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Fussball

Bundesliga-Thesen zum 25. Spieltag: Hertha BSC in der Sackgasse - Hütters Idee zerschellt

Von Stefan Rommel
Adi Hütter steht in Gladbach unter Druck.

Hertha BSC taumelt dem Abstieg entgegen - und niemand schreitet ein. Gladbachs Trainer Adi Hütter hat sich gegen Stuttgart komplett verzockt, beim VfB könnte ein Bankdrücker plötzlich zum Schlüsselspieler werden. Das und noch mehr in den Thesen zum 25. Spieltag.

1. Hertha steckt in der Sackgasse

Wenn man das ganze Berliner Elend begreifen will, genügt im Prinzip schon ein Blick auf Ex-Stürmer Krzysztof Piatek beim AC Florenz: Der Pole war für die Hertha offenbar nicht mehr gut genug, spielte kaum und wurde auch aus finanziellen Gründen deshalb mit Kaufoption in die Toskana verliehen. In Berlin erzielte Piatek in neun Einsätzen ein Tor - in Florenz sind es nun in ebenfalls neun Pflichtspielen schon deren sechs.

Nun sind Quervergleiche immer schwierig, aber die Tendenz dürfte klar sein: Im Berliner Dress erreicht kein Spieler Normalform oder wächst sogar über sich hinaus, das genaue Gegenteil ist der Fall. Jeder einzelne Spieler passt sich sofort und komplett den desaströsen Leistungen der Kollegen an, gute Bundesligaspieler wie Marco Richter, Suat Serdar, Lucas Tousart oder das aktuellste Beispiel Marc-Oliver Kempf sind ein Schatten ihrer selbst.

Dazu kommen wenig brauchbare Ideen von Trainer Tayfun Korkut, der es gegen Frankfurt mit schnellen Flügelspielern im 4-3-3 versuchte und dem Pressing des Gegners damit in die Karten spielte. Korkut reagierte dann zu spät mit einer anderen Ausrichtung und den entsprechenden Wechseln. Der Trainer darf aber trotzdem weitermachen, weil an seinem Schicksal auch für Sportchef Fredi Bobic jede Menge hängt. Und so manövriert sich Hertha BSC immer tiefer in eine Spirale, an dessen Ende der Abstieg stehen könnte. Die letzten Wochen jedenfalls lassen keinen anderen Schluss mehr zu.

2. Hütter hat sich gegen den VfB verzockt

Borussia Mönchengladbach versuchte es in Stuttgart mit einer neuen Grundordnung und einer neuen Spielausrichtung. Ein nachvollziehbarer Gedanke aus Trainersicht nach den Enttäuschungen der letzten Wochen und einer wahren Flut an Gegentoren. Aber: Was sich Adi Hütter da ausgedacht hatte mit seinem 4-3-3 und einer sehr tiefen Verteidigungsformation, dem Fokus auf enge Abstände im Zentrum und in den Halbspuren und sogar Manndeckung gegen einzelne VfB-Spieler, entpuppte sich schon sehr früh in der Partie als wenig vorteilhaft - im Gegenteil: Weil Gladbach besonders auf dem rechten Flügel massive Probleme mit den Stuttgarter Überladungen hatte und für hohe Bälle hinter die Abwehrkette keinen Mechanismus vorbereitet hatte, zerschellte Hütters Idee komplett.

Warum der Trainer dem fragwürdigen (Defensiv-)Treiben seiner Spieler ohne jede inhaltliche Korrektur einfach nur zuschaute und nicht schon nach 20, 45 oder 60 Minuten einen Schnitt und die dringend notwendigen Anpassungen vornahm, bleibt wohl sein Geheimnis. Jedenfalls waren das Unbehagen und das offenbar auch wenig einstudierte Timing der Gladbacher Spieler im Übergeben und Übernehmen derart offensichtlich, dass die Mannschaft förmlich um Impulse von außen bettelte - diese aber nicht bekam. Die nicht nur zwischen den Zeilen kritischen Anmerkungen von Yann Sommer, Jonas Hofmann und Christoph Kramer rückten auch den eigenen Trainer in den Fokus: Denn diese Niederlage in Stuttgart geht zu großen Teilen auch auf Adi Hütter.

3. Wird Stuttgarts Bankdrücker zum Schlüsselspieler?

Beim VfB kommen endlich die Verletzten zurück, gegen Gladbach fehlten nur noch Silas und der angeschlagene Orel Mangala. So gut wie am Wochenende war Stuttgart zuletzt am ersten Spieltag aufgestellt - und trotzdem bleibt Atakan Karazor offenbar gesetzt. Große Teile der Saison war Karazor ein Ergänzungsspieler und wenn er doch mal von Beginn an ran durfte, wusste er nur selten zu überzeugen.

Jetzt vertraut ihm Trainer Pellegrino Matarazzo aber sogar alleine das Mittelfeldzentrum an. Die Rückkehr zur Viererkette mit nur einem Sechser vor der Abwehr könnte sich als entscheidender Wendepunkt im Abstiegskampf entpuppen. Weil damit ein anderer schöner Nebeneffekt entsteht: Wataru Endo kann endlich wieder offensiver spielen und auf der Acht seine oft unterschätzten Qualitäten im Spiel mit dem Ball einbringen. Endo war wegen vieler Länderspielreisen in der Hinserie merklich überspielt, kommt jetzt in der entscheidenden Phase und auf einer sehr passenden Position aber wieder voll in Fahrt.

Und das nicht nur als Torschütze und Arbeitsbiene, sondern auch als Anführer einer Mannschaft, die jetzt genau solche positiven Typen braucht wie Endo, Karazor, den immer emsigen Chris Führich oder auch Borna Sosa, der ein neuerliches Negativerlebnis partout nicht zulassen wollte. Der VfB hat nur ein Spiel gewonnen nach zuletzt neun Partien ohne Dreier. Aber im Gegensatz zu manch anderer Mannschaft im Tabellenkeller stimmen die fußballerischen Leistungen und die Mentalität.

4. Bielefeld kann so nicht bestehen

Arminia Bielefeld hat ein Offensivproblem, das hat nicht nur die 0:1-Niederlage gegen den FC Augsburg einmal mehr gezeigt. Die Arminia ist immer nur dann gefährlich, wenn das Offensivspiel so einfach wie möglich bleibt und dann die beiden Farbtupfer Patrick Wimmer und Masaya Okugawa einen genialen Moment einstreuen. Wimmer und Okugawa wurden von Augsburg am Freitag aber hartnäckig bearbeitet, teilweise heftig attackiert und damit aus dem Spiel genommen.

Und wenn die Arminia mit einer an diesem Abend sehr alten Mannschaft auch in ihren Kernkompetenzen nicht dagegen oder mithalten kann, kommt einer derart ernüchternde Vorstellung heraus. Augsburg war einfach giftiger und griffiger, lief mehr und deutlich intensiver als Bielefeld und rannte den Gegner in einer Disziplin förmlich in Grund und Boden: Den ordentlichen 251 Sprints der Arminia setzte Augsburg sagenhafte 316 Sprints entgegen.

Auch Keeper Stefan Ortega wurde immer wieder im Vollsprint attackiert, der dann nur noch lange Bälle schlagen konnte - die wiederum der FCA vergleichsweise problemlos verteidigen konnte gegen jene Mannschaft, die eigentlich die meisten Kopfballduelle der Liga gewinnt. Bielefeld wurde im Prinzip mit den eigenen Waffen geschlagen: Mit einer harten Spielweise, enorm hohem Laufaufwand und der nötigen Effizienz vor dem Tor. Die Arminia benötigt ganz schnell alternative Ansätze, speziell im Spiel mit dem Ball. "Nur" einigermaßen sicher stehen wird am Ende nicht für den Klassenerhalt reichen.

Bundesliga: Die aktuelle Tabelle

PlatzTeamSp.ToreDiffPkt.
1.Bayern München2576:274959
2.Borussia Dortmund2464:372750
3.Bayer Leverkusen2564:402445
4.Hoffenheim2548:361243
5.RB Leipzig2551:292241
6.Freiburg2540:271341
7.Union Berlin2532:33-137
8.Köln2536:39-336
9.Mainz 052435:29634
10.Eintracht Frankfurt2537:37034
11.Bochum2527:35-832
12.Wolfsburg2527:37-1031
13.Borussia M'gladbach2534:51-1727
14.Augsburg2527:41-1426
15.Arminia Bielefeld2522:33-1125
16.Hertha BSC2526:58-3223
17.Stuttgart2531:47-1622
18.Greuther Fürth2523:64-4114
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