Fussball

BVB - Mario Götze im Interview: "Ich war früher in allem sehr extrem"

Von Haruka Gruber
Mario Götze absolvierte bislang 262 Bundesligaspiele und erzielte 77 Tore.

In der Doku haben Sie auch über Themen wie Yoga und Meditation gesprochen. Haben Sie sich damit im vergangenen Jahr noch intensiver beschäftigt?

Götze: Beide Dinge waren schon immer ein Teil meiner Routine, aber sie sind für mich noch wichtiger geworden. Es geht dabei auch darum, sich selbst noch besser kennenzulernen.

Bei der Nationalmannschaft und bei einigen Bundesligisten wird Meditation angeboten, aber noch nicht von vielen angenommen. Was sagen Sie den Kritikern?

Götze: Wenn es um mentale Frische geht, gewinnt das Thema Meditation immer mehr an Bedeutung. Meditation ist eine sehr persönliche Sache. Jeder muss damit seine eigenen Erfahrungen machen. Daher finde ich es gut, wenn man es auf einer freiwilligen Basis anbietet. Für mich persönlich sind sowohl Yoga als auch Meditation ein guter Ausgleich. Eine Art alternatives Training, das mir hilft.

Das Sie fußballerisch weitergebracht hat?

Götze: Ich bin auf jeden Fall gelassener geworden, im Leben und im Fußball. Ich habe gelernt, die Dinge so zu nehmen, wie sie kommen. Dann versuche ich, das Beste aus der Situation zu machen.

Als Werbefigur scheinen Sie zuletzt wieder spannender geworden zu sein. Liegt das auch daran, dass Sie entspannter geworden sind und gewisse Dinge quasi automatisch zu Ihnen kommen?

Götze: Es ist ein Zusammenspiel aus vielen Dingen, dazu zählen natürlich in erster Linie die eigenen Leistungen und der sportliche Erfolg. Aber ja: Ich bin mittlerweile davon überzeugt, dass man viel mit positiven Gedanken lösen kann.

Vor kurzer Zeit gab es von der Bild-Zeitung die Schlagzeile 'Mario Götze ist Flexitarier'. Ist Ihnen das Thema Ernährung noch wichtiger als vor einem Jahr?

Götze: Es hat schon immer eine große Rolle gespielt. Den richtigen Weg zu finden und zu wissen, was zu einem passt, ist eine große Herausforderung. Es ist ein Prozess. Bis man sich wohlfühlt, muss man viel ausprobieren. Ernährung ist ein großes Thema für die Gesundheit und meine Leistung.

Mario Götze: "Versuche, sehr clean und pflanzenbasiert zu essen"

Wie ernähren Sie sich aktuell?

Götze: Ich versuche, zu 80 bis 90 Prozent sehr, sehr clean und pflanzenbasiert zu essen und bei den anderen 10, 20 Prozent nicht ganz so strikt zu sein. Damit fühle ich mich derzeit gut.

Ist auch mal eine Pizza, Burger oder Pommes drin?

Götze: Na klar. Wenn ich im Urlaub oder auf einer Veranstaltung bin, will ich mich nicht explizit auf meine Ernährung konzentrieren. Deswegen lasse ich mir einen gewissen Puffer.

Inwieweit hat sich Ihr Körper im Laufe der Zeit verändert?

Götze: Ich habe verschiedenen Phasen durchlaufen. Als ich jung war, habe ich nicht immer so sehr auf die Ernährung geachtet. Dann gab es Phasen, in denen ich wieder mehr darauf geachtet habe.

Sie haben von einem 80/20-Verhältnis gesprochen. War das vor zwei, drei Jahren noch bei 100 zu null?

Götze: Definitiv. Ich war früher in allem sehr extrem. In jeder Hinsicht galt ganz oder gar nicht. Die Balance zu finden, ist entscheidend. Das gilt für die Ernährung genauso wie für den Schlaf oder andere Themen, die rund um den Fußball wichtig sind.

Sie schauen viel Tennis - auch um gewisse Routinen zu entdecken?

Götze: Einerseits interessieren mich die Einzelsportler, die ihr eigenes Team haben. Es ist super spannend zu sehen, wie sie sich vorbereiten - auch unabhängig von den Turnieren, die ich mir natürlich anschaue, wenn interessante Spiele stattfinden. Gerade bei Spielern wie Nadal, Djokovic und Federer, die schon lange auf hohem Niveau spielen, ist die Herangehensweise extrem interessant. Andererseits spiele ich auch ab und zu in der Freizeit Tennis, wenn es die Zeit zulässt, weshalb ich es auch manchmal aus anderen Aspekten sehe. Es ist nicht so, dass ich im Detail alle Situationen verstehe und alle Hintergründe kenne, trotzdem würde ich mich als extrem tennisinteressiert beschreiben.

Mario Götze: Roger Federer? "Gigantisch"

Welche Eigenschaften finden Sie an Nadal spannend?

Götze: Ich finde es generell spannend, wie unterschiedlich Federer, Nadal und Djokovic sind. Sie spielen alle auf ihre ganz eigene Art und sind allesamt erfolgreich. Bei Nadal, der mutmaßlich besonders über den Körper und Arbeit kommt, ist es besonders beeindruckend, dass er trotz der Verletzungen und den Phasen, die er durchgemacht hat, auf diesem Level spielt.

Djokovic ist vielleicht der größte Allrounder, hat aber eine mentale Pause gebraucht, um zurückzukommen.

Götze: Er hat eine interessante Karriere mit vielen Erfolgen, aber auch Rückschlägen hinter sich. Dieses Auf und Ab ist spannend. Ich habe sein Buch gelesen, in dem es viel um Ernährung und Optimierung geht. Dass er den Fokus stark auf den Recovery-Prozess gelegt hat, finde ich interessant. Tennis ist ein extrem intensiver Sport, die Spieler müssen sich jedes Jahr neu beweisen, um in der Weltrangliste Punkte zu holen. Das ist eine Aufgabe, an der man stetig dranbleiben und wachsen muss. Man darf sich keine Aussetzer und Verletzungen erlauben. Es ist also auch ein enormer Druck, sowohl mental als auch körperlich.

Was finden Sie an Federer besonders interessant?

Götze: Sein technisch versiertes Spiel und die Leistung an sich, die er in seinem Alter bringt. Er macht einen sehr ausgeglichen, guten und fitten Eindruck. Es ist schon gigantisch, was er heute noch leistet.

Ist es Ihr Ziel, auch noch mit 36, 37 Jahren ganz oben mit dabei zu sein?

Götze: Im Fußball gehört man mit 30 Jahren in der Wahrnehmung schon zu den Älteren. Ich sehe das ein bisschen anders, weil sich jeder zu unterschiedlichen Zeitpunkten unterschiedlich fühlt. Es gibt so viele Faktoren, die eine Rolle spielen. Ich persönlich werde in den kommenden Jahren einfach schauen, wie es läuft und wie es mir geht. Wenn ich noch Spaß an der Sache habe und mein Körper und Geist noch fit genug sind, warum sollte ich dann nicht auch noch mit 36 oder 37 Jahren spielen?

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