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Fussball

Wer hat das Zeug zum Herbstmeister?

Von Florian Bogner
Die Mainzer Szalai und Holtby feierten in Leverkusen schon den achten Sieg im neunten Saisonspiel
© Getty

Mainz 05, Borussia Dortmund, Hannover 96, 1899 Hoffenheim und Bayer Leverkusen halten sich seit Saisonbeginn in der Bundesliga-Spitzengruppe. Doch wer hat wirklich das Zeug dazu, dauerhaft oben zu stehen? Ein Überblick über Stärken - und Stolperfallen.

FSV Mainz 05 (1., 19:8 Tore, 24 Punkte)

Situation: 24 Punkte nach neun Spielen - nur Bayern erzielte 98/99 einen mehr. Viele Experten prophezeiten Mainz nach der unglücklichen 0:1-Heimniederlage gegen den HSV einen Einbruch. Gegen Leverkusen machte es aber eher den Eindruck, dass das HSV-Spiel nur ein Ausrutscher war. Signifikant: Vor allem auswärts war Mainz stets das stärkere Team und schlug in der Fremde schon die CL-Aspiranten Wolfsburg (4:3), Bremen (2:0), Bayern (2:1) und Leverkusen (1:0). Der Lohn: Mainz hat jetzt schon neun Punkte Vorsprung auf Platz vier.

Stärken: Das Mainzer "Wir"-Gefühl ist nicht nur ein Marketing-Gag, sondern das Ergebnis seriöser und unaufgeregter Vereinspolitik. Beim FSV ziehen Mannschaft, Trainer und Vorstand wirklich an einem Strang. Dazu gelingt derzeit beinahe alles, was Coach Tuchel anfasst. Trotz Rotation gibt es keine unzufriedenen Spieler im Kader - was natürlich auch mit dem Erfolg zusammenhängt. Bei Aufstellung und Auswechslungen beweist der Coach stets ein glückliches Händchen. So treten im Kader bislang auch kaum Verschleißerscheinungen auf. Braucht jemand eine Pause, spielt ein anderer mindestens genau so gut. Mainz hat zudem die beste Chancenverwertung der Liga und ist körperlich so fit, dass Tuchels "Matchplan" im zweiten Durchgang meist besonders zur Geltung kommt (15:2 Tore nach der Pause). Killer-Statistik: Immer, wenn Mainz 1:0 in Führung ging, gewann der FSV auch.

Was kann Mainz stoppen? Die junge Mainzer Mannschaft schwimmt auf einer Euphoriewelle - hat aber wenig Erfahrung im Kampf um den Titel. Momentan spielen fast alle Spieler überdurchschnittlich - mal sehen, wann der erste kleine Leistungsknick kommt und was passiert, wenn die Unbekümmertheit erste Risse bekommt. Tuchels Wechselspielchen geben zudem zwar einer Vielzahl von Spielern eine Chance, können aber bei Misserfolgen schnell auch nach hinten losgehen und bei einzelnen Spielern zu Unzufriedenheit führen.

Mainz 05: Alle Ergebnisse auf einen Blick

 

Borussia Dortmund (2., 21:7 Tore, 22 Punkte)

Situation: Das 1:1 gegen Hoffenheim bedeutete zwar das Ende der Siegesserie (7 Spiele) und den Verlust der Tabellenspitze, der BVB darf sich aber nach dem späten Ausgleichstor dennoch als moralischer Sieger fühlen und kann mit einem guten Gefühl zum Pokalspiel nach Offenbach und zum Bundesliga-Topspiel nach Mainz fahren. Insgesamt fällt auf, dass Dortmund in dieser Saison in engen Spielen immer punktet, während man zuvor zu oft remis spielte bzw. knapp verlor.

Stärken: Die Dortmunder Mannschaft ist trotz zahlreicher U-23-Spieler in der Startformation reifer als im vergangenen Jahr, hat oftmals auch in engen Situationen eine Antwort parat (4 Tore in der Schlussviertelstunde) und neben der ohnehin schon starken Physis an spielerischer Klasse gewonnen. Kein Team schießt so zielgenau aufs Tor wie der BVB, dazu ließ die Defensive bislang die wenigsten Torschüsse und die wenigsten Gegentore (7) zu. Der Kader ist vor allem im Mittelfeld sehr tief, Klopp hat dort genügend und vor allem sehr flexibel einsetzbare Alternativen zur Verfügung.

Was kann Dortmund stoppen? Beim BVB war in der vergangenen Woche bei den zwei Unentschieden in den Heimspielen gegen Paris und Hoffenheim schon ein leichter Verschleiß spürbar. Die berühmte Dreifachbelastung hinterlässt erste Spuren, was die geistige Frische angeht. Mittelfristig könnte sich das dicke Programm aber auch auf die Physis auswirken, die das Faustpfand der Borussia ist - prompt würden enge Spiele auch mal anders herum ausgehen. Außerdem verfolgt die Borussia in den letzten Jahren fast schon traditionell ein Verletzungspech, von dem man in dieser Saison bislang einigermaßen verschont blieb.

Borussia Dortmund: Alle Ergebnisse auf einen Blick

 

Hannover 96 (3., 13:12 Tore, 16 Punkte)

Situation: Nach dem Pokal-Aus in Elversberg war Slomka in der öffentlichen Wahrnehmung schon fast entlassen - und nun dreht 96 der Konkurrenz von Platz drei aus die lange Nase. Das ist eine schöne Momentaufnahme, mehr aber wahrscheinlich auch nicht. Mit 16 Punkten aus neun Spielen ist immerhin noch kein Verein abgestiegen. Und auch wenn Platz 13 nur sechs Punkte entfernt ist: Hannover sollte mit dem Abstiegskampf in dieser Saison nichts zu tun haben.

Stärken: Slomka hat eine unangenehme Truppe zusammengestellt, die jedem Gegner durch Einsatzwillen, Laufbereitschaft und Zweikampfhärte das Leben schwer machen kann. Dazu hat 96 in Ya Konan und Abdellaoue zwei Stürmer, die den Unterschied ausmachen können - siehe Ya Konan gegen Köln und Abdellaoue gegen Lautern. Bei einer Führung besitzt 96 zudem exzellente Konterqualitäten.

Was kann Hannover stoppen? Die fehlende spielerische Klasse wird dafür sorgen, dass Hannover in der Tabelle mittelfristig wieder in bekanntere Gefilde wandern wird. Bislang profitierte Hannover bei seinen Siegen auch davon, dass die Gegner zu der Phase, als man gegen 96 spielte, stark verunsichert waren (Schalke, Bremen, Lautern, Köln). Hannover konnte so abwarten und auf Konter setzen. Sollte die Slomka-Elf aber mal selbst das Spiel machen müssen, ist 96 mit seinem Latein schnell am Ende. Als Beispiel dafür diente bereits das 0:1 gegen St. Pauli.

Hannover 96: Alle Ergebnisse auf einen Blick

 

1899 Hoffenheim (4., 17:13 Tore, 15 Punkte)

Situation: Die Rangnick-Elf hat sich in der immer noch jungen Saison bereits eine Auszeit von vier Spielen ohne Sieg genommen, steht dafür aber noch gut da und stünde ohne die späten Punktverluste gegen Bayern und Dortmund sogar auf Platz drei. Vor allem in Heimspielen läuft die Torfabrik von Hoffenheim fast schon wieder wie zu alten Zeiten (10 Tore in 4 Spielen).

Stärken: Hoffenheim präsentiert sich seit dem Weggang von Carlos Eduardo wieder als Einheit und zeigt ein deutlich üppigeres Repertoire an Spielplänen als noch vor zwei Jahren. In Dortmund versuchte sich die Mannschaft fast 93 Minuten lang als defensives Bollwerk und machte gegen die derzeit beste Offensive der Liga einen tollen Job. Spieler wie Luiz Gustavo oder Tom Starke (hielt 2010 schon vier Elfmeter) blühen auf, die Mannschaft wirkt gefestigt und lässt sich auch von Rückschlägen nicht aus der Ruhe bringen. Die Stärke bei ruhenden Bällen (schon acht Tore) macht zudem oft den Unterschied aus.

Was kann Hoffenheim stoppen? Wie gegen Bayern und Dortmund gesehen, neigt 1899 dazu, enge Spiele abzugeben - dafür agiert die Mannschaft oft einfach noch zu unerfahren. Acht Gegentore nach ruhenden Bällen und Undiszipliniertheiten (siehe Salihovic) sind hierfür exemplarisch zu nennen. Zudem probiert Rangnick immer noch Systeme und Spieler aus - eine Stammelf kann sich so kaum einspielen.

1899 Hoffenheim: Alle Ergebnisse auf einen Blick

 

Bayer Leverkusen (5., 18:15 Tore, 15 Punkte)

Situation: Leverkusen ist von den Top Four der letzten Saison noch am besten gestartet und hat sich ein kleines Polster auf die Konkurrenz aus München (3 Punkte), Wolfsburg (5), Stuttgart (8) und Schalke (9) erarbeitet. Allerdings hat sich Bayer früh in der Saison auch schon zwei Heimpleiten geleistet - beide nach Europa-League-Auswärtsspielen. Dafür, dass Bayer angesichts der Verletzungen von Ballack, Hyypiä, Kießling, Renato Augusto und Castro personell aus dem letzten Loch pfeift, steht man in Liga und Europacup (Tabellenführer Gruppe A) aber noch passabel da.

Stärken: Der erfahrene Trainer Heynckes kann mit seinen variablen Mittelfeldspielern mehrere Systeme spielen lassen und so für verschiedene Anforderungen Lösungen erstellen. Acht Tore nach Standardsituationen sind zudem zusammen mit Hoffenheim Ligaspitze, auch wenn derzeit einige kopfballstarke Spieler (Ballack, Kießling, Hyypiä) bzw. Vorbereiter (Renato Augusto, Castro) fehlen. Sollten die aber irgendwann zurückkehren, hat Heynckes eine bärenstarke Truppe zusammen. Ein Sturm-Trio vom Kaliber Helmes/Derdiyok/Kießling, bei dem jeder einzelne für mindestens 15 Saisontore gut ist, hat zudem kaum ein anderer Bundesligist vorzuweisen.

Was kann Leverkusen stoppen? Die Verletzungsmisere kann sich bei der Dreifachbelastung noch als großer Hemmschuh erweisen - zumal es dem phlegmatisch geltenden Kader eine weitere Ausrede gibt. Leverkusen war in den vergangenen Jahren chronischer "Underachiever", erreichte also nie das, was eigentlich drin gewesen wäre. Nach guten Hinrunden folgte in der Rückrunde der Absturz - das darf nicht wieder passieren. Gegen physisch starke Mannschaften lässt sich Bayer noch zu oft den Schneid abkaufen. In Abwesenheit von Hyypiä hat Leverkusen zudem in der Innenverteidigung gegen robuste Stürmertypen ein Problem.

Bayer Leverkusen: Alle Ergebnisse auf einen Blick

 

Analyse: Tuchels Händchen besiegt Leverkusen

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