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Fussball

FC Schalke 04 und die ungewisse Zukunft: Neuer starker Mann gesucht

Von Martin Volkmar
Zwei Ex-Vorstäne als Lösung für den FC Schalke 04? Peter Peters und Clemens Tönnies

Schalke 04 ist statistisch gesehen schon vor dem Rückrundenauftakt gegen Bayern München abgestiegen. Die Folge wären eine Spielerflucht und weitere massive finanzielle Verluste. Im Hintergrund läuft sich aber angeblich ein alter Bekannter für ein Comeback warm. Die Fußball-Kolumne.

Es war ein lauer Spätsommerabend, als das Schalker Unglück seinen Anfang nahm. Mit 0:8 wurde der Vize-Meister von 2018 Mitte September am ersten Spieltag vom FC Bayern verprügelt, es war die höchste Bundesliga-Niederlage seit 51 Jahren.

Seitdem befanden sich die Königsblauen die gesamte Hinrunde über auf einem der beiden Abstiegsplätze und dürften dort vermutlich auch bleiben. Vor dem Rückspiel des Tabellenletzten gegen den Ersten in der heimischen Arena, vor wenigen Jahren noch ein Duell auf Augenhöhe, ist Schalke statistisch gesehen schon abgestiegen.

Denn mit der desaströsen Bilanz von gerade mal sieben Punkten nach der ersten Halbserie hat noch kein Verein in der Geschichte der Bundesliga den Klassenerhalt geschafft.

Trotz leichter Aufwärtstendenz unter Christian Gross, dem bereits dritten Trainer in dieser Spielzeit, haben die Schalker selbst zu Hause gegen die unmittelbaren Abstiegskonkurrenten verloren, wie am Mittwoch gegen den 1. FC Köln, der auf dem Relegationsrang 16 schon acht Punkte Vorsprung hat.

FC Schalke 04: Bei Abstieg fällt Mannschaft auseinander

Nun droht ein langer, trauriger Abschied aus dem Oberhaus für den Traditionsverein, dessen Zukunft völlig in den Sternen steht. Beim zu erwartenden vierten Abstieg würde nicht nur Trainer Gross, sondern auch ein Großteil der Mannschaft die Gelsenkirchener verlassen. Auch Sportvorstand Jochen Schneider will in diesem Fall die Verantwortung für die Talfahrt übernehmen und den Klub verlassen, angeblich läuft schon die Suche nach einem Nachfolger.

Marketingvorstand Alexander Jobst, der sich noch 2018 vergeblich auf den Posten des Vorstandsbosses bei Bayer Leverkusen beworben haben soll, steht schon länger bei den Fans in der Kritik und müsste bei einem Abstieg wohl ebenfalls gehen. Sicher im Sattel sitzt trotz der riesigen Schalker Verbindlichkeiten nur Finanzvorstand Christina Rühl-Hamers, denn die 44-Jährige ist erst seit Oktober offiziell im Amt.

In einem ihrer seltenen Interviews hat Rühl-Hamers allerdings Anfang der Woche etwas Hoffnung verbreitet und der weit verbreiteten Sorge widersprochen, Schalke könne bei einem Abstieg mangels Liquidität die Lizenz für die Zweite Liga verweigert werden.

"Wenn es um eine Saison in der 2. Liga geht, bin ich überzeugt, dass Schalke 04 das hinbekäme, ohne allzu viel an Konzepten und Strukturen verändern zu müssen", sagte sie dem kicker und schränkte die Höhe der Verbindlichkeiten zwischen den aktuell bekannten 205,3 Millionen Euro (zum 30. Juni 2020) und unter 240 Millionen Euro ein.

Schalke 04: Lizenz für die zweite Liga offenbar nicht in Gefahr

Auch nach Informationen von SPOX und Goal ist die Lizenzerteilung für das Unterhaus nicht in Gefahr, da der eingetragene Verein auf der Gegenseite über hohes Eigenkapital verfügt: Der abbezahlten Arena sowie den Marketing- und Cateringrechten. Zudem sind die Namensrechte am Stadion bis 2027 für jährlich 6,5 Millionen Euro an Veltins vergeben und Ausrüster Umbro zahlt bis 2023 noch acht Millionen Euro pro Saison.

Trotzdem bleiben große Zweifel, wie Schalke angesichts der drohenden Mindereinnahmen eine konkurrenzfähige Mannschaft zusammenstellen will, um direkt wieder aufzusteigen. Denn abgesehen von den hohen Zinsen aufgrund der horrenden Verbindlichkeiten reißen die Corona-Folgen durch fehlende Zuschauer sowie Verluste im Sponsoring große Löcher in den Etat.

Zudem würde Schalke in der 2. Bundesliga rund 18 Millionen Euro weniger an TV-Einnahmen bekommen. Noch gravierender: Der Vertrag mit Hauptsponsor Gazprom über 20 Millionen jährlich gilt nur für die Bundesliga und müsste neu verhandelt werden.

S04: Tönnies würde helfen - aber der Klub will das Geld nicht

Helfen könnte dabei sicher ein Mann, von dem sich Schalke allerdings nicht mehr helfen lassen will: Clemens Tönnies, der den lukrativen Deal mit Gazprom 2006 aufgrund seiner guten Verbindungen zu seinem "Männerfreund", dem russischen Präsidenten Wladimir Putin, an Land gezogen hat.

Vergangenen Sommer war Tönnies nach anhaltender Kritik an seiner Amtsführung und aufgrund des Corona-Ausbruchs in seinem Fleischunternehmen in Rheda-Wiedenbrück nach 21 Jahren als S04-Aufsichtsratsvorsitzender zurückgetreten, mischt aber im Hintergrund noch immer mit.

Entsprechend groß war die Empörung bei zahlreichen Anhängern, als der 64-Jährige beim Auftaktspiel beim FC Bayern auf Einladung von Uli Hoeneß mitten in der Schalker Delegation saß, als wäre er nie weg gewesen. Hartnäckig hält sich zudem die Sorge, der Milliardär könnte als mächtiger Anteilseigner einsteigen, wenn Schalke tatsächlich die Profiabteilung ausgliedern sollte.

Doch so dringend die klammen Knappen auch Geld brauchen, so wenig wollen sie es offenbar von Tönnies haben. Das zeigte sich vor wenigen Wochen, als sich der einstige Alleinherrscher bereit erklärt hatte, dem Verein rund zwölf Millionen Euro zusätzlich durch eine Erhöhung des Sponsoringvertrags mit einer seiner Firmen zuzuschießen.

Allerdings scheiterte die Finanzspritze, die Schalke für Neuzugänge gut hätte gebrauchen können, an Tönnies' Bedingung: einem einstimmigen Beschluss des Aufsichtsrats.

FC Schalke 04: Welche Rolle spielt Ex-Vorstand Peter Peters?

Nach Angaben der Bild-Zeitung kamen die Gegenstimmen von Fanvertreter Heiner Tümmers und von Ulrich Köllmann, Geschäftsführer der Emscher Lippe Energie GmbH. Dieser wiederum gilt als Vertrauter des langjährigen Schalke-Vorstands Peter Peters, der den Klub vergangenen Juni nach 27 Jahren offenbar auf Druck von Tönnies verlassen musste. Nicht wenige vermuten in der Ablehnung des Angebots nun die Retourkutsche von Peters, dessen Verhältnis zu Tönnies am Ende von Insidern als "toxisch" beschrieben worden war.

So wenig derzeit für eine Rückkehr von Tönnies spricht, so hartnäckig halten sich Gerüchte über ein Comeback von Peters. Angeblich soll der 58-Jährige konkret über eine Kandidatur für den Schalker Aufsichtsrat nachdenken, er selbst will das aber nicht bestätigen. Sollte es tatsächlich so kommen, könnte Peters als absoluter Vereinskenner sogar wieder zu einem der mächtigsten Königsblauen aufsteigen.

Zusammensetzung des neuen S04-Aufsichtsrats entscheidend

Das wird aber entscheidend abhängen von der Zusammensetzung des bislang mehrheitlich mit Tönnies-Vertrauten besetzten Aufsichtsrats nach der verspäteten Mitgliederversammlung, die nun für den 13. Juni terminiert wurde.

Dann wird die Saison seit rund drei Wochen beendet sein und Schalke dürfte als Absteiger feststehen - gut möglich, dass dies zu einer Abwahl der bisher Verantwortlichen und einer Runderneuerung im Kontrollgremium führt.

Die maßgebliche Beteiligung an der finanziellen und sportlichen Krise könnte Peters also auf die Füße fallen, wenn er sich zur Wahl stellt. Es könnte aber auch sein, dass der hervorragend vernetzte Multifunktionär mit seinen herausragenden Kontakten in der DFL punkten kann, die für die wirtschaftlich angeschlagenen Schalker vielleicht noch überlebenswichtig sein könnten.

Peter Peters: Nach DFL und DFB bald auch FIFA-Führungsrolle

Um entsprechenden Einfluss zu nehmen, war Peters 2005 vom damaligen S04-Boss Rudi Assauer ins DFL-Präsidium entsandt worden, seitdem arbeitete er sich hoch bis zu seiner aktuellen Rolle als Stellvertreter von Geschäftsführer Christian Seifert, Vorsitzendem des DFL-Aufsichtsrat, erstem DFB-Vizepräsidenten für den Profi-Fußball und künftigem Mitglied im FIFA-Council.

All diese Ämter könnte Peters mit einem Aufsichtsratsmandat bei Schalke absichern. Zwar ist ein Posten in einem Verein keine explizite Bedingung für die anderen Funktionen, aber außer dem hauptamtlichen Seifert und eben Peters haben sämtliche Mitglieder im Präsidium des Ligaverbandes auch Führungsrollen bei Klubs der 1. und 2. Bundesliga.

Klarheit über die Pläne wird in Kürze bestehen, denn in den nächsten Wochen müssen die Bewerber für den Schalker Aufsichtsrat ihre Kandidatur erklären. Man darf also gespannt sein, ob neben Peters noch andere bekannte Gesichter ihren Hut in den Ring werfen.

Unter anderem hatte Ex-Profi Hans Sarpei dies angekündigt. Dennoch traurig, dass die spannendsten Geschichten auf Schalke in den kommenden Monaten ziemlich sicher neben dem Platz passieren werden.

Bundesliga-Tabelle: Schalke 04 acht Punkte hinter Platz 16

PlatzTeamSp.ToreDiffPkt.
13.Werder Bremen1719:25-618
14.Hertha BSC1723:28-517
15.Arminia Bielefeld1713:24-1117
16.1. FC Köln1715:28-1315
17.1. FSV Mainz 051715:36-217
18.Schalke 041714:44-307
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