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Fussball

Peter Knäbel: Beim HSV gescheitert, jetzt Schalkes neuer starker Mann

Nach dem Rauswurf der kompletten sportlichen Leitung ist Peter Knäbel der neue starke Mann bei Schalke 04. Im Verein wird seine Kompetenz gelobt, zu seiner Zeit beim HSV machte er allerdings eher negative Schlagzeilen.

Seit dem Abgang von Clemens Tönnies im vergangenen Sommer wurde dem S04-Aufsichtsrat vorgeworfen, er sei ohne seinen langjährigen Anführer kopflos und entscheidungsschwach.

Viel zu lange habe man daher trotz der vielen krassen Fehlentscheidungen von Sportvorstand Jochen Schneider nicht eingegriffen.

Wie eine Überkompensation wirkte daher der sonntägliche Rauswurf von Schneider, Trainer Christian Gross, Fitnesscoach Werner Leuthard, Teammanager Sascha Riether und Co-Trainer Rainer Widmayer - zumal es zumindest für die sofortige Trennung von Riether und Widmayer keine zwingenden Gründe gibt.

Doch offenbar wollte das Kontrollgremium um den farblosen Vorsitzenden Dr. Jens Buchta die gesamte sportliche Leitung loswerden, auch wenn sich geeignete Nachfolger nach dem Kahlschlag sowohl auf dem Trainingsplatz als auch in der Führung zunächst nicht aufdrängen.

Peter Knäbel: Der letzte Experte in Schalkes sportlicher Leitung

In Peter Knäbel blieb letztlich nur noch ein echter Experte übrig, der daher beinahe zwangsläufig "bis auf weiteres" die sportliche Leitung übernommen hat. Denn im Gegensatz zu den beiden "ewigen" Schalkern Norbert Elgert und Michael Büskens, die ihm zur Seite stehen, hat Knäbel schon reichlich Erfahrung im Bereich Sportmanagement und Kaderplanung gesammelt.

Der einstige Bochumer Bundesligaprofi arbeitete vor der Amtsübernahme als Direktor der Schalker Knappenschmiede vor rund drei Jahren als Direktor Profifußball beim Hamburger SV sowie als Technischer Direktor beim FC Basel und beim Schweizer Fußball-Verband. Somit kennt Knäbel sich nicht nur im Profi-Geschäft, sondern auch im Nachwuchs bestens aus.

Dies ist umso wichtiger, weil der 54-Jährige mit knappem Budget (Schalke hat rund 240 Millionen Euro Verbindlichkeiten) neue, hungrige Spieler verpflichten und Talente aus der eigenen Jugend hochziehen muss. Gleichzeitig muss er versuchen, die wenigen Leistungsträger mit auch bei einem Abstieg gültigen Verträgen wie Suat Serdar möglichst gewinnbringend zu verkaufen. Im Verein wird Knäbel als kompetenter, empathischer und integrativer Teamplayer beschrieben.

Peter Knäbel: Pleiten, Pech und Pannen beim HSV

Allerdings gibt es auch skeptische Stimmen, die Knäbels Eignung für den Job in der ersten Reihe infrage stellen. Das liegt an einigen unglücklichen Vorkommnissen in seiner Zeit zwischen 2014 und 2016 beim HSV.

So sollte er die Rothosen im Frühjahr 2015 als Nachfolger des entlassenen Joe Zinnbauer vor dem Abstieg retten.

Doch dann kassierte sein Team zwei herbe Klatschen (0:4 in Leverkusen, 0:2 gegen Wolfsburg) und "der schlechteste HSV-Trainer aller Zeiten" (Hamburger Morgenpost) musste beim Tabellenletzten nach nicht mal zwei Wochen und einigen unglücklichen öffentlichen Auftritten Platz machen für Bruno Labbadia.

Peter Knäbel: Kuriose Rucksack-Affäre in Hamburg

Einige Monate später wurde Knäbel angeblich sein Rucksack mit detaillierten HSV-Gehaltslisten, Kopien von Spielerverträgen und Scoutingunterlagen gestohlen, der kurz danach verstreut in einem Hamburger Park wiedergefunden wurde. Auch Knäbels Kreditkarten und Schlüssel waren darunter, er selbst wollte den Verlust aber zunächst nicht bemerkt haben. "Die Dokumente waren alle älteren Datums. Deswegen habe ich sie aktuell nicht gebraucht und auch nicht vermisst", rechtfertigte er sich.

"Eine der kuriosesten Geschichten der jüngeren Bundesliga-Geschichte", nannte die Welt den Vorgang: "Knäbel, der bis dahin als ausgewiesener Fachmann und Kenner der Branche galt, wurde mit einem Schlag zur Zielscheibe von Spott und Häme. Ein Jahr später war Knäbels Zeit bei den Hamburgern beendet."

Im Mai 2016 erfolgte die vorzeitige Trennung, weil die HSV-Bosse mit Knäbels Arbeit im Bereich Kaderplanung, Teammanagement und Scouting unzufrieden waren. "Was die Entwicklung des Kaders angeht, sind wir mit einem anderen Anspruch angetreten", sagte Aufsichtsratschef Karl Gernandt damals, nachdem die Hanseaten mit dem teuersten Kader der Vereinsgeschichte beinahe abgestiegen waren.

Nun kann Knäbel bei Schalke zeigen, dass er es besser kann - allerdings unter deutlich schwierigeren Bedingungen. Denn die Kassen sind leer und der Abstieg nur noch durch ein Wunder zu verhindern. Und gleichzeitig muss der neue Sportchef die Weichen auch in der Trainerfrage stellen. Mike Büskens, der nur Co-Trainer sein will, oder U-23-Coach Torsten Fröhlings sollen das sollen das Team zunächst am Freitag gegen Mainz betreuen.

Schalke 04 sucht neuen Cheftrainer: Baumgart Favorit

Gesucht wird aber ab sofort der Cheftrainer für den Neuaufbau in der Zweiten Liga. Aktuell werden drei Kandidaten am heißesten gehandelt: Zum einen der momentan arbeitslose Dimitrios Grammozis, der schon bei Schalkes Entscheidungen für Manuel Baum und Christian Gross auf Jochen Schneiders Trainerliste stand, bis bis vor einem Jahr Darmstadt 98 trainierte und zuvor sechs Jahre im Nachwuchs des Reviernachbarn VfL Bochum arbeitete.

Zum anderen Domenico Tedesco, der bereits von 2017 bis 2019 bei den Knappen tätig war und der seinen Ende Mai auslaufenden Vertrag bei Spartak Moskau nicht mehr verlängert hat. Auch der 35-Jährige arbeitete sowohl erfolgreich bei den Junioren in Hoffenheim und Stuttgart als auch einige Monate in der Zweiten Liga, wo er Erzgebirge Aue vor seinem Wechsel zu Schalke vor dem Abstieg rettete.

Favorit auf den Neuanfang im Unterhaus ist dem Vernehmen nach aber Stefan Baumgart, dessen Vertrag beim SC Paderborn im Sommer endet. Zwar hat es laut des Ex-Profis noch keine Gespräche mit Schalke gegeben, aber der hemdsärmelige Baumgart würde gut zum Malocher-Klub passen und seine Erfolge in Paderborn sprechen für sich. Bei den Ostwestfalen hat er zudem bewiesen, dass er mit bescheidenen Mitteln eine konkurrenzfähige Mannschaft im Unterhaus zusammenstellen kann.

Peter Knäbel: Vielleicht sogar Dauerlösung als Sportvorstand?

Knäbel kann also in den kommenden Wochen mit kluger Personalpolitik viel Werbung in eigener Sache machen und so vielleicht sogar zu einer Dauerlösung auf Schalke werden. Denn eine endgültige Entscheidung über den neuen Sportvorstand wird wohl frühestens der neue Aufsichtsrat treffen. Der aber wird erst am 13. Juni bei der Mitgliederversammlung gewählt - und schon am 23. Juli startet die Zweite Liga in die neue Saison.

Bis dahin wird der neue starke Mann jedoch noch einige Überzeugungsarbeit leisten müssen, wie ein Kommentar der Frankfurter Rundschau vom Montag deutlich machte. "Ob für den Schalker Neubeginn in Liga zwei dann ausgerechnet der einst beim HSV krachend gescheiterte und durch seinen Rucksackverlust zur Lachnummer gewordene Manager Peter Knäbel der richtige Mann ist, sei mal dahingestellt."

Schalke vor Abstieg in die 2. Liga: Die Tabelle

PlatzTeamSp.ToreDiffPkt.
13.FC Augsburg2222:35-1323
14.1. FC Köln2321:41-2021
15.Hertha BSC2326:42-1618
16.Arminia Bielefeld2218:41-2318
17.1. FSV Mainz 052223:43-2017
18.Schalke 042316:61-459
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