Fussball

BVB - Mario Götze im Interview: "Ich war früher in allem sehr extrem"

Von Haruka Gruber
Mario Götze absolvierte bislang 262 Bundesligaspiele und erzielte 77 Tore.

Ihr Vertrag läuft 2020 aus. Heutzutage ist es eigentlich Usus, dass man vor seinem letzten Vertragsjahr verlängert oder eben verkauft wird. Wie ist der aktuelle Stand bei Ihnen?

Götze: Eigentlich relativ entspannt. Ich wollte die Saison vernünftig spielen und meine Leistung bringen. Alles Weitere wird sich demnächst zeigen. Wenn man die vergangene Saison sieht, ist alles sehr positiv gelaufen. Wenn wir jetzt noch um Titel mitspielen können, steht dem Ganzen auch nichts im Wege. Aber momentan zählen für mich andere Dinge und ich habe ja noch ein Jahr Vertrag, weshalb ich da entspannt bin.

Ganz Deutschland scheint zu wissen, wie viel Sie verdienen. Stört Sie das?

Götze: Auch das sehe ich ziemlich entspannt. Jeder hat seinen Wert, der Verein muss im Endeffekt entscheiden. Aber klar: In die Medien gehören solche finanzielle Themen eigentlich nicht.

Sie werden entspannt in die neue Saison gehen, auch ohne einen neuen Vertrag zu haben?

Götze: Ja, auf jeden Fall. In einer Saison kann so viel passieren, das hat man in den vergangenen Jahren gesehen. Man weiß nicht wirklich, wo man steht, persönlich, aber auch als Mannschaft. Ich persönlich habe zum Beispiel am Anfang der vergangenen Saison kaum gespielt. Dennoch bin ich momentan sehr optimistisch. Der Trainer und das Team machen einen sehr positiven Eindruck.

Spüren Sie, dass sich Ihr Marktwert zuletzt erhöht hat?

Götze: Ja. Es ist aber auch logisch, wenn man gute Leistungen zeigt und wie in der vergangenen Saison um den Titel mitspielen kann. Für mich ist es wichtig, weiterhin auf diesem Niveau zu spielen und auch die Chance zu haben, in der Champions League weit zu kommen. Eine Spielerkarriere ist so kurz - da ist die Möglichkeit, Titel zu gewinnen, ein wichtiger Faktor.

Sie sind 27. Wie alt fühlen Sie sich?

Götze: Ich habe am Anfang meiner Karriere sehr viel erlebt und erreicht, auch mit der Nationalmannschaft ist alles unheimlich schnell gegangen. Ich bin also gedanklich schon lange dabei, komme jetzt in meine zehnte Bundesligasaison. Und trotzdem bin ich erst 27.

Ausland ist für Mario Götze "natürlich ein Thema"

Reizt Sie das Ausland?

Götze: Es ist natürlich ein Thema, weil es jetzt eben meine zehnte Bundesligasaison ist. Im Fußball kann alles passieren, aber es ist nicht so, dass ich mir generell Gedanken gemacht habe, wo ich unbedingt mal spielen möchte. Stand jetzt habe ich noch ein Jahr Vertrag in Dortmund und fühle mich in der Bundesliga wohl. Sonst hätte ich hier nicht schon so lange gespielt.

Durch die Neuverpflichtungen bekommen Sie noch mehr Konkurrenz. Sehen Sie das positiv oder negativ?

Götze: Eigentlich positiv. Ich mag es, wenn Konkurrenzkampf da ist und wir qualitativ hochwertige Spieler haben. So können wir das nächste Level erreichen, um dann hoffentlich in der Bundesliga den finalen Punch zu haben und in der Champions League weit zu kommen. Ich finde eine gesunde Leistungskultur gut, ein fairer Konkurrenzkampf kann da nur förderlich sein. Deswegen finde ich es gut, dass Spieler geholt wurden, die uns weiterhelfen können.

Was halten Sie von Julian Brandt?

Götze: Ich finde Julian Brandt sehr, sehr gut, habe ihn bei der Nationalmannschaft kennengelernt und glaube, dass er uns nochmal auf ein höheres Level bringen kann - gerade wenn man seine Leistungen aus der vergangenen Saison sieht. Er kann uns sowohl auf den Außenbahnen als auch im Zentrum nach vorne bringen. Das war ein sehr guter Transfer.

Wie sehen Sie Thorgan Hazard?

Götze: Bei Gladbach und der belgischen Nationalmannschaft hat er sehr gute Leistungen gezeigt. Wie gesagt, finde ich es sehr gut, wenn wir gute Spieler holen und der Konkurrenzkampf da ist, um das nächste Level zu erreichen. Das wird uns definitiv weiterhelfen, um noch erfolgreicher und besser zu werden. Dadurch wird auch die Qualität im Training nochmal ansteigen.

Sehen Sie es als Vorteil, dass Sie auf der Acht, Neun und Zehn spielen können?

Götze: Es ist wichtig, eine gewisse Flexibilität zu haben. Heutzutage ist es so, dass immer mehrere Systeme gespielt werden. Da kann es nie schaden, flexibel einsetzbar zu sein. Das ist eine meiner großen Stärken.

Mario Götze im Steckbrief

Geburtstag3. Juni 1992
GeburtsortMemmingen
PositionOffensives Mittelfeld
Starker FußRechts
ProfivereineBorussia Dortmund, FC Bayern, Borussia Dortmund

Mario Götze schwärmt von Marco Reus

Marco Reus hat im vergangenen Sommer seinen Vertrag verlängert und will längerfristig bleiben. Ist die Vertragsverlängerung auch ein Grund für seine starke Leistung in der vergangenen Saison?

Götze: Ich glaube schon, dass es beflügeln kann, wenn man sich im Verein wohlfühlt und eine gewisse Konstanz hat. Aber da ist jeder unterschiedlich. Für Marco war immer klar, dass er wahrscheinlich in Dortmund bleibt und dort spielen möchte. Erstmal freut es mich für ihn, dass er so viel und stabil spielen kann - gerade wenn man seine Verletzungsgeschichte sieht. Marco hat besonders in der letzten Saison eine überragende Leistung gezeigt.

Fußball ist heutzutage in erster Linie ein Geschäft. Spüren Sie dennoch so etwas wie Dankbarkeit für den BVB?

Götze: Ich habe in der Jugend für Dortmund gespielt, die ersten Schritte in Dortmund gemacht und bin Kloppo sehr dankbar. Für das Vertrauen, das er und der Verein mir gegeben haben. Auch beim Wechsel zu Bayern war ich dem Verein und Pep dankbar, dass ich die Möglichkeit bekommen habe, auf diesem Niveau zu spielen. So ist es jetzt auch. Ich bin vor allem sehr froh, dass ich nach meiner Rückkehr wieder die Fans im Rücken habe. Natürlich musste man dafür auch Leistung zeigen, es ist also immer ein Geben und Nehmen. Und dann haben auch beide Seiten eine gewisse Dankbarkeit für die jeweiligen Dinge.

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