterassistent Gittelmann wieder zu Hause. Das bestätigte Schiedsrichter-Chef Lutz Michael Fröhlich am Samstag. Es gehe ihm "den Umständen entsprechend körperlich so weit gut", sagte Fröhlich in einer DFB-Pressemitteilung: "Wir werden ihn nach besten Kräften unterstützen, damit er diesen Vorfall auch mental bestmöglich verarbeiten kann."

Gittelmann selbst forderte indes harte Strafen. "Eine flächendeckende Null-Toleranz-Politik mit einem klar definierten und für alle im Vorfeld bekannten und harten Strafmaß sollte ausgearbeitet werden", sagte Gittelmann. Nur so seien "Gewalttaten" gegen die Unparteiischen - vor allem auch "auf den Amateurplätzen" - zu vermeiden.

Der Treffer habe ihn mitgenommen, erklärte der 39-Jährige, "zumal es mich mit voller Wucht und unerwartet am Kopf getroffen hat." Die Tat mache ihn "fassungslos". Er werde sich ein paar Tage nehmen, "um zur Ruhe zu kommen und die Sache zu verarbeiten". Dann wolle er "schnellstmöglich wieder auf den Platz zurückkehren".

Bundesliga: Die aktuelle Tabelle

PlatzTeamSp.ToreDiffPkt.
1.Bayern München2677:284960
2.Borussia Dortmund2666:372956
3.Bayer Leverkusen2664:412345
4.RB Leipzig2657:302744
5.Freiburg2643:291444
6.Hoffenheim2649:371244
7.Köln2637:39-239
8.Union Berlin2633:34-138
9.Eintracht Frankfurt2639:38137
10.Mainz 052535:30534
11.Bochum2628:37-932
12.Wolfsburg2629:40-1131
13.Borussia M'gladbach2636:51-1530
14.Augsburg2527:41-1426
15.Arminia Bielefeld2622:34-1225
16.Stuttgart2632:48-1623
17.Hertha BSC2626:60-3423
18.Greuther Fürth2624:70-4614

 

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