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Fussball

Die Gründungsgeschichte des BVB - als Film!?

Von Interview: Jochen Tittmar
BVB-Gründer Franz Jacobi (ganz rechts) und der "Ball Spiel Verein Borussia"

SPOX: Inwiefern lässt sich denn sagen, dass Ihr den Film ein paar Jahre zu spät macht?

Gruszecki: Natürlich hätten wir den Film idealerweise gerne in den 1960er Jahren gemacht, als Jacobi noch in Dortmund lebte und man alles hätte dokumentieren können. Wir machen den Film also definitiv viel zu spät, aber das lässt sich leider nicht mehr ändern. Es geht jetzt aber gerade noch so, weil noch eine Generation lebt, die die Gründer persönlich kannte und etwas über die Zeit und Personen erzählen kann.

SPOX: War es schwer, die Nachfahren von Jacobi ausfindig zu machen? Was sagt denn die Familie, die mittlerweile in Salzgitter lebt, zu Euren Bestrebungen?

Quambusch: Wir haben einfach gesagt, dass wir mal alle sechs Jacobis in Salzgitter anrufen werden. Als ersten hatten wir dann zufällig Gerrit Jacobi an der Strippe. Es stellte sich heraus, dass Franz sein Urgroßvater war und er selbst großer BVB-Fan ist. Janni und ich konnten es nicht fassen.

Gruszecki: Die Familie ist total glücklich, dass sich jemand diesem Projekt annimmt und um die Familiengeschichte kümmert. Sie hatten in den 1990er Jahren mehrmals versucht, Kontakt zum Verein aufzunehmen, der BVB hatte sich zur damaligen Zeit aber nicht wirklich darum gekümmert. Deshalb haben wir jetzt auch deren volle Unterstützung.

SPOX: Ihr seid bei der Finanzierung des Projekts auf Hilfe von außerhalb angewiesen. Über die Plattform "startnext.de" kann man Euch unterstützen. Derzeit habt Ihr rund 100.000 Euro beisammen. Wo liegt das Minimalziel, um den Film realisieren zu können?

Quambusch: 120.000 Euro sind das Minimalziel, das große Ziel sind aber 250.000 Euro. Die Spanne erklärt sich dadurch, dass man bei historischen Filmen sehr unterschiedliche Möglichkeiten der Realisierung hat. Wir würden gerne sogenannte "Re-Enactments" einsetzen, um wichtige Eckpunkte der BVB-Geschichte historisch korrekt nachzustellen. Die 120.000 Euro wären also sozusagen die schmale Version. Wir sind aber relativ sicher, dass wir am Ende in die Nähe der 250.000 kommen werden. Aber eben nur, wenn sich jeder BVB-Fan auch aufgerufen fühlt, uns zu helfen.

SPOX: Wieso läuft die Möglichkeit zu spenden am 5. September aus?

Gruszecki: In Absprache mit "www.startnext.de" haben wir uns für eine Laufzeit von zweieinhalb Monaten entschieden. Es darf nicht zu lange sein, weil in der Mitte traditionell wenig passiert und das meiste Geld am Anfang und am Ende fließt. Irgendwann muss es ja auch mal zu Ende sein, damit wir nicht nur wissen, welcher Betrag uns zur Verfügung steht, sondern auch aus der Phase der Akquise herauskommen und uns der intensiven Recherche widmen zu können.

SPOX: Welchen "Nutzen" hat man als Unterstützer?

Quambusch: Wenn man 9,09 Euro spendet, bekommt man eine Nennung im Abspann. Gibt man 19,09 Euro, bekommt man dazu noch die DVD, bei 39,09 Euro gibt's DVD und T-Shirt. Bei 19.909 Euro erhält man ein Replikat der Ehrenurkunde von Franz Jacobi sowie eine exklusive Filmvorführung.

Gruszecki: Wer 19,09 Euro gibt und dafür eine DVD bekommt, der macht jetzt nicht den größten Schnapper wie auf dem Wühltisch, aber er bekommt einen wirklich adäquaten Gegenwert.

SPOX: Inwiefern ist Borussia Dortmund an diesem Projekt beteiligt und wie sah das erste Feedback des Vereins aus?

Gruszecki: Das Feedback vom BVB war für uns das Startsignal dafür, sicher zu sein, das Projekt auch wirklich umsetzen zu können. Hans-Joachim Watzke hat uns nach dem ersten Gespräch sofort zugesichert, mindestens 25.000 Euro von der KGaA zu bekommen. Auch Dr. Reinhard Rauball ist sehr begeistert, vom Verein bekommen wir nochmal 25.000. Es war auch wichtig, direkt zu wissen, dass der Klub wirklich dahintersteht und uns kommunikativ unterstützt - und das, ohne uns reinzureden. Wir haben freie Handhabe.

Quambusch: Es soll aber auch kein offizielles BVB-Produkt werden, sondern eines, das von der ganzen großen Borussen-Familie, vom Fan auf der Südtribüne bis hin zum VIP, getragen wird. Es muss die Aufgabe von allen Dortmunder Anhängern sein, unsere Geschichte zu erhalten. Wir sind alle Borussia, daher zählt quasi jeder schwarzgelbe Euro (lacht).

SPOX: Was würde mit den Einnahmen der DVD geschehen, wenn der Film produziert werden sollte?

Quambusch: Wir sind uns sicher, dass wir den Film produzieren werden. Sobald es soweit ist, sind wir raus aus dem Projekt. Alle Erlöse aus den DVD-Verkäufen werden in soziale Projekte und Stiftungen gehen, die mit Borussia Dortmund oder der Stadt Dortmund zu tun haben. Wir machen uns damit nicht die Taschen voll.

SPOX: Am kommenden Samstag werden Gebeine der Jacobis, nachdem das Grab in Salzgitter bereits eingeebnet worden war, auf dem Dortmunder Südwestfriedhof bestattet. Wie ist es dazu gekommen?

Quambusch: Durch den Kontakt mit der Familie haben wir erfahren, dass das Grab der Jacobis 2010 entfernt wurde. Wir haben dann festgestellt, dass die Grabstätte nicht neu vergeben wurde. Es war daraufhin der ausdrückliche Wunsch der Familie, dass Franz Jacobi und seine Frau Lydia nach Dortmund verlegt werden. Der BVB unterstützt uns bei diesem Vorhaben und finanziert die komplette Umbettung.

Gruszecki: Jacobi ist in Dortmund geboren und hat bis 1972 dort gelebt, seine Frau ebenfalls. Das war also eine Dortmunder Familie und die gehört nach Dortmund. Es war persönlichen Umständen geschuldet, dass sie in Salzgitter begraben wurden.

SPOX: Was genau ist am Samstag zu Ehren Jacobis geplant?

Gruszecki: Erstmal: Die Beerdigung hat nichts mit dem Film zu tun und wird auch nicht gefilmt. Dieses Thema ist lediglich im Rahmen der Recherche aufgetaucht. Um 10 Uhr findet in der Dreifaltigkeitskirche ein Erinnerungsgottesdienst statt. Diese Kirche spielte in der Gründungsgeschichte des Vereins übrigens eine wichtige Rolle, weil der BVB im Prinzip eine Abspaltung einer Jugendorganisation dieser Kirche ist. Reinhard Rauball und Gerrit Jacobi werden jeweils eine Rede halten, dazu werden die Gebete und Lieder, die vorgetragen werden, sehr viel BVB-Bezug haben.

Quambusch: Das wird eine fast schon fröhliche, respektvolle Veranstaltung werden. Um 12 Uhr findet auf dem Südwestfriedhof dann die eigentliche Beisetzung statt. Wir wünschen uns, dass viele Borussen kommen werden und damit gerade in den aktuell so erfolgreichen Zeiten ein Zeichen setzen, dass ihnen die Geschichte ihres Vereins am Herzen liegt.

SPOX: Wann würde der Film spätestens veröffentlicht?

Quambusch: Wir hoffen, dass wir es bis zum 126. Geburtstag von Franz Jacobi, also im Juli 2014, schaffen werden. Das ist das Ziel, das wir aktuell anvisieren.

SPOX: Zum Schluss: Wenn Ihr ein Kapitel aus den Gründerjahren des BVB streichen könntet, welches wäre das?

Gruszecki: Wir haben bis 1947 gebraucht, um das erste wichtige Derby gegen die Blauen zu gewinnen: Vorher gab es Jahrzehnte nur auf die Mütze...

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